#kurzerklärt

Was ist das Problem mit den Diesel-Autos?

Stand: 22.02.2018 04:58 Uhr

Feinstaub, CO2, Stickoxid - klar, das komplett saubere Auto gibt es nicht. Aber warum stehen derzeit fast ausschließlich die Diesel-Autos in der Kritik?

Von Martin Schmidt, SWR

Gleich vorweg: Das Problem ist vor allem der Dreck aus dem Diesel-Auspuff - giftiges Stickstoffdioxid. Eine hohe Stickstoffdioxid-Konzentration in der Luft kann schwere Folgen für Menschen haben und Atemwegsprobleme oder Herz-Kreislauferkrankungen hervorrufen. Daher gilt seit 2010 eine EU-Richtlinie, die festschreibt, dass in allen Mitgliedsstaaten ein Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft eingehalten werden soll.

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#kurzerklärt: Was ist das Problem mit den Diesel-Autos?

Werte in 70 Städten zu hoch

Auf dem Land funktioniert das zwar, in den Städten aber oftmals nicht. Das zeigt die Auswertung der vorläufigen Messdaten der Länder und des Umweltbundesamtes für das Jahr 2017. In 70 deutschen Städten sind die Werte zu hoch - häufig mit mehr als 45 Mikrogramm pro Kubikmeter sogar deutlich.

Die Spitzenreiter: Köln mit 62 Mikrogramm, Stuttgart mit 73 Mikrogramm und München mit 78 Mikrogramm pro Kubikmeter - ein Jahresmittelwert, der fast doppelt so hoch ist wie erlaubt.

Verkehr für Stickstoffdioxid in Innenstädten hauptverantwortlich

Und auch wie diese Werte zustande kommen, hat das Umweltbundesamt untersucht: In den Innenstädten sorgt mit 61 Prozent hauptsächlich der Verkehr für die Stickstoffdioxid-Belastung. Deutlich weniger kommt aus der Industrie (vier Prozent) und den privaten Haushalten (acht Prozent). Einiges an Stickstoffdioxid wird aber auch aus der weiteren Umgebung in die Städte geweht. Das Umweltbundesamt nennt das Ferntransport (23 Prozent). Doch auch hinter diesem Begriff verbirgt sich Stickstoffdioxid, das vor allem aus dem Verkehr stammt.  

Schaut man sich den Verkehr gesondert an, wird klar, was das besondere Problem der Diesel-Autos ist: Allein die Diesel-Pkw sind für knapp drei Viertel der Stickstoffdioxid-Belastung verantwortlich (72,5 Prozent). Dazu kommen noch die Diesel-Lkw (19 Prozent). Andere Autos (drei Prozent) oder Busse (vier Prozent) spielen hier kaum eine Rolle.

Deutschland drohen hohe EU-Strafen

Nur wenn es also gelingt, den Stickstoffdioxid-Ausstoß der Diesel-Autos deutlich zu senken, können die Grenzwerte in den Städten wieder eingehalten werden. An Orten, an denen die Grenzwerte nur gering überschritten werden, kann es vielleicht auch helfen, auf Elektrobusse oder Elektrotaxis umzurüsten. Den Stickstoffdioxid-Spitzenreitern Köln, Stuttgart oder München wird das allein aber nicht helfen. Doch auch für sie muss die Politik Wege finden, sonst drohen Deutschland am Ende Geldstrafen von der EU - sogar in sechsstelliger Höhe pro Tag.

Eines darf man bei der Debatte um die Diesel-Autos übrigens nicht durcheinander bringen: Stickstoffdioxid und Feinstaub. Zwar wird in der Diesel-Debatte umgangssprachlich oft vom Problem mit dem Feinstaub gesprochen, doch das haben Benziner, Diesel und sogar auch Elektroautos gemeinsam. Denn es trägt nicht nur der Dreck aus dem Auspuff zur Feinstaubbelastung bei. Die winzigen Staubpartikel entstehen vor allem durch Brems- und Reifenabrieb oder auch dadurch, dass Staub von der Straße beim Fahren aufgewirbelt wird.

Und die Feinstaub-Werte sind an Deutschlands Messstellen im Vergleich nicht so schlecht wie die des Stickstoffdioxids. Nur in Stuttgart wurden in den vergangenen Jahren die EU-Grenzwerte beim Feinstaub noch überschritten.