Bildergalerie: Weißt du noch ...? Leben in der DDR

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Weißt du noch ...? Leben in der DDR

Bilder-Collage DDR

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Hausbuch aus DDR-Zeiten

Willkommen in der DDR: Es klingelt an der Wohnungstür. Es ist der Hauswart. "Ihre Gäste sind aber schon den dritten Tag hier", sagt er - selten freundlich - und will, dass sich der Besuch ins Hausbuch einträgt. Laut Meldeordnung der DDR musste eine Person in einem Wohnhaus ein Hausbuch führen. Aufgeführt waren die Namen und Berufe der jeweiligen Bewohner. Wer länger als drei Tage seinen Besuch beherbergte, musste diesen melden.

Mittagessen in einem Berliner DDR-Kindergarten 1987

Um gut auf die Schule vorbereitet zu sein, gab das Ministerium für Volksbildung unter Margot Honecker bereits für die Kindergärten Lern- und Erziehungsziele vor. Mengenlehre, Zeichnen, Musik und Sport gehörten ebenso dazu wie die politische Erziehung. Von klein an sollten die Kinder zur sozialistischen Moral erzogen werden und die "Bruderländer" - insbesondere die Sowjetunion - verehren. Ein Zeichen dafür sind die Matroschkas hinten auf der Tafel. Nahezu jedes Kindergartenkind musste sie malen.

Wandzeitung zum Tag der NVA

Jungpioniere wurden die Schüler mit den blauen Halstüchern genannt. Sie bekamen es in der 1. Klasse. Thälmannpioniere wurden die Kinder in der 4. Klasse - dann mit rotem Halstuch. Vom ersten Schuljahr an mussten die Schüler einen Gruppenrat in ihrer Klasse wählen: einen Vorsitzenden, dessen Stellvertreter, Beauftragte für Sport und Kultur sowie einen Kassierer für das Essen- und Milchgeld. Wer schön schreiben konnte, wurde Schriftführer und war für das Gruppenbuch verantwortlich, in dem über jeden Pioniernachmittag - einmal wöchentlich - berichtet wurde. Außerdem musste er häufig den Text für die Wandzeitung schreiben - die hier dem Tag der Nationalen Volksarmee gewidmet ist.

Gute Freunde - Musik und Text des Kinderliedes im DDR-Musikbuch Klasse 2 von 1983

Wer es je lernen musste, dem dürfte die Melodie dieses Liedes jetzt vielleicht wieder einfallen. "Gute Freunde" - das Loblied auf die NVA-Soldaten stand im Musiklehrplan für die 2. Klassen in den 80er-Jahren. Wer nicht so gut singen konnte, sollte in Leistungskontrollen zumindest seine Textsicherheit bei den vielen noch folgenden Pionier- und Kampfliedern nachweisen.

Eine Urkunde der "Messe der Meister von morgen" und das Maskottchen der Leipziger Messe.

Was heute "Jugend forscht" ist, war zu DDR-Zeiten die "Messe der Meister von morgen". Jedes Jahr konnten Schüler ihre kleinen und großen Erfindungen in ihren Schulen ausstellen. Die Besten wurden dann zu den Kreis- und Bezirksausscheiden delegiert - durchaus das Ziel vor Augen, es vielleicht einmal bis zur weltberühmten "Leipziger Messe" zu schaffen. Die gibt es heute immer noch - genauso wie das Messemännchen. Das Maskottchen feiert im Oktober seinen 50. Geburtstag.

Blick in ein DDR-Jugendzimmer - nachgestaltet im Haus der Geschichte in Lutherstadt Wittenberg

Musikkassetten wurden überspielt, denn alle wollten die neuesten Songs aus dem Westen hören. Und natürlich sollten die Stars auch an der Wand hängen - wie hier Nena, die Beatles und Che Guevara in einem nachgestalteten Jugendzimmer im Haus der Geschichte in Lutherstadt Wittenberg. Auf den Schulhöfen wechselten "Bravo"-Poster heimlich den Besitzer - im Tausch oder gegen Geld. Wer erwischt wurde, dem drohte ein Tadel. Bei mehrfachem Vergehen konnten der Schulverweis oder eine Anzeige bei der Polizei folgen. In jedem Fall wurden die Eltern informiert und in der Regel auch kontaktiert - nicht selten vom Parteisekretär der Schule oder gar dem des Betriebes, in dem die Eltern arbeiteten.

Urkunde der Polytechnischen Oberschule Greifswald-Eldena und ein Schreiben an die VEB Deutfracht/Seereederei

Nicht nur Tadel, sondern auch Lob erreichte die Arbeitsstelle der Eltern. Standen auf dem Zeugnis ihres Kindes nur Einsen und Zweien, meldete die Schule dies dem Betrieb. Häufig an Wandzeitungen ausgehängt konnten so alle Kollegen vom "Erziehungserfolg" erfahren. Gute Bildung und die Erziehung zu "allseits gebildeten sozialistischen Persönlichkeiten" war das Anliegen des Staates und deshalb keine (reine) Privatsache.

DDR-Jugendliche bei Schießübungen im Rahmen der GST-Ausbildung

"Die Augen gerade aus!", "Im Gleichschritt Marsch!", "Ein Lied im Glied!" - Diese Art Befehle mussten Schüler in der DDR bereits in der Mittelstufe befolgen, wenn sie in Uniform während der "Zivilverteidigung" Handgranatenzielwurf, Schießen und Marschieren lernten, die Eskaladierwand bezwangen oder einen Giftgasalarm übten. Für diese paramilitärische Ausbildung war die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) verantwortlich, die eng mit den Schulen zusammenarbeitete. Die GST wurde 1952 gegründet und im Frühjahr 1990 aufgelöst. Die SED-Führung verfolgte mit ihr das Ziel, die "Verteidigungsbereitschaft" zu fördern und qualifizierten Nachwuchs für die NVA zu gewinnen. Diese Erwartung erfüllte sich aber nicht - vor allem in den 80er-Jahren ging die Bereitschaft zurück, mehr als die 18 Monate Pflichwehrdienst zu leisten.

Besucher in NVA-Uniform nehmen am 19.07.2014 im Bunkermuseum Frauenwald (Thüringen) an einer Armeeübung mit ABC-Schutzausrüstung teil.

25 Jahre nach dem Mauerfall lebt die "Militärausbildung" der DDR im Thüringer Wald fort - zumindest eine Nacht lang in einem ehemaligen Stasi-Bunker. Besucher tragen hier die NVA-Uniform und nehmen an einer Übung für den Fall eines Angriffs mit ABC-Waffen teil.

DDR-Studenten im Arbeitseinsatz

Zwei Wochen Russisch-Intensivkurs und "Rotlichtbestrahlung" ML (Marxismus-Leninismus) - dann ging's ab für drei Wochen zum Ernte- oder Arbeitseinsatz. So startete bis zum Ende der 80er-Jahre das Studium in der DDR. Dass dies schon 1960 so war, beweist dieses Foto von Studenten in Plothen bei Schleiz. Die meisten jungen Damen nahmen gleich nach dem Abitur - also mit 18 oder 19 Jahren - ihr Studium auf. Ihre männlichen Mitschüler wurden zunächst eingezogen - und wer einen bestimmten Studienplatz haben wollte, musste sich in der Regel für drei Jahre verpflichten.

Schulterklappe der Baueinheit der NVA (Nationalen Volksarmee) vor einem Gesetzblatt

Wer in der DDR den Dienst an der Waffe verweigerte, musste trotzdem zur NVA (Nationale Volksarmee). Am 7. September 1964 hatte die DDR den "Wehrersatzdienst" eingeführt - kein Vergleich mit dem westdeutschen Zivildienst, denn Uniform war Pflicht. Der Spaten auf der Schulterklappe stigmatisierte den Bausoldaten, der zumeist in Pioniereinheiten diente und beim Bau von Militäranlagen wie Flugplätzen, Grenzbefestigungen oder Schießplätzen eingesetzt wurde.

Blocks II des ehemaligen KdF-Seebades (Kraft durch Freude) in Prora auf der Insel Rügen

Etwa 15.000 junge Männer verweigerten in der DDR als Bausoldaten den Dienst an der Waffe. Mehr als 3000 von ihnen waren in Prora auf Rügen untergebracht, in der riesigen "Kraft-durch-Freude"-Ferienanlage, die 1933 das NS-Regime errichten ließ. Wer auch den Dienst als Bausoldat nicht antrat und "Totalverweigerer" war, musste mit einer Haftstrafe rechnen, z.B. im Arbeitslager nahe Ueckermünde oder im Militärgefängnis in Schwedt.

Eingang zur Jugendherberge in Prora auf Rügen

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 übernimmt zunächst die Bundeswehr die Anlage. Seit Anfang 1993 ist das Gelände öffentlich zugänglich. 1994 wird Prora unter Denkmalschutz gestellt. Heute befinden sich in dem 4,5 Kilometer langen Gebäudekomplex Wohnungen, Museen, Ausstellungen, ein Hotel und auch eine Jugendherberge.

Lehrlinge bei der Friseurausbildung in der Gewerblichen Berufsschule in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), aufgenommen im April 1987

Natürlich wollten die Frauen auch in der DDR schön sein und leisteten sich ab und an einen Frisörbesuch. In der Regel mussten sie dafür aber ihr eigenes Handtuch mitbringen. Hier sind 1987 Lehrlinge der Gewerblichen Berufsschule in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) am Werk. Damals waren Dauerwellen ziemlich in. Leider brachen die Haare oft danach.

Allesschneider auf dem Flieߟband des Elektrogerätewerkes Suhl

Auch 25 Jahre nach der Wende rühren und mixen DDR-Geräte noch in so manch einer Küche. Ob Käse, Wurst oder Brot - den Allesschneider gab es nahezu in jedem Haushalt. Er wurde am Fließband im Elektrogerätewerk in Suhl (EGS) produziert.

Spannungswandler der DDR-Firma Feutron

Nicht im Alltag überlebt hat dagegen der Stromregler - fachlich richtig Spannungswandler. Er war notwendig, um ein Fernsehgerät zu betreiben - damit das Bild nicht flackerte.

Eine Montage des Autos der Marke "Wartburg 353", des Radiogerätes "rk 5 sensit" mit den Kugelboxen "K 20", des Mopeds Simson "Star" und einem Portrait von Karl Clauss Dietel.

Sehr bekannte Dinge im Alltag der DDR gehen auf Ideen eines Mannes zurück: des Formgestalters Clauss Dietel. Mit seiner Grundidee für den Wartburg 353 und seinen Entwürfen für verschiedene Motorroller der Simson-Werke Suhl (hier: Simson "Star") oder den VEB Sachsenring hat er Maßstäbe gesetzt. Auch Büromaschinen und Heimelektronik - wie hier das Radio "rk 5 sensit" mit den Kugelboxen "K 20" - tragen seine Handschrift. Dietel, der am 10. Oktober seinen 80. Geburtstag feiert, erhielt im September den Bundes-Designpreis für sein Lebenswerk.

Jesuslatschen

Wer diese Schuhe einst erfand, lässt sich dagegen nicht so leicht ergründen. Fakt ist, die Jesuslatschen genossen Kultstatus in der DDR. Sie wurden aus Lederresten hergestellt und galten als ein Zeichen des Widerstands. Den Weg ins Museum haben die auch als Römersandalen titulierten Sommerschuhe bereits gefunden. Doch sie werden auch weiterhin getragen - unter anderem weil ein junger Schuhmacher in Glauchau für Nachschub sorgt.

Eierbecher Huhn

"Plaste und Elaste aus Schkopau" - dieser Werbeslogan der Chemischen Werke Buna aus den 60er-Jahren ist bis heute unvergessen. Ebenso der DDR-Klassiker fürs Frühstück. Der Plaste-Eierbecher "Huhn" ist durchaus begehrt - und jetzt viel teurer.

Menschenschlange vor einer DDR-Gaststätte Zum Goldbroiler

Wer statt Ei lieber Hühnchen essen wollte, wusste, was auf ihn zukam: "Bitte warten Sie! Sie werden plaziert!". Ein solches Schild am Eingang einer Gaststätte war in der DDR völlig normal. Leider dauerte es oft gut eine Stunde, bis endlich ein Tisch frei wurde und der begehrte Broiler bestellt werden konnte. Nochmal so lange wartete man, bis er dann mit Pommes und der häufig belächelten Salatbeilage serviert wurde. Ein Traum!

Ein Trabant und ein Wartburg stehen in Berlin vor einer Mauer mit zwei großen Werbeplakaten.

Westen im Osten. Noch immer rollen alte Trabis und Wartburgs auf den Straßen. Hier stehen sie am Neujahrstag 1990 im Prenzlauer Berg in Berlin. Knapp zwei Monate nach dem Mauerfall hat Werbung Einzug gehalten, wo sie sonst verboten war.

Bildnisse von Erich Honecker

Über Jahrzehnte entging niemand seinem Blick. Als Generalsekretär des Zentralkomitees (ZK) der SED und ab 1976 auch Staatsratsvorsitzender war Erich Honecker vom 3. Mai 1971 bis zum 18. Oktober 1989 der mächtigste Politiker der DDR. Sein Foto hing in jedem öffentlichen Saal, jedem Amt, jedem Klassenraum, jedem Traditionskabinett, jedem Betrieb und fast jeder Kantine. Nach dem Mauerfall landeten unzählige seiner Bildnisse im Müll oder wie hier im zweiten Bild auf dem Dachboden.

Dagmar Frederic salutiert neben Wachsfigur von Erich Honecker

In Lebensgröße ist er weiterhin im Berliner Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud zu sehen, wo sich kürzlich ein provozierender Auftritt mit Folgen ereignete: Die schon zu DDR-Zeiten bekannte Entertainerin Dagmar Frederic (69) salutierte am 04.09.2014 neben einer Honecker-Statue. Der Chef des Berliner Friedrichstadt-Palastes, in dem Frederic schon zu DDR-Zeiten auftrat, entschied daraufhin: "Solange ich hier Intendant bin, wird diese Frau nicht mehr eingeladen! Jemand der Honecker verniedlicht, bekommt nicht die Ehre von Ehrenkarten."

Szene aus "Spur der Steine" am Schauspielhaus Magdeburg

Hammer steht für die Arbeiter, Zirkel für die Intelligenz, Ährenkranz für die Bauern. Die Embleme in der DDR-Flagge und auch die rote Nelke - verschenkt zum Frauentag am 8. März und getragen am 1. Mai, dem Arbeiterkampftag - gehören zu den Requisiten im Stück "Spur der Steine", das das Schauspielhaus Magdeburg derzeit auf die Bühne bringt. Der gleichnamige Film (mit Manfred Krug in der Hauptrolle) war in der DDR verboten. Das Buch von Erik Neutsch, das den Alltag der jungen DDR ehrlich zeichnet, auch deswegen sehr gefragt. Ob Theater, Lesung oder Ausstellung - bundesweit gibt es ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall viele Möglichkeiten, sich mit DDR-Geschichte(n) zu beschäftigen.

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