Wohnwagen und Polizeiband | Bildquelle: dpa

Missbrauch auf Campingplatz Fall Lügde - Landrat gibt Fehler zu

Stand: 19.03.2019 15:20 Uhr

Warum bekommt ein 56-Jähriger, der in einer vermüllten Behausung auf einem Campingplatz lebt, die Pflegschaft für ein kleines Mädchen? Der Landrat Hameln-Pyrmont veröffentlichte heute seine Erkenntnisse.

Der Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, hat am Dienstag (19.03.2019) Fehler seines Jugendamtes im Missbrauchsfall Lügde eingeräumt. Die Akten seien erst jetzt vollständig von seiner Behörde ausgewertet und rechtlich bewertet worden, sagte Bartels.

Er bestätigte, dass dem Jugendamt Hameln bereits im Jahr 2016 mindestens drei Hinweise auf Pädophilie bei dem mutmaßlichen Haupttäter Andreas V. vorgelegen hätten. Diesen Hinweisen sei man nicht in der gebotenen Form nachgegangen. "Wir entschuldigen uns deswegen ausdrücklich bei denjenigen, die dadurch Leid erlitten haben", sagte der Landrat auf einer Pressekonferenz.

Andreas V. habe sich als Pflegevater eines achtjährigen Mädchens stets kooperativ verhalten. Mit dem heutigen Wissen, so der Landrat, hätte der Mann die Pflege jedoch niemals erhalten dürfen.

Weitere Mitarbeiterin des Jugendamts freigestellt

Zudem informierte Bartels, dass eine weitere Mitarbeiterin des Jugendamts freigestellt worden sei. Sie soll vor der Inobhutnahme des Kindes Daten aus einer Akte gelöscht haben, die die früheren Hinweise auf sexuellen Missbrauch im Nachhinein verschleiern sollten.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont hatte bereits vor einem Monat einen Jugendamtsmitarbeiter freigestellt, nachdem dieser eine Akten-Manipulation zugegeben hatte. Das Jugendamt steht in der Kritik, weil es den 56-jährigen mutmaßlichen Haupttäter Anfang 2017 auf Wunsch der im Kreis Hameln lebenden Mutter als Pflegevater für das Kind einsetzte. Der arbeitslose Campingplatz-Bewohner soll das Mädchen und viele seiner Spielkameradinnen sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben.

Drei Männer in Untersuchungshaft

Neben dem 56-Jährigen sitzen ein 33-jähriger mutmaßlicher Mittäter aus Steinheim sowie ein 48-Jähriger aus Stade, der den Missbrauch im Internet verfolgt haben soll, in Untersuchungshaft. Gegen weitere Männer wird ermittelt, auch Polizei und Jugendämter stehen in der Kritik.

Nach bisherigen Erkenntnissen gab es seit 2008 auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen mehr als 1.000 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete BR5 am 19. März 2019 um 15:36 Uhr.

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