Henriette Reker, Kölner Oberbürgermeisterin

Rechtsextremer Hintergrund? Morddrohung gegen Reker

Stand: 20.06.2019 19:09 Uhr

Nach den Morddrohungen gegen die NRW-Politiker Reker und Hollstein ermitteln LKA und Staatsanwaltschaft Berlin. Die Drohungen könnten Teil einer bundesweiten Serie sein.

Von Jochen Hilgers und Frank Menke

Nach den Morddrohungen gegen die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) und den Bürgermeister der westfälischen Stadt Altena, Andreas Hollstein (CDU), ermitteln das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Berlin. Die Behörden prüfen nach eigenen Angaben, ob ein Zusammenhang zu anderen bundesweiten Drohschreiben mit rechtsextremistischem Hintergrund besteht.

Reul: "Es eskaliert immer weiter"

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Freitag (21.06.2019) in einem Interview mit WDR 2 zu den Drohungen gegen Reker und Hollstein: "Wir wissen, dass es einer ist, der häufiger in den letzten Jahren mit solchen Mails aufgetaucht ist."

Es sei auffällig, dass er Geld fordere. "Das Ganze mit politischen Aussagen unterstützt. Der ganze Brief ist ja rechtsradikal formuliert und deswegen muss man das sich sehr genau angucken." Man müsse jetzt sorgfältig prüfen, ob die Gefahren ganz konkret seien. "Vor allem, weil es sich in zwei Fällen ja auch um Politiker handelt, bei denen ein solcher Anschlag ja schon mal stattgefunden hat", sagte Reul weiter.

Monatelange Ermittlungen

Seit Monaten ermitteln die Berliner Strafverfolgungsbehörden gegen einen oder mehrere Urheber von Drohmails. Diese sind mit "Nationalsozialistische Offensive", "NSU 2.0", "Wehrmacht" oder "Staatsstreichorchester" unterschrieben.

Rund 200 Drohmails

Allein bis April sollen es rund 200 solcher E-Mails gewesen sein. Ein Tatverdächtiger wurde zwar festgenommen. Die Serie ging aber weiter. Die Schreiben an Reker und Hollstein sind mit "Staatsstreichorchester" gezeichnet. Die dem WDR vorliegenden E-Mails beinhalten eine offene Morddrohung gegen die beiden Kommunalpolitiker.

Darin wird ein Zusammenhang mit dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hergestellt. Es heißt unter anderem wörtlich: "Die Phase bevorstehender Säuberungen wurde mit Walter Lübcke eingeleitet."

Reker will sich nicht einschüchtern lassen

An den E-Mails fällt auf, dass sie strukturiert und fast ohne orthographische Fehler geschrieben sind. Außerdem haben sie einen großen Verteiler an Strafverfolger und Zeitungsredaktionen. Henriette Reker, die sich in einem Kurzurlaub befindet, schrieb an den WDR, man dürfe sich ob der Drohung nicht verunsichern lassen und dürfe keinesfalls zurückweichen.

Reker und Hollstein sind nicht zum ersten Mal mit Gewalt konfrontiert. Beide wurden in der Vergangenheit Opfer von Messerangriffen.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juni 2019 um 22:00 Uhr.

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