#kurzerklärt Ist das Diesel-Auto am Ende?

Stand: 04.08.2017 18:24 Uhr

Gerade erst feierte er Jubiläum, lange wurde er als effektiv und umweltfreundlich gefeiert - jetzt scheinen aber seine Tage gezählt: Der Dieselmotor gilt nun vor allem als Dreckschleuder. Bald schon könnte er von unseren Straßen verschwinden.

Von Martin Schmidt, SWR

Beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin bekommt die Erfindung die Nummer 67207. Eine "neue, rationelle Wärmekraftmaschine" soll es sein, die Rudolf Diesel am 27. Februar 1892 anmeldet. 125 Jahre ist das jetzt her, der Dieselmotor hat seitdem längst eine Weltkarriere hinter sich. Doch so richtig in Feierstimmung ist niemand: Zum Geburtstag haben die Diesel-Autos ein erhebliches Imageproblem.

Dabei liegen die Diesel-Vorteile besonders für Vielfahrer nach wie vor auf der Hand: Der Kraftstoff ist steuerbegünstigt. Im vergangenen Jahr kostete er pro Liter im Durchschnitt rund 20 Cent weniger als Super E10. Und Diesel-Autos verbrauchen auf der gleichen Strecke bis zu 25 Prozent weniger. Das spart auf Dauer richtig Geld.

#kurzerklärt: Ist der Diesel am Ende?
04.08.2017, Martin Schmidt, SWR

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Madrid, Paris, Athen wollen Diesel-Fahrverbote ab 2025

Alles gut also, wäre da nicht der Dreck aus dem Auspuff: Giftiges Stickstoffdioxid. Düsseldorf, München, Hamburg - es sind fast ausschließlich Diesel-Fahrzeuge daran schuld, dass viele deutsche Großstädte die Stickstoffdioxid-Grenzwerte nicht einhalten. Laut Umweltbundesamt wurde 2016 bundesweit an mehr als jeder zweiten verkehrsnahen Messstation der Grenzwert überschritten.

Die Brüsseler EU-Kommission hat Deutschland schon wiederholt Verstöße gegen europäische Standards für die Luftqualität vorgeworfen. Mehrere Verfahren wegen mutmaßlicher Verletzungen von EU-Recht sind gegen die Bundesregierung im Gange. Und auch in anderen Ländern ist die dreckige Luft ein Problem: Madrid, Paris und Athen wollen daher ab 2025 gar keine Diesel mehr in die Innenstädte lassen. Fahrverbote - nicht ausgeschlossen, dass es sie auch in Deutschland geben wird.

Umweltbundesamt: Euro-6-Diesel stoßen zu viel Stickstoffdioxid aus

Eigentlich sollten die über die Jahre immer strenger gewordenen Euro-Normen dafür sorgen, die Luft sauberer zu machen. Untersuchungen des Umweltbundesamtes zeigen aber, dass die Diesel-Autos die Auflagen für den Stickoxid-Ausstoß unter realen Bedingungen bei weitem nicht einhalten. Beispiel: Euro-6 –Norm-Diesel. Der Grenzwert liegt eigentlich bei 80 Milligramm Stickoxide pro Kilometer. Bei den Messungen des Umweltbundesamtes kamen sie jedoch im Schnitt auf 507 Milligramm.

Ähnlich groß sind die Differenzen auch bei den älteren Autos: Die Euro-4-Norm-Diesel kommen im Schnitt auf 674 Milligramm Stickoxide pro Kilometer (Grenzwert: 250 Milligramm), die Euro-5-Norm-Diesel im Schnitt sogar auf 906 Milligramm (Grenzwert: 180 Milligramm). Der Verband der Automobilindustrie rückt ohnehin ein ganz anderes Argument für den Diesel in den Vordergrund: den Klimaschutz. Weil Diesel-Autos weniger Kraftstoff verbrauchen, stoßen sie auch weniger vom klimaschädlichen CO2 aus. Im Schnitt bis zu 15 Prozent.

Software-Updates und Umstiegsprämien

Und die Stickoxid-Probleme wollen die Autohersteller auch in den Griff bekommen. Ihre Lösung, präsentiert beim großen Auto-Gipfel in Berlin: Software-Updates für 5,3 Millionen Fahrzeuge der Euro-5- und Euro-6-Norm. Der Stickoxid-Ausstoß der Fahrzeuge soll so im Schnitt um 25 bis 30 Prozent sinken, sagen die Hersteller. Umweltverbände haben daran jedoch ihre Zweifel.

Sie fordern, die Diesel auch technisch nachzurüsten, zum Beispiel mit größeren Harnstoff-Tanks oder Stickoxid-Speicherkatalysatoren. Außerdem ist unklar, was mit Millionen älterer Diesel passiert. Die Hersteller wollen die Besitzer mit Umstiegsprämien davon überzeugen, sich von ihren alten Autos zu trennen und neue Diesel zu kaufen. Doch noch ist die Höhe der Prämien unklar und damit auch, ob sich das überhaupt lohnt.

Messstationen werden zeigen, ob Maßnahmen greifen

Am Ende werden vor allem die Messstationen in den Innenstädten zeigen, ob die Maßnahmen die Luft deutlich sauberer machen und dadurch Fahrverbote verhindern. Wenn nicht, könnte das tatsächlich der Anfang vom Ende der Diesel-Autos werden. Denn schon wegen drohender Fahrverbote entscheiden sich immer mehr Käufer gegen den Diesel. Es sieht weiterhin nicht nach Feierstimmung aus, 125 Jahre nach der Anmeldung des Diesel-Patents.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 04. August 2017 um 00:55 Uhr.

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