Loveparade-Gedenken in Duisburg

Loveparade-Katastrophe Für sieben Angeklagte wohl Prozessende

Stand: 05.02.2019 16:27 Uhr

Der Loveparade-Prozess wird heute wohl für sieben der zehn Angeklagten ohne Urteil beendet werden. Die weiteren drei, die eine Auflage zahlen sollen, stimmten nicht zu.

Dominik Peters

Der Loveparade-Strafprozess wird für sieben der zehn Angeklagten wohl am Mittwoch (06.02.2019) ohne Urteil zuende gehen. Es fehlt lediglich noch der entsprechende Gerichtsbeschluss.

Die Angeklagten sind sich mit Gericht und Staatsanwaltschaft einig, das Verfahren wegen geringer Schuld ohne Geldauflagen einstellen zu wollen.

Strafverteidiger: "Kleine Schwester des Freispruchs"

Der Verteidiger des ehemaligen Duisburger Baudezernenten erklärte am Dienstag (05.02.2019): "Die Unschuldsvermutung bleibt unangetastet. Das ist gut und richtig."

Ein anderer Strafverteidiger stimmte der Einstellung zu, nannte sie aber die "kleine Schwester des eigentlich gebotenen Freispruchs." Formal endet das Verfahren für die sieben Angeklagten frühestens am Mittwoch (06.02.2019).

Drei Angeklagte bestehen auf ihr Recht auf Freispruch

Drei der Angeklagten, allesamt Mitarbeiter der Veranstalterfirma Lopavent, lehnten eine Einstellung des Verfahrens gegen sie derzeit ab. Bei ihnen sehen Gericht und Staatsanwaltschaft eine "mittlere Schuld" und haben Geldauflagen in Höhe von jeweils rund 10.000 Euro vorgeschlagen. Eine Verteidigerin erklärte daraufhin, ihr Mandant verzichte "nicht auf sein Recht, freigesprochen zu werden." Für diese drei Angeklagten dürfte das Verfahren bis auf weiteres fortgesetzt werden.

Nachweis individueller Schuld sei nicht möglich bis zur Verjährung

Zu Beginn des Verhandlungstages hatte sich die Staatsanwaltschaft dem Vorschlag des Gerichts von Mitte Januar 2019 angeschlossen, den Prozess ohne Urteil zu beenden. In einer 32-seitigen Stellungnahme erklärte Oberstaatsanwalt Uwe Mühlhoff, der Nachweis einer individuellen juristischen Schuld der einzelnen Angeklagten sei bis zum Eintreten der absoluten Verjährungsfrist im Juli 2020 "auch bei größter Anstrengung und weiterhin konstruktivem Einsatz aller Verfahrensbeteiligten nicht zu absolvieren."

Gleichzeitig honorierte der Oberstaatsanwalt, "dass die bestmögliche Aufklärung im Mittelpunkt der Verhandlungsführung der Kammer stand", entscheidende Ursachen seien ermittelt worden und die Verteidigung habe kooperativ gearbeitet.

Kritik aus Reihen der Nebenkläger

Mehrere Nebenklägeranwälte äußerten Kritik an der Einstellung, auch wenn sie die Chancen auf ein Urteil ebenfalls als gering betrachten. "Für diesen Prozess gilt und galt: Der Weg ist das Ziel. Und dieser Weg wird gerade abgebrochen", so ein Anwalt in seiner Stellungnahme. "Für die Bewältigung großer und komplexer Sachverhalte sind die Gerichte nun einmal da." Ein Mitspracherecht bei der Einstellung haben die Nebenkläger nicht. 

NRW-Ministerpräsident: Schwer Einzelnen die Schuld zu geben

"Ich verstehe viele der Opferfamilien, die sagen, eigentlich hätten wir gerne einen Schuldigen gehabt, um persönlich damit fertig zu werden", so der NRW-Ministerpräsident dem WDR gegenüber. Armin Laschet fügte am Dienstag (05.02.2019) hinzu, dass er bei der Beobachtung des Prozesses erkennen könne, dass man nicht einem Einzelnen die Schuld geben könne: "Es sind so viele Fragen offen geblieben, so dass dies alles am Ende wahrscheinlich strafrechtlich schwer zu packen ist", sagt der CDU-Politiker weiter.

60 Zeugen in 100 Tagen

In den bisher 100 Verhandlungstagen hat das Gericht rund 60 Zeugen vernommen. Dabei zeigte sich, dass das Unglück mit 21 Toten und hunderten Verletzten wohl nicht allein auf das Handeln der zehn Angeklagten zurückzuführen ist. Laut einem Expertengutachten sind auch Fehler der Polizei am Veranstaltungstag mitursächlich für die Katastrophe.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Februar 2019 um 11:30 Uhr in den "Hundert Sekunden".

Darstellung: