Bildergalerie: Aus dem Archiv: Junckers neue Mannschaft

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Aus dem Archiv: Junckers neue Mannschaft

Jean-Claude Juncker

Mit dem Luxemburger Jean-Claude Juncker hat ein ausgefuchster Europa-Dinosaurier und selbstbewusster Politik-Veteran den Chefsessel der EU-Kommission übernommen. Er spricht fließend Deutsch, Französisch und Englisch - manchmal auch mit spitzer Zunge. Sein Weg an die Spitze der EU-Kommission war schwierig, jetzt verspricht er einen Neubeginn. Er will die Kommission neu strukturieren: Es soll mehrere Vizepräsidenten für Querschnittsaufgaben geben. ARD-Korrespondent Krause spricht von einem "interessanten Modell, das sich erst noch im Praxistest beweisen muss". | Bildquelle: AFP

Jean-Claude Juncker

Mit dem Luxemburger Jean-Claude Juncker hat ein ausgefuchster Europa-Dinosaurier und selbstbewusster Politik-Veteran den Chefsessel der EU-Kommission übernommen. Er spricht fließend Deutsch, Französisch und Englisch - manchmal auch mit spitzer Zunge. Sein Weg an die Spitze der EU-Kommission war schwierig, jetzt verspricht er einen Neubeginn. Er will die Kommission neu strukturieren: Es soll mehrere Vizepräsidenten für Querschnittsaufgaben geben. ARD-Korrespondent Krause spricht von einem "interessanten Modell, das sich erst noch im Praxistest beweisen muss".

Federica Mogherini

Federica Mogherini aus Italien. Ihre Position war bereits vor den anderen klar: EU-Außenbeauftragte. Ihre Stärken: selbstbewusst, bestimmt und zielstrebig. Sie ist überzeugte Europäerin, modern und offen - auch für Beratung, anders als ihre Vorgängerin Catherine Ashton. Eifrige Twitter-Nutzerin. Reisefreudig. Mogherinis Schwächen: geringe internationale Erfahrung.

Frans Timmermans

Frans Timmermans hat bislang als niederländischer Außenminister eine gute Figur gemacht. Nach dem Absturz von Flug MH17 über der Ostukraine bewies er sich auch als Krisenmanager und wurde zum populärsten Politiker der Niederlande. ARD-Korrespondent Krause beschreibt Timmermans als "nachdenklichen Kopf und guten Strategen". Nun soll er als Erster Vizepräsident und zuständig für bessere Regulierung eine Top-Position in der Kommission übernehmen. Bei der Parlamentsanhörung antwortete er auf die Fragen der Abgeordneten in einer Handvoll verschiedener Sprachen.

"Andrus Ansip" aus Estland

Andrus Ansip aus Estland: Neun Jahre Ministerpräsident, das ist "mehr als ein Drittel der Lebensdauer des neuen unabhängigen Estlands", wie Ansip bei seinem Rücktritt im Frühjahr dieses Jahres betonte. "Ansip ist ein tougher Reformer, der sein Land fit für den Euro gemacht hat", beschreibt ARD-Korrespondent Krause den 57-Jährigen. Er soll einer von sieben Vizepräsidenten der Kommission werden, zuständig für Digitales.

Valdis Dombrovskis

Für Valdis Dombrovskis aus Lettland gilt das gleiche wie für Ansip. Der frühere lettische Regierungschef hat sein Land ebenfalls durch eine harte Reformzeit geführt. Nach dem Einsturz eines Supermarkt-Daches mit 54 Toten übernahm Dombrovskis im vergangenen November die politische Verantwortung und trat zurück. Nun setzt er seine politische Karriere in Brüssel fort: Auch er wird, wie Ansip, einer der sieben Stellvertreter Junckers, nämlich Vizepräsident für Euro und sozialen Dialog.

Kristalina Georgiewa

Kristalina Georgiewa aus Bulgarien hat als EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe und Krisenschutz bislang gute Arbeit geleistet. Nun hat Juncker sie als Vizepräsidentin für Haushalt vorgesehen. Die konservative Wirtschaftsexpertin hatte zuvor viele Jahre bei der Weltbank gearbeitet, etwa als Vize-Präsidentin. Sie gilt auch als außenpolitisch erfahren.

"Jyrki Katainen" Finnland

Jyrki Katainen aus Finnland war bislang Wirtschafts-und Währungskommissar, als Ersatz für Olli Rehn, der ins EU-Parlament gewechselt ist. Nun rückt er auf in die Riege der Vizepräsidenten, zuständig für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerb. "Ein sehr nachdenklicher, nüchterner Mann", so ARD-Korrespondent Krause. Einer, der "den jammernden EU-Südländern" auch mal sage, dass sie "ihre Misere selbst verursacht" hätten. Bevor Katainen nach Brüssel ging, war er finnischer Regierungschef.

Pierre Moscovici

Pierre Moscovici aus Frankreich ist die Allzweckwaffe der französischen Sozialisten. Als Finanzminister war er wenig erfolgreich. Frankreich verstößt seit Jahren gegen die in der EU zulässige Höhe der Gesamtverschuldung und des Haushaltsdefizits. Nun wird ausgerechnet er Kommissar für Wirtschaft, Finanzen und Steuern. "Moscovici steht nicht für eine strikte, glaubwürdige Finanzpolitik", so ARD-Korrespondent Krause.

Margrethe Vestager

Die bisherige dänische Ministerin für Wirtschaft und Inneres, Margrethe Vestager, hat während der dänischen EU-Ratspräsidentschaft als Vorsitzende des Finanzministerrats sehr überzeugt. Juncker hat sie nun als Kommissarin für das wichtige Wettbewerbsressort vorgesehen. Damit übernähme sie auch das schwierige Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen des US-Internetkonzern Google. Früher war die Liberale auch mal Erziehungsministerin Dänemarks. Die 46-Jährige ist eine von neun Frauen in Junckers Team.

Cecilia Malmström

Cecilia Malmström aus Schweden: Als EU-Innenkommissarin enttäuschte die Liberale bislang die EU-Kenner. In Schweden ist sie beliebter als in Europa. Sie steht nun vor einer weiteren Amtszeit in Brüssel, allerdings in einem neuen Ressort: Malmström soll als neue Handelskommissarin die Verhandlungen mit den USA über das Freihandelsabkommen TTIP zum Abschluss führen.

Vera Jourova

Vera Jourova, die designierte Kommissarin für Justiz, Verbraucherschutz und Geschlechtergerechtigkeit, stammt aus Tschechien. Sie gehört der Partei ANO 2011 an, die sich erst 2011 als Bürgerinitiative gegründet hat und als populistisch gilt. Bis 2006 war Jourova Sozialdemokratin. Aus der Partei trat sie aus, nachdem sie wegen falscher Korruptionsvorwürfe gegen sie einen Monat in Untersuchungshaft verbrachte.

Marianne Thyssen

Marianne Thyssen aus Belgien: Die flämische Christdemokratin gilt als gute EU-Abgeordnete. Erst auf den letzten Drücker wurde sie von Belgien als Kandidatin für die EU-Kommission vorgeschlagen. Das hatte aber weniger mit ihr als mit der schwierigen Regierungsbildung in Belgien zu tun. Sie soll die Ressorts Beschäftigung, Soziales und Mobilität übernehmen.

Tibor Navracsics

Gegen die Nominierung des Ungarn Tibor Navracsics regte sich frühzeitig Widerstand im Europaparlament. Der Kulturausschuss des Parlaments sprach sich gegen seine Berufung aus. Navracsics, designierter Kommissar für Bildung, Kultur und Jugend ist bisher Justizminister Ungarns und Mitglied der Fidesz-Partei. Die Regierung seines Parteifreundes, Ministerpräsident Viktor Orban, hat massive Eingriffe in Justiz, Wahlrecht und Pressefreiheit zu verantworten. Die voraussichtliche Zustimmung des Parlaments zur Berufung Navracsics als EU-Kommissar wurde möglich, indem Juncker seine Kompetenzen verringerte und dem Ressort die Zuständigkeit für Staatsbürgerschaft entzog.

Jonathan Hill

Der britische Euroskeptiker Jonathan Hill gehört ebenfalls zu den umstrittenen Kommissionskandidaten. Der Fraktionschef der Tories im britischen Oberhaus soll EU-Kommissar für den Bereich Finanzstabilität, Finanzdienste und Kapitalmarkt werden. Bei seiner Nominierung Mitte Juli hatte Premier David Cameron erklärt, er habe nicht die geringsten Zweifel, dass Hill die britischen Interessen in Brüssel voranbringen wird. In den Parlamentsanhörungen wurde Kritik an Junckers Auswahl laut. Hill habe als Mitbegründer einer Beratungsfirma, die auch Kunden in der Finanzwelt betreut, zu enge Verbindungen in die Finanzbranche. Dem Vorwurf des Lobbyismus trat Hill mit der Ankündigung entgegen: "Ich werde mich anständig verhalten."

Violeta Bulc

Die Slowenin Violeta Bulc rückte als Ersatzkandidatin in die neue EU-Kommission nach, weil ihre ursprünglich nominierte Landsfrau Alenka Bratusek, die angesichts des Widerstands im Europaparlament verzichtet hatte. Bulc, bislang Entwicklungsministerin in ihrer Heimat, soll in der Kommission für das Transportressort zuständig sein.

Günther Oettinger

Günther Oettinger war hat als EU-Kommissar bislang überzeugt. Das war nicht unbedingt erwartet worden: Als ausgewiesener Energiepolitiker galt er 2010 jedenfalls nicht. Aber: "Aus dem Energie-Ressort hat er wirklich was gemacht", sagt ARD-Korrespondent Krause. "Er war einer der stärksten Kommissare." In Brüssel fiel er zunächst durch eigenwilliges Englisch auf. Auch nach Bekanntgabe der Nominierungen für das Juncker-Kabinett sagte er, er sei "nicht happy, aber glücklich". Demnächst muss Oettinger sich erneut in ein für ihn neues Fach arbeiten: Er ist künftig für digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständig.

Corina Cretu

Die Nominierung der Rumänin Corina Cretu als Kommissarin für Regionalpolitik war relativ kurzfristig. Die Sozialdemokratin löst Agrarkommissar Dacian Ciolos als bisherigen rumänischen Vertreter ab. Die Begründung: Juncker hatte als Ziel, mindest neun Frauen in die Kommission zu holen, also mindestens so viele wie bisher. Nach eigenen Angaben hat Juncker "die Regierungen abtelefoniert, damit es nicht bloß drei Frauen werden". Cretu ist seit 2007 EU-Parlamentarierin.

Carlos Moedas

Auch der Portugiese Carlos Moedas ist neu in der EU-Kommission. Der Sozialdemokrat ist vorgesehen als Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation. Moedas machte Karriere als Investmentbanker, bevor er 2011 Staatssekretär in der portugiesischen Regierung wurde. Er führte wesentlich für Portugal die Verhandlungen mit der EU-Troika.

Johannes Hahn

Er sei "geehrt und begeistert" - das twitterte der österreichische Politiker Johannes Hahn nach der Bekanntgabe seiner Nominierung. Der konservative ÖVP-Politiker soll im Juncker-Team für die EU-Nachbarschaftspolitik zuständig sein. Er war bereits Mitglied der zweiten Kommission Barroso als Kommissar für Regionalpolitik.

Dimitris Avramopoulos

Der Grieche Dimitris Avramopoulos war Außenminister in der Regierung Samaras und wechselte im Juni 2013 in das Amt des griechischen Verteidigungsministers. In Junckers Kommission soll er den Bereich Migration und Inneres übernehmen und dabei auch für den Bereich Staatsbürgerschaft zuständig sein, nachdem diese Zuständigkeit dem Ungarn Navracsics entzogen wurde. Der konservative Politiker gilt in der Flüchtlingspolitik als Hardliner.

Phil Hogan

Auf seiner Facebookseite steht es bereits seit Juli ganz oben: Phil Hogan, Irlands EU-Kommissar. Der konservative Politiker ist zwar seit 1989 Abgeordneter des irischen Unterhauses und war zuletzt Umweltminister - in der Europapolitik ist der 54-Jährige aber unerfahren. Er soll nun Landwirtschaftskommissar werden.

Neven Mimica

Mit dem EU-Beitritt seines Landes im Juli 2013 wurde der Kroate Neven Mimica EU-Kommissar. In der künftigen Kommission soll er für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung zuständig sein. Junckers Vorgänger als Kommissionspräsident, José Manuel Barroso, bezeichnete den 60-jährigen Sozialdemokraten als "erfahrenen und engagierten Europäer". Nimica arbeitete bis 1997 in Botschaften in Ägypten und der Türkei, danach war er zunächst Staatssekretär und später Minister.

Arias Canete

Miguel Arias Cañete soll als spanischer Ex-Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt jetzt EU-Kommissar für die Bereiche Klimaschutz und Energie werden. Er war bereits von 1986 bis 1999 Abgeordneter im Europaparlament. Im Mai dieses Jahres zog er als spanischer Spitzenkandidat der konservativen Partido Popular erneut in das EU-Parlament ein. Bei den Anhörungen vor den Abgeordneten stand er in der Kritik, weil er bis vor kurzem Anteile an Ölfirmen hielt und Interessenkonflikte bei seiner künftigen Aufgabe befürchtet wurden. Die Widerstand ebbte aber weitgehend ab, nachdem der Rechtsausschusses Parlaments keine Einwände gegen dieser Personalie erhoben hatte.

Vytenis Andriukaitis

Der litauische Chirurg Vytenis Andriukaitis wäre der erste approbierte Arzt, der als EU-Kommissar für die Bereiche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständig wäre. Vorher war der Sozialdemokrat Gesundheitsminister Litauens. In der Europapolitik ist der 63-Jährige neu.

Maros Sefcovic

Der Slowake Maros Sefcovic gehört zu den wenigen designierten Kommissaren, die bereits Mitglied der Kommission Barroso waren, zuständig zunächst für Bildung und Kultur. Seit 2010 war er sogar Vizepräsident, außerdem Kommissar für institutionelle Beziehungen und Verwaltung. In den Neunzigerjahren verfolgte Sefcovic zunächst eine diplomatische Karriere, war unter anderem slowakischer Botschafter in Israel. In der nächsten EU-Kommission sollte er ursprünglich für Verkehr und Raumfahrt zuständig sein. Nach einigen Änderungen der Ressortzuschnitte soll er nun als Vizepräsident der Kommission für die Energieunion verantwortlich sein.

Karmenu Vella

Der maltesische Sozialdemokrat Karmenu Vella ist der designierte EU-Kommissar für Umwelt und Fischerei. Erstmals werden die beiden Ressorts zusammengelegt. Seit 1976 war Vella Abgeordneter im Parlament Maltas, bis er 2013 Tourismusminister wurde. Der Hotelier ist studierter Bauingenieur.

Elzbieta Bienkowska

Kommissarin für die Bereiche Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum, Mittelstand und Raumfahrt soll die polnische Vize-Regierungschefin Elzbieta Bienkowska werden. In der Regierung Tusk war sie seit 2007 als Ministerin für die polnische Infrastruktur zuständig.

Christos Stylianides

Der Zyprer Christos Stylianides ist im Mai erstmals ins Europäische Parlament gewählt worden, nun hat Juncker ihn als Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement ausgewählt. Zuvor war er einige Jahre Abgeordneter im zyprischen Parlament und dort Mitglied des Europaausschusses. Zuletzt war er Regierungssprecher Zyperns. Bei den Anhörungen im Europaparlament überzeugte er viele Abgeordnete.

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