Bildergalerie: UNICEF-Foto des Jahres 2016

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UNICEF-Foto des Jahres 2016

Foto von Arez Ghaderi

Und trotz allem: ein Lächeln. Ein tapferes Lächeln, vielleicht sogar ein Augenblick wirklicher Freude. Es ist diese Widerstandskraft, diese Strahlkraft eines Mädchens auf einer Müllhalde im Iran, die das Bild des im Westen weithin unbekannten Fotografen Arez Ghaderi zu einem Symbolbild macht - und zum UNICEF-Foto des Jahres 2016. Der Iraner Arez Ghaderi, als freier Fotograf arbeitend, hat das Mädchen in einer provisorischen Zeltstadt irgendwo in der Khorasan Razavi-Provinz getroffen. Belutschen-Familien aus der Grenzregion zu Pakistan und Afghanistan haben sich hierher aufgemacht auf der Suche nach neuen Chancen. Während die Erwachsenen in nahen Dörfern nach Arbeit suchen, streunen die Kinder über Plastikberge, um aus ihnen herauszuklauben, was noch nutzbar sein könnte. Passen auf kleinere Geschwister auf und auf die mitgebrachten Tiere. Und spielen. Nein, Armut kann nicht glücklich machen. Nirgendwo. Aber im Bild des Arez Ghaderi offenbart sich ein Kinderrecht: das Recht, manchmal einfach unbeschwert zu sein. | Bildquelle: Ariz Ghaderi

Foto von Arez Ghaderi

Und trotz allem: ein Lächeln. Ein tapferes Lächeln, vielleicht sogar ein Augenblick wirklicher Freude. Es ist diese Widerstandskraft, diese Strahlkraft eines Mädchens auf einer Müllhalde im Iran, die das Bild des im Westen weithin unbekannten Fotografen Arez Ghaderi zu einem Symbolbild macht - und zum UNICEF-Foto des Jahres 2016. Der Iraner Arez Ghaderi, als freier Fotograf arbeitend, hat das Mädchen in einer provisorischen Zeltstadt irgendwo in der Khorasan Razavi-Provinz getroffen. Belutschen-Familien aus der Grenzregion zu Pakistan und Afghanistan haben sich hierher aufgemacht auf der Suche nach neuen Chancen. Während die Erwachsenen in nahen Dörfern nach Arbeit suchen, streunen die Kinder über Plastikberge, um aus ihnen herauszuklauben, was noch nutzbar sein könnte. Passen auf kleinere Geschwister auf und auf die mitgebrachten Tiere. Und spielen. Nein, Armut kann nicht glücklich machen. Nirgendwo. Aber im Bild des Arez Ghaderi offenbart sich ein Kinderrecht: das Recht, manchmal einfach unbeschwert zu sein.

Foto von Ali Nouraldin

Es ist Nacht angebrochen in Idomeni. Eine Nacht zwischen weiteren Tagen des Wartens, der Bewegungslosigkeit, der Ungewissheit. Über 12.000 Flüchtlinge, meist aus Syrien und in der Mehrzahl Kinder und Jugendliche, harren hier an der griechisch-mazedonischen Grenze aus; gestoppt auf ihrem Weg nach Deutschland, von dem sie träumen. Freiwillige Helfer haben ein Behelfs-Kino unter freiem Himmel aufgebaut, um die Kinder mit Filmen zu unterhalten. Um sie aus der Lagerrealität zu entführen und ihre Gedanken verreisen zu lassen. Der 1985 im Gaza-Streifen geborene, gegenwärtig in Köln lebende und für internationale Medien arbeitende Fotojournalist Ali Nouraldin hat diese Stunde der Verzauberung während eines längeren Aufenthalts in Idomeni eingefangen. Das Foto wurde mit dem 2. Platz ausgezeichnet.

Foto von Mohammed Badra

Duma, die neuntgrößte Stadt Syriens, nicht weit von Damaskus. Auch diese Stadt: eine Stadt im Krieg, voller apokalyptischer Szenen, voller Begegnungen mit Blut, Schmerz und Tod. Auch für die Kinder, und für sie vielleicht noch unfassbarer. Der in Duma geborene und für die Agentur epa arbeitende Fotojournalist Mohammed Badra hat Architektur studiert. Doch der Krieg wandelte ihn: Er wurde zum Zeugen der Ereignisse, er leistete erste Hilfe für den Roten Halbmond, die Schwesterorganisation des Roten Kreuzes, und engagierte sich in der psychologischen Betreuung von Opfern. Badras Bild der beiden festlich gekleideten Kinder, der feste Blick des Mädchens in Weiß, der unruhige Blick des Mädchens in Rot, die mit Einschusslöchern übersähte Wand - ein fast surrealer Moment im Waffengetöse. Etwa eine Million Menschen hat der Krieg in Syrien zu Geiseln zwischen den Fronten gemacht, Kinder sterben in bombardierten Schulen, arbeiten in Leichenhallen, letzte Krankenhäuser schließen. Das Foto wurde mit dem 3. Platz ausgezeichnet.

Foto von Jordi Pizarro

Sieben weitere Bilder erhielten ehrenvolle Erwähnung: Seit der 1985 in Barcelona geborene Fotograf Jordi Pizarro in New Dehli lebt, hat er immer wieder Nachrichten von auffällig häufigen Zwillingsgeburten in bestimmten Orten in Indien gelesen. Was ihn schon deshalb wundern musste, weil Indien eine der niedrigsten Zwillingsgeburtenraten weltweit aufweist. So reiste er nach Kerala, in die kleine Ortschaft Kodinhi, um Zwillinge zu porträtieren. Und weil in seiner Fotografie Fantasie und Realität zusammenkommen können, hat er seinen Bildern die Anmutung einer Rückkehr in eine andere Epoche gegeben. Er hat seine Fotos absichtlich "alt" gemacht, wie Zeugnisse aus einer Zeit, in der einem angesichts seltener Phänomene nichts blieb, als über sie zu staunen.

Foto von irsty Mackay

"Meine Lieblingsfarbe war gelb", überschreibt die in Glasgow geborene Fotografin Kirsty Mackay ihre Porträtreihe von Mädchen in Großbritannien - mit Verweis auf ihre eigene Biographie. Die Farbe Rosa, die in den Bildern dominiert, ist in der Geschlechter-Debatte zu einem Symbol konsumgelenkter Manipulation von Mädchen geworden. So kritisiert etwa die Protestorganisation "Pink stinks" die Verführung von Mädchen (und deren Eltern) durch Produkte, die überkommene Geschlechterrollen verfestige. Ist es aber wirklich ein Problem, wenn die kleine Flo im rosa Kleid, mit einem rosa Besen Hausputz vor ihrer rosafarbenen Hütte macht? Kirsty Mackay sieht es gelassener. Sie sagt, sie habe einfach stolze kleine Mädchen erlebt. Und die hätten das Recht, auch eine Rosa-Phase zu durchlaufen. Ohnehin ende diese bei den meisten von ihnen wie von selbst, wenn sie älter würden.

Foto von Laura Boushnak

Endlich auf eigenen Füßen zu stehen - das ist gewöhnlich eine Metapher für die Hoffnung, für sich selber sorgen zu können, einen Beruf zu haben, vielleicht sogar eine Firma zu gründen. Für den Palästinenser Mohammed, der im Jahr 2016 zwanzig Jahre alt geworden ist, ist es etwas, dass er sich nicht einmal erträumen darf. Denn im Wort - und nicht nur übertragenen Sinne, hat er keine Füße, keine Beine mehr, seit  vor zehn Jahren Opfer einer Cluster-Bombe wurde - jener Streumunition, die im damaligen 34-Stunden-Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah eingesetzt wurde. Die Fotografin Laura Boushnak dokumentiert das Leiden eines Jungen, nun jungen Mannes, der nach seiner Verletzung nicht mehr die Schule besuchen konnte. Der als einziger Sohn der Familie auch künftig nicht für seine Angehörigen sorgen kann. Der seine kleinen Freuden beim Schwimmen hat, wo er mithält mit den Unversehrten, an deren Leben er gerne teilhaben möchte. Nicht explodierte Streubomben, sind - wie Landminen - oft noch Jahre nach einem Konflikt eine Gefahr für die Zivilbevölkerung, insbesondere für Kinder. 119 Nationen haben diese Waffe bis heute geächtet; aber die Großmächte produzieren sie weiter.

Foto von Mauricio Lima

In der Region Aleppo (Syrien) sind sie gestartet, um dem Krieg zu entfliehen: zwei Brüder mit ihren Familien, 13 Köpfe, sechs Kinder darunter und eine im siebten Monat schwangere Frau. Ihr Ziel: Schweden. Allein von Serbien aus hat diese Flucht 29 Tage gedauert. Sie hat lange Fußmärsche und illegale Grenzübertritte bedeutet, fünf Nächte neben einem Bahnhof in Budapest, endlose Busfahrten, Zugfahrten. Mauricio Lima, 1975 in  São Paulo geboren, hat Fotoreportagen unter anderem in Afghanistan, dem Irak und der Ukraine erarbeitet. An der Seite der beiden Flüchtlingsfamilien aus Syrien war er in Horgos, dem ungarischen Roszke, in Budapest, Salzburg, München, Kiel, Padborg, an mehreren Orten in Schweden und schließlich den vorläufigen Endstationen dieser Odyssee: Kristinehamn und Backhammar.

Foto von Yahya Arhab

Er wird "der vergessene Krieg" genannt, jener Krieg zwischen einer von Saudi-Arabien geführten Koalition und den schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen. Tatsächlich steht der Konflikt eher im Schatten der internationalen Berichterstattung. Täglich sieht und fotografiert Yahya Arhab jene, die den Krieg keine einzige Stunde vergessen können. Dieses Fotos zeigt ein bewaffnetes Mädchen beim Aufmarsch einer Frauengruppe zu Ehren der Rebellen. Nach Angaben von UNICEF sind inzwischen schon 82 Prozent der jemenitischen Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. Fast die Hälfte von ihnen: Kinder.

Foto von Alex Masi

Ein Wald 60 Kilometer westlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Ein Sommerlager für Jungen und Mädchen zwischen acht und 16 Jahren. Organisiert wird es von einem der etwa 80 ukrainischen Freiwilligen-Bataillone, die dem Innenministerium unterstehen. Seine Ideologie: ultranationalistisch, rechtsextrem. Hier werden Kinder auf den Krieg eingeschworen, wird kleinen Mädchen der Umgang mit dem Schnellfeuergewehr gelehrt, proben sie Häusersturm mit Waffenattrappen, müssen mit kugelsicherer Weste und Helm Strafübungen exerzieren, singen mit der Faust auf dem Herzen patriotische Lieder. Alex Masis Reportage aus dem Sommerlager belichtet eine Dunkelzone im russisch-ukrainischen Konflikt. Sie zeigt, wie stark sich,  Hass und Militarismus in die Zivilgesellschaft gefressen haben und nicht einmal vor den Kindern halt machen.

Foto von Benedikt Ziegler

Rheuma - ein Fluch des Alters? Leider nicht nur. Allein in Deutschland sind etwa 30.000 Säuglinge, Kinder und Jugendliche von rheumatischen Erkrankungen betroffen; diese zählen zu den drei häufigsten chronischen Leiden im Kindesalter. Der junge deutsche Fotograf Benedikt Ziegler, Absolvent der Fachhochschule Dortmund, hat das Leben von jungen Rheumapatienten über einen längeren Zeitraum begleitet: zu Hause und mit Freunden, in Fachkliniken und Selbsthilfegruppen, während oder jenseits der Therapien, bei denen Wasser, Kälte, Bewegung eingesetzt werden. Ziegler kam es darauf an, als stiller Beobachter die Gefühle der Betroffenen einzufangen, die Barrieren und Handycaps, die sie zu überwinden haben, die Schmerzen, aber auch die schönen Momente der Freude und Entspannung. Er möchte informieren und zugleich sensibilisieren für ein in der Öffentlichkeit weithin unbekanntes Schicksal.

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