#kurzerklärt

Zu abhängig und zu teuer?

Stand: 28.02.2018 12:57 Uhr

Am Sonntag entscheiden die Schweizer: öffentlichen Rundfunk abschaffen? Auch in Deutschland stehen ARD, ZDF und Deutschlandfunk immer wieder und oft sehr grundsätzlich in der Kritik. Zu Recht?

Von Sebastian Kisters, HR

In Großbritannien gab es ein Experiment: "Leben ohne die BBC". Die Mutter aller öffentlicher Rundfunkanstalten hatte Menschen gesucht, die behaupteten, sie bräuchten kein öffentliches Fernsehen und Radio. Neun Tage lang durfte in 70 Kritiker-Haushalten nur Privatfernsehen geschaut und Privatradio gehört werden.

Das Ergebnis: Zwei Drittel der Kritiker wollte das BBC-Angebot zurück. Wegen des Unterhaltungs- aber eben auch wegen des Informationsangebots.

Allen voran die Briten waren es, die nach den Erfahrungen mit gleichgeschalteten Medien in Nazi-Deutschland auch in Deutschland einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk einführten. Die Idee dahinter: Menschen in einer Demokratie brauchen unabhängige Informationen. Darum werden ARD, ZDF und Deutschlandfunk weder vom Staat - also durch Steuergeld - noch allein durch Werbeeinnahmen finanziert. Sondern durch Abgaben aller Bürger.

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#kurzerklärt: Warum schafft man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht einfach ab?

tagesthemen 22:15 Uhr, 28.02.2018, Sebastian Kisters, HR

Wirklich unabhängig?

Doch Kritiker sagen: Unabhängig? Politiker versuchten doch, in den Sendern mitzumischen. Dafür gibt es tatsächlich hinreichend Beispiele. Die Öffentlich-Rechtlichen werden kontrolliert von Vertretern der Parteien, aus Kirchen, der Kultur, Sport-, Arbeitgeberverbänden oder Gewerkschaften. Diese bilden die Rundfunkräte.

Prozentual die meisten Vertreter schicken aber Parteien. Dass Politiker, die eigentlich von Journalisten kontrolliert werden sollen, wiederum die Sender kontrollieren, sorgt regelmäßig für Spannungen. Doch wahr ist auch: Diese Politiker - von der Linkspartei bis zur AfD - sind als demokratisch gewählte Volksvertreter in den Kontrollgremien.

Bei den Kosten europaweit im Mittelfeld

Kritiker bemängeln zudem, öffentlicher Rundfunk sei zu teuer. Im europäischen Vergleich liegt die Schweiz mit einer jährlichen Abgabe pro Haushalt in Höhe von umgerechnet rund 414 Euro vorne, gefolgt von Dänemark mit umgerechnet 330 Euro. Am unteren Ende liegen Serbien mit umgerechnet rund 15 Euro und Albanien mit umgerechnet neun Euro. Deutschland liegt mit 210 Euro im Mittelfeld.

Die ARD zahlt davon eines der dichtesten Fernseh- und Radiokorrespondenten-Netze der Welt. In Deutschland und im Ausland. Auch, um Nachrichten und Neuigkeiten von "Fake News" trennen zu können. Diese Arbeit nutzen offensichtlich viele Menschen: Allein die 20-Uhr-Tagesschau sahen sich im vergangenen Jahr im Durchschnitt täglich mehr als zehn Millionen Menschen an - so viele wie nie zuvor.

Nun stimmen die Schweizer in einer Volksabstimmung darüber ab, ob ihr öffentlicher Rundfunk weiter von allen Bürgern finanziert werden soll. Zu Wort meldete sich auch der ehemalige Sat.1-Chef Roger Schawinski, ein Schweizer. Er hatte das öffentliche Fernsehen immer wieder kritisierte - warnte aber davor, es abzuschaffen. Bezahlfernsehen funktioniere nur in drei Bereichen: Sport, Film und Pornos.