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Der Ausnahmezustand als Normalität in Fukushima

Fukushima

Bis zum 11. März 2011 Trainingslager der japanischen Fußball-Nationalmannschaft - heute Basislager für die immer noch rund 10.000 Fukushima-"Liquidatoren" - und erste Station für jeden, der auf das Kraftwerksgelände will: Das sogenannte J-Village, rund 20 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt. (Foto: Jürgen Döschner)

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Bis zum 11. März 2011 Trainingslager der japanischen Fußball-Nationalmannschaft - heute Basislager für die immer noch rund 10.000 Fukushima-"Liquidatoren" - und erste Station für jeden, der auf das Kraftwerksgelände will: Das sogenannte J-Village, rund 20 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt.

Kinderbrief aus Fukushima (Foto: Jürgen Döschner)

In der Eingangshalle des Hauptgebäudes: Aufmunternde Briefe von Schülern aus aller Welt für die "Helden von Fukushima". (Foto: Jürgen Döschner)

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Im J-Village werden alle Arbeiter und Besucher, die auf das Gelände des AKW wollen, eine Minute lang im "Whole-body counter" auf ihre aktuelle Eigenstrahlung durchgemessen. Fotografieren ist hier - wie an vielen Stellen im J-Village - eigentlich verboten.

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Das gesamte Equipment wird luftdicht verpackt, um es vor Kontamination durch radioaktive Partikel zu schützen. Zur Kontrolle der Strahlendosis während des Aufenthalts auf dem AKW-Gelände muss jeder Arbeiter und Besucher einen persönlichen Dosimeter bei sich tragen.

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Mit dem Bus geht es vom J-Village 20 Kilometer durch die Sperrzone - vorbei an verlassenen Häusern, Schulen, Kindergärten. In einigen weniger verstrahlten Orten dürfen die Anwohner tagsüber für einige Stunden in ihre Häuser zurück.

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Landwirtschaft ist in der gesamten Zone nach wie vor verboten. Auf manchen Feldern wurde das Getreide abgeerntet und in Plastiksäcke verpackt: radioaktiver Sondermüll.

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Erste Station auf dem AKW-Gelände: Das erdbebensichere Notfall-Kontrollzentrum. Nur sechs Monate vor dem 11. März 2011 wurde es fertiggestellt. Weil das Gebäude höher als das eigentliche AKW liegt , blieb es auch von den Tsunamiwellen verschont.

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Von hier aus werden heute alle sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi - bzw. das, was davon übrig ist - überwacht. Temperatur, Wasserstand in den Reaktoren und Strahlungswerte können hier in Echtzeit abgelesen werden. Manche Daten sind aber auch bis heute nicht verfügbar, wie z.B. der Wasserstand im Sicherheitsbehälter von Reaktor 3.

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Aus den Bildschirmdaten geht hervor: Die Strahlung im Reaktor Nr. 3 ist mit 3,54 Sievert pro Stunde (SV/h) extrem hoch - eine für den Menschen nach kurzer Zeit tödliche Dosis. Zum Vergleich: Im ebenfalls havarierten Reaktor Nr. 2 beträgt die Strahlung "nur" 0,54“ Sievert pro Stunde.

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Improvisation ist alles: Bei größeren Problemen geben diese kleinen Lampen Alarm.

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Vor der Tour über das Kraftwerksgelände werden alle Besucher komplett mit Schutzkleidung ausgestattet - von den Socken über Overall, dreifache Handschuhe bis zur Atemmaske.

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Das hält zwar keine radioaktive Strahlung ab, verhindert aber, dass radioaktive Partikel eingeatmet oder über die Kleidung mitgenommen werden.

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Mit dem Bus geht es quer über das Reaktorgelände.

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Mal langsam, mal schneller - wenn die Strahlung zu hoch ist.

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Vorbei an Hunderten solcher Tanks, in denen das radioaktive Wasser aufgefangen und gelagert wird. Fast 250.000 Kubikmeter bislang - und jeden Tag kommen 800 Kubikmeter hinzu! Inzwischen gibt es Probleme mit dem Platz für neue Tanks.

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Dieser Strommast brachte die Nuklearkatastrophe ins Rollen: Er knickte durch das heftige Erdbeben am 11. März 2011 um, die für die Nachkühlung der heruntergefahrenen Reaktoren so wichtige externe Stromversorgung war dadurch unterbrochen. Notstromdiesel und Batterien wurden durch den folgenden Tsunami zerstört – der Weg zur dreifachen Kernschmelze war frei.

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Das Gebäude von Reaktorblock 4: Der Reaktor war damals wegen Wartungsarbeiten nicht in Betrieb, die Brennelemente im Abklingbecken zwischengelagert. Doch genau dies ist jetzt das Problem. Denn das riesige Wasserbecken im 5. Stock des Reaktorgebäudes wurde bei dem Beben und der folgenden Explosion beschädigt. Die Trümmer über dem Brennelemente-Becken wurden inzwischen beseitigt. Mit einem Aufzug kann man auf das Dach des Reaktorgebäudes gelangen.

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Eingerahmt von gigantischen Baukränen sieht man vom Dach des Reaktorblocks 4 auch die Ruine des benachbarten Blocks Nr. 3. Das verbogene Stahlgerippe zeugt von der Wucht der Explosion, die das Gebäude am 14. März 2011 fast völlig zerstört hat. Unter den Trümmern vergraben: der extrem stark strahlende geschmolzene Kern des Reaktors.

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Noch immer liegen überall auf dem Gelände des AKW Fukushima-Daiichi Trümmer, die von der Wucht der Flutwelle am 11. März 2011 und den nachfolgenden Explosionen zeugen.

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Rund 3000 Arbeiter sind ständig auf dem AKW-Gelände beschäftigt.

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Ein Tepco-Mitarbeiter auf dem Dach von Block 4 zeigt auf das Brennelement-Becken - eines der größten "Sorgenkinder" der AKW-Ruine in Fukushima. Nur ein paar Stahlträger decken den gigantischen Pool ab.

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Blick in den Abgrund. Mehr als 1500 AKW-Brennelemente lagern hier unter der Wasseroberfläche. Das Wasser hält die starke Strahlung ab und kühlt die Elemente zugleich. Würde das Becken leck schlagen oder gar ganz zerstört, könnten diese Brennelemente eine neue Katastrophe in Fukushima auslösen.

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Vor dem Verlassen des AKW-Geländes wird der Bus auf mögliche Kontamination überprüft. Wir müssen unsere Schutzkleidung in einer Schleuse ablegen; sie wird als Sondermüll entsorgt.

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Am Ende der anderthalbstündigen Tour über das AKW-Gelände zeigt der Dosimeter 0,084 mSV (die maximal zulässige Strahlendosis liegt bei 1mSV pro Jahr. Ich könnte also theoretische noch zehn weitere Ausflüge nach Fukushima machen.

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