Bildergalerie: Bilder aus der zerstörten Stadt Kobane

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Bilder aus der zerstörten Stadt Kobane

Zerstörte Häuser in Kobane

Eine ehemalige Grünfläche im Zentrum der Stadt ist von Trümmern übersät. "Nach Schätzungen der Kurden sind 70 bis 80 Prozent der Stadt zerstört", berichtet ARD-Korrespondent Volker Schwenck nach seiner Reportage-Reise nach Kobane. "Man sieht deutlich, dass schwere Kämpfe stattgefunden haben - aber nicht nur zwischen dem "Islamischen Staat" und kurdischen Milizen; offenbar hat die US-geführte Militärallianz das Stadtzentrum gezielt aus der Luft bombardiert, als der IS sich dort verschanzt hatte. Anders ist die flächendeckende Zerstörung nicht zu erklären." | Bildquelle: Volker Schwenck

Zerstörte Häuser in Kobane

Eine ehemalige Grünfläche im Zentrum der Stadt ist von Trümmern übersät. "Nach Schätzungen der Kurden sind 70 bis 80 Prozent der Stadt zerstört", berichtet ARD-Korrespondent Volker Schwenck nach seiner Reportage-Reise nach Kobane. "Man sieht deutlich, dass schwere Kämpfe stattgefunden haben - aber nicht nur zwischen dem "Islamischen Staat" und kurdischen Milizen; offenbar hat die US-geführte Militärallianz das Stadtzentrum gezielt aus der Luft bombardiert, als der IS sich dort verschanzt hatte. Anders ist die flächendeckende Zerstörung nicht zu erklären."

Zerstörte Häuser in Kobane

Auch wenn die Kämpfe vorüber sind, lauern überall in der Stadt Gefahren. "In den Trümmern sind nach wie vor viele Sprengfallen angebracht. Ein Stolperdraht, der mit einer Handgranate verbunden ist, Häuser, die mit TNT gespickt sind. Diese Maßnahmen waren dazu gedacht, kurdische Kämpfer aufzuhalten - aber sie machen Teile der Stadt letztlich unbewohnbar. Dazu kommen Blindgänger auf Straßen, in Gebäuden und Trümmern: Granaten, selbstgebaute Raketen. Es liegen auch nach wie vor Leichen in den Straßen, allesamt IS-Kämpfer."

Zerstörte Häuser in Kobane

Die Hauptstraße zur türkisch-syrischen Grenze. "In der Stadt kann man sich fast nur zu Fuß fortbewegen, denn viele Straßen sind verschüttet oder blockiert. Es gibt nur wenige Autos und die fahren auch nur, wenn Dinge oder Kämpfer transportiert werden müssen. Treibstoff muss über die türkische Grenze geschmuggelt werden. Deshalb kostet Diesel rund 12 Dollar - pro Liter."

Ein Moped liegt am Straßenrand

Ein zurückgelassenes Moped im Zentrum der Stadt. "Das Foto zeigt exemplarisch, wie überstürzt viele Bewohner Kobanes vor den Islamisten geflohen sind. Es gibt ein Schuhgeschäft, in dem noch die Auslage wie vor den Kämpfen aufgebaut war; Kfz-Werkstätten, in denen Fahrzeuge zur Reparatur standen, die Ölfilter und Ersatzteile im Regal. Viele Menschen mussten einfach alles stehen und liegen lassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Erstaunlicherweise hat es nicht überall Plünderungen gegeben."

Ein zerstörtes Haus in Kobane

Ein leer stehendes Haus an einem Hauptplatz im Zentrum der Stadt. "Die Einschusslöcher zeigen, dass hier ein erbitterter Häuserkampf stattgefunden hat. Die 3000 bis 6000 Zivilisten, die wieder in der Stadt sind, leben in den wenigen weitgehend unbeschädigten Häusern. In vielen Wänden gibt es Löcher von Kalaschnikows, schweren Maschinengewehren oder Panzergranaten. Oft sind Häuser instabil, ein Betreten kann lebensgefährlich sein."

Kobane

Ein Traktor, der mit Stahlplatten verkleidet ist, dient als Truppentransporter. "Panzerwagen made in Kobane: Mit diesem Fahrzeug wurden Kämpfer unter Beschuss an die Front gebracht. Wenn man bedenkt, dass der IS viel besser ausgerüstet ist - unter anderem verfügt er über panzerbrechende Raketen, schwere Maschinengewehre und Artillerie - versteht man, warum die kurdischen Kämpfer so einen schweren Stand hatten - und warum sie so lautstark bessere Ausrüstung vom Westen fordern."

Ein Militärfahrzeug steht in einer Straße in Kobane

Ein ausgebrannter russischer Panzer steht am Straßenrand. "Der gehörte einst der syrischen Armee, wurde dann von der oppositionellen 'Freien Syrischen Armee' erbeutet und am Ende vom IS übernommen. Solche Bilder zeigen, dass der Verbleib von Waffen in Krisengebieten unkontrollierbar ist. Darum sind westliche Länder zurückhaltend mit der Lieferung von modernem Gerät an die Rebellen oder die Kurden. Man muss einfach davon ausgehen, dass ein Teil der Waffen, die man heute an Verbündete liefert, schon morgen in Hand des Gegners sein können", berichtet Schwenck. "Die Kleidung der Menschen auf dem Foto zeigt nebenbei, dass es nach wie vor kalt ist in Kobane. Nachts liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Und nur wenige haben Heizöl oder genügend Brennholz."

Filmaufnahmen in Kobane

Eine selbstgebaute Granate, die nicht explodiert ist. "Bei den Kämpfen ist nicht nur reguläre Munition zum Einsatz gekommen. Es gibt auch viele selbstgebaute Waffen und Granaten. Das sind beispielsweise mit Sprengstoff gefüllte Gasflaschen mit einer angeschweißten Finne, wie hier zu sehen ist. Diese Sprengkörper explodieren manchmal nicht und liegen dann am Wegesrand. Bei den kurdischen Einheiten gibt es nur einen Experten, der die Blindgänger entschärfen kann. Wenn dieser Mann alle nicht explodierten Granaten in der Stadt entschärfen soll, wäre er noch Jahrzehnte beschäftigt. Wenn die internationale Gemeinschaft also helfen will, muss sie auch dringend Spezialisten zur Entschärfung von Blindgängern, Minen und Sprengfallen schicken."

Männer bereiten Brot zu

Eine Bäckerei inmitten der Zerstörung. "Das Haltbarkeitsdatum des Mehls ist schon längst abgelaufen, genau wie das der Hefe. Die Zutaten stammen zum Großteil noch aus der Zeit vor der Besatzung. Dennoch werden hier 20.000 Fladenbrote pro Tag gebacken; 17.000 davon gehen an die Kämpfer, nur 3000 an Zivilisten. Auch wir haben auf unserer Reise nicht mehr als dieses Brot und Wasser bekommen. Und eine Dose Thunfisch."

Frisch gebackene Fladenbrote

Frisch gebackene Fladenbrote kühlen in der Bäckerei ab, bevor sie ausgeliefert werden. "In Kobane mangelt es an allem, vor allem an Grundnahrungsmitteln. Aber auch Treibstoff, Wasser, Medikamente, und medizinisches Gerät sind äußerst knapp. Das Grundproblem dahinter: Die Türkei hat ihre Grenze dicht gemacht, ihre Sicherheitsvorkerhungen erhöht und lässt Hilfslieferungen nur in sehr begrenztem Maß über die Grenze, berichten die Kurden. Das bedeutet, dass Mehl, Wasser, Öl und andere Grundnahrungsmittel geschmuggelt werden müssen. Wenn sich das nicht nicht in absehbarer Zeit ändert, wird sich die Situation in Kobane weiter verschärfen. Das wiederum sorgt für wachsende Spannungen mit den Kurden in der Türkei."

Filmaufnahmen in Kobane

Dreharbeiten mit Kämpfern während einer Pause. "Die kurdischen Verbände sind straff organisiert. Für uns Journalisten - wir waren etwa 20 Reporter, Fotografen, Zeitungsjournalisten, aber nur wenige TV-Teams - gibt es ein eigenes Medienkomitee. Das sorgt zum einen für unsere Sicherheit und hilft bei der Suche nach Interviewpartnern. Auf der anderen Seite werden wir dadurch natürlich auch kontrolliert: Wir sehen vermutlich nur die Orte, die wir sehen sollen, und eventuell kritische Stimmen aus der Bevölkerung bekommen wir nicht ohne weiteres zu hören. Auch bei schlichten Fakten, wie den Angaben zu Opferzahlen bei den Kämpfen oder dem aktuellen Verlauf der Frontlinie, sind wir auf Informationen der Kurden angewiesen - eine Überprüfung ist nicht möglich."

Filmaufnahmen in Kobane

Filmaufnahmen in einer zerstörten Stadt. Eine solche Reportage-Reise zu organisieren braucht viel Zeit, berichtet ARD-Korrespondent Schwenk (hier vor der Kamera zu sehen). "Auf die Reise haben wir mehrere Monate hingearbeitet. So etwas funktioniert nur, wenn man gute Kontakte zur Kurden-Partei PYD hat, die in Kobane und anderen Teilen der Kurdengebiete herrscht. Wir haben vor unserer Einreise nach Syrien zwei Tage auf der türkischen Seite gewartet - die Grenze ist ja offiziell komplett geschlossen. Normalerweise schmuggeln die Kurden Journalisten dann nachts auf die andere Seite. Das war in unserem Fall nicht möglich, auf türkischer Seite wurde nach der Meldung über die Befreiung Kobanes die Überwachung der Grenze drastisch verschärft. Glücklicherweise hat dann aber ein türkischer Regional-Gouverneur die Einreise erlaubt und wir konnten eine Nacht und einen Tag in Kobane drehen."

Filmaufnahmen in Kobane

Ein Schützengraben über der Stadt. "Er ist auf einem Hügel gelegen, der die Stadt überblickt. Die Front ist mittlerweile gut fünf Kilometer von dieser Stelle entfernt. Man kann aber gut einige der rund 360 Dörfer erkennen, von denen immer noch über 90 Prozent in der Hand der Islamisten sind."

Ortsschild von Kobane

Der Westeingang nach Kobane. "Die Stadt ist zwar befreit, aber Kobane ist nach wie vor auf drei Seiten von Verbänden der Islamisten umzingelt. Bis in der Region wieder Frieden einkehrt, wird also noch eine lange Zeit vergehen."

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