Polizisten führen einen verdächtigen Mann nach einer Razzia ab | Bildquelle: dpa

Mehrere Bundesländer Weitere Festnahmen im Missbrauchsfall Münster

Stand: 30.06.2020 14:18 Uhr

Vor drei Ausschüssen hat die Landesregierung erneut zu den Missbrauchsfällen in Münster berichtet. Die Polizei nahm am Morgen drei weitere Verdächtige fest.

Von Peter Hild

Im Missbrauchsfall Münster hat die Polizei am Morgen in mehreren Bundesländern drei weitere Tatverdächtige festgenommen. Das berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in der Ausschuss-Sondersitzung des Landtags am Dienstag (30.06.2020). Im Zuge dessen gebe es Hinweise auf ein siebtes Opfer, so Reul. Insgesamt wird nun gegen 21 Verdächtige ermittelt, davon sitzen zehn in Haft.

Männer aus Aachen und Hannover festgenommen

Zu den drei Festnahmen teilten am Mittag die Staatsanwaltschaft Münster und die Polizei Einzelheiten mit: Demnach handelt es sich um einen 26-jährigen Mann aus Aachen und zwei 29 und 49 Jahre alte Männer aus Hannover. Gegen einen 29-jährigen Tatverdächtigen aus Heiligenhaus, einen 36-Jährigen aus Langenhagen und einen 52-Jährigen aus Norderstedt seien weitere Ermittlungen im Gange.

Reul: Erst spät Hinweise auf aktiven Missbrauch

SPD und Grüne hatten die gemeinsame Sondersitzung der drei Ausschüsse beantragt, um aus ihrer Sicht zahlreiche offene Fragen zu den Ermittlungen noch einmal von der Landesregierung beantworten zu lassen.

Innenminister Reul erklärte, dass es trotz einer Durchsuchung beim Hauptverdächtigen Adrian V. im Mai 2019 erst nach der Entschlüsselung seines Laptops ein Jahr später konkrete Hinweise auf aktiven, laufenden Missbrauch gegeben habe. Die Entschlüsselung der sichergestellten Smartphones und Tablets sei sehr aufwändig gewesen und habe Monate gedauert.

Bei einer ersten Auswertung im November 2019 seien Dutzende kinder- und jugendpornografische Bilder und Videos auf den Geräten gefunden worden. Es habe aber keine Hinweise auf aktiven sexuellen Missbrauch gegeben. Eine weitere Untersuchung der Geräte erfolgte laut Reul wegen weiterer parallel laufender Ermittlungsverfahren wegen Kinderpornografie zunächst nicht. "Es musste priorisiert werden", so Reul.

Kein Anlass, um Bewährung aufzuheben

Joachim Stamp, stellvertretender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. | Bildquelle: dpa
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Joachim Stamp, stellvertretender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Zum Zeitpunkt dieser Auswertungsergebnisse stand Adrian V. wegen vorheriger Verurteilungen unter Bewährung. Ein bloßer Verdacht reiche jedoch nicht aus, um die Bewährung aufzuheben, erklärte das Justizministerium. Die Ergebnisse hätten nicht für eine solche Gewissheit ausgereicht.

Darüber hinaus hätten forensische Gutachten keine Hinweise ergeben, dass der Hauptverdächtige seinen Neigungen in der Realität nachgehen würde, erklärte NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP). Auch habe das Jugendamt Münster, das im Austausch mit der Mutter des zehnjährigen Opfers stand, keinen Grund gesehen, in ihr Sorgerecht einzugreifen, so Stamp. Gegen die Frau wird wegen Behilfe zum Missbrauch ermittelt.

Strafverschärfung Thema im Bundesrat

Stamp kündigte an, dass eine interministerielle Arbeitsgruppe bis Ende des Jahres ein abgestimmtes Konzept zur Prävention und zum besseren Schutz von Kindern vor Missbrauch entwickeln und dem Kabinett vorlegen soll. Für Justiz und der Jugendhilfe sind künftig verbindliche gemeinsame Fortbildungen angedacht.

Eine Gesetzesinitiative der Landesregierung zur Verschärfung des Sexualstrafrechts bei Vergehen an Kindern soll am Freitag (03.07.2020) im Bundesrat beraten werden.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juni 2020 um 12:45 Uhr.

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