Polizisten führen einen verdächtigen Mann nach einer Razzia ab | Bildquelle: dpa

Nordrhein-Westfalen Clankriminalität im Fokus

Stand: 15.05.2019 17:11 Uhr

Der Schwerpunkt der Clankriminalität in NRW liegt in Essen. Das geht aus dem ersten "Lagebild Clankriminalität" hervor, das Innenminister Reul vorgestellt hat.

Von Rainer Striewski

104 Großfamilien in NRW sollen in den vergangenen zwei Jahren für 14.225 Straftaten verantwortlich gewesen sein. Das geht aus dem "Lagebild Clankriminalität" hervor, das Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch (15.05.2019) vorgestellt hat. Demnach wurden diesen 104 Clans insgesamt 6.449 Tatverdächtige zugeordnet.

Von Raub bis Tötungsdelikt

"Wir haben es hier nicht mit Eierdieben und Tabakschmugglern zu tun", erklärte Reul. Über ein Drittel der 14.225 ermittelten Straftaten waren so genannte Rohheitsdelikte, also Bedrohung, Nötigung, Raub oder gefährliche Körperverletzung. "Clankriminalität ist keine Kleinkriminalität", betonte der Innenminister. Unter den Straftaten waren nach Angaben des Landeskriminalamtes auch 26 Tötungsdelikte, darunter zwei vollendete.

Das "Lagebild Clankriminalität" ist die erste Übersicht über Aktivitäten krimineller Clans in NRW. "Jahrelang wurden die Hinweise der Bürger, aber auch aus Polizeikreisen zu diesem Problem geflissentlich ignoriert", erklärte Reul bei der Vorstellung. "Damit ist nun endlich Schluss. Bei uns gilt nicht das Gesetz des Clans, sondern das Gesetz des Staates."

Schwerpunkt Ruhrgebiet

Laut Lagebild sind die Clans im ganzen Land aktiv. Ein Schwerpunkt bilden aber die Metropolen des Ruhrgebiets, allen voran Essen. Dort wurden den kriminellen Großfamilien im vergangenen Jahr 730 Straftaten zugeordnet. In Recklinghausen waren es 348, Gelsenkirchen folgt mit 335. Auch bei der Anzahl der Tatverdächtigen in den vergangenen zwei Jahren liegt Essen mit 1.114 allein im vierstelligen Bereich - und damit an der Spitze.

Die Clans sind nach Erkenntnissen der Ermittler in legalen und illegalen Geschäftsfeldern aktiv. Dazu gehören etwa der Kfz-Handel und -Verleih oder Schlüsseldienste ebenso wie das Drogen- und Rotlichtmilieu.

Zehn Clans dominieren Szene

Allein zehn Clans sollen laut Lagebild für 30 Prozent der erfassten Straftaten verantwortlich sein. "Das sind schon Mafia-Strukturen und Parallelwelten, in denen die Missachtung von Recht und Gesetz von einer auf die nächste Generation weitergegeben wird", erklärte Reul.

Die meisten Tatverdächtigen mit Clan-Hintergrund sind laut Lagebild Deutsche (36 Prozent), gefolgt von Libanesen (31 Prozent), Türken (15 Prozent) und Syrern (13 Prozent).

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Mai 2019 um 17:00 Uhr.

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