Bildergalerie: Wie der Bundestag sein Gesicht veränderte

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Wie der Bundestag sein Gesicht veränderte

Plenum des Bundestags im September 1949

Der erste Bundestag kommt im September 1949 in der ehemaligen Pädagogischen Akademie in Bonn zusammen. Das Gebäude, das seit August 1949 offiziell Bundeshaus heißt und auch den Bundesrat beherbergt, war in den Monaten zuvor unter anderem um den neuen Plenarsaal erweitert worden. Er schließt sich an die frühere Turnhalle der Akademie an, die nun die Wandelhalle ist. Der Plenarsaal hat eine Grundfläche von etwa 1000 Quadratmetern und ist damit knapp ein Drittel größer als der alte Plenarsaal im Berliner Reichstag. Vorgesehen sind Plätze für 420 Abgeordnete. Die Wand hinter dem Rednerpult und dem Bundestagspräsidium schmückt ein Vorhang mit den Wappen der Bundesländer. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Plenum des Bundestags im September 1949

Der erste Bundestag kommt im September 1949 in der ehemaligen Pädagogischen Akademie in Bonn zusammen. Das Gebäude, das seit August 1949 offiziell Bundeshaus heißt und auch den Bundesrat beherbergt, war in den Monaten zuvor unter anderem um den neuen Plenarsaal erweitert worden. Er schließt sich an die frühere Turnhalle der Akademie an, die nun die Wandelhalle ist. Der Plenarsaal hat eine Grundfläche von etwa 1000 Quadratmetern und ist damit knapp ein Drittel größer als der alte Plenarsaal im Berliner Reichstag. Vorgesehen sind Plätze für 420 Abgeordnete. Die Wand hinter dem Rednerpult und dem Bundestagspräsidium schmückt ein Vorhang mit den Wappen der Bundesländer.

Bundestagsabstimmung über Bonn als Regierungssitz

Ein wesentliches Element ist die Grundanordnung: Wie zuvor im alten Reichstag sitzen die Abgeordneten in einem Halbkreis der erhöht sitzenden Regierung gegenüber. Darauf hatte vor allem Konrad Adenauer bestanden. Er lehnte den ursprünglichen Entwurf des Architekten Hans Schwippert ab, der eine kreisförmige Sitzordnung vorgeschlagen hatte, bei der Regierung und Abgeordnete symbolisch vereint gewesen wären.

Alterspräsident Willy Brandt eröffnet 1983 die konstituierende Sitzung des neu gewählten Bundestages

Weil in der zweiten Wahlperiode die Zahl der Abgeordneten von 420 auf 509 steigen soll, wird der Plenarsaal im Sommer 1953 erweitert. Zur Rheinseite hin wird die Grundfläche auf 1235 Quadratmeter vergrößert. Zudem entstehen Tribünen für Presse, Diplomaten und Besucher. Hinzu kommt ein weiteres Element, das das Bild des Bundestages in den folgenden Jahrzehnten mitprägen wird: An der Wand hinter dem Rednerpult wird ein von Ludwig Gies gestalteter Bundesadler aufgehängt. Er ersetzt den Vorhang mit den Wappen der Bundesländer. Diese Version des Bundesadlers bekommt im Volksmund schnell den Beinamen "fette Henne". Nach dem Umbau von 1953 bleibt der Bundestag für mehr als drei Jahrzehnte in seiner Form bestehen.

Bundestagsabstimmung über die Notstandsgesetze im Jahr 1968

Prägende Elemente des langjährigen Bonner Plenarsaals sind die beiden langen Fensterfronten auf der rechten und linken Seite. Die für diese Zeit noch ungewöhnliche Verwendung von so viel Glas begründet Architekt Schwippert mit dem Ziel der Transparenz. Die Bürger sollen bei der Arbeit des Parlaments ganz wörtlich zuschauen können. Für die Abgeordneten wiederum eröffnet sich der Blick auf den Rhein und in die Gärten. Dennoch soll die insgesamt dominierende Wand hinter dem Präsidium "die Konzentration auf die parlamentarische Arbeit" erzwingen.

Bundestagsrede von Helmut Schmidt zum Bruch der Koalition 1982

Der Plenarsaal im Bundeshaus wird Schauplatz vieler historischer Debatten - wie hier nach der Rede von Bundeskanzler Helmut Schmidt im Jahr 1982 nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition. Über viele Jahre herrscht aber die Meinung, dass Bonn als Hauptstadt und Sitz des Bundestages einen provisorischen Charakter betonen soll, um das eigentliche Ziel der Wiedervereinigung nicht aus den Augen zu verlieren. Insbesondere in den 1960er- und 1970er-Jahren, in denen sich die deutsche Teilung nach dem Bau der Berliner Mauer vertieft, wächst in Bonn der Wille, dem Regierungsviertel auch mit Neubauten einen repräsentativeren Charakter zu geben. Die Veränderungen betreffen aber weniger den Plenarsaal als vielmehr etwa die Büros der Abgeordneten, die 1969 in das neue Hochhaus mit dem Spitznamen "Langer Eugen" einziehen.

Plenarsitzung des Bundestags 1974

1983 kommt ein Gutachten zu dem Schluss, dass der Plenarsaal erhebliche bauliche Mängel aufweist. In der Folge wird zunächst beschlossen, den alten Plenarsaal zu sanieren und zwischenzeitlich auf einen Ersatzplenarsaal auszuweichen, der im Pumpenhaus eines Wasserwerks im Bonner Regierungsviertel eingerichtet werden soll. Zunächst ist für 1987 die Rückkehr in den sanierten alten Plenarsaal geplant, später wird das Jahr 1988 angepeilt. Am 27. Juni 1986 kommt der Bundestag zum letzten Mal im alten Plenarsaal zusammen.

Sitzung des Bundestages 1986 im Wasserwerk in Bonn

Am 9. September 1986 tagen die Abgeordneten zum ersten Mal im Wasserwerk. Der Saal ist wesentlich kleiner als die bisherige Heimat des Parlaments. Nur 404 der 519 Abgeordneten haben einen festen Platz. Hinzu kommen bei Bedarf Klappsitze an den Wänden. Richtig eng wird es nach der Wiedervereinigung, als 144 zusätzliche Abgeordnete untergebracht werden müssen. Das ist nur möglich, indem die Armlehnen der Stühle verschwinden und die Reihen nochmals enger gestellt werden. Dass der 1990 gewählte Bundestag des vereinten Deutschlands überhaupt noch im Wasserwerk zusammenkommen muss, liegt an einer Kehrtwende. 1987 entscheiden sich die Abgeordneten mit großer Mehrheit für den Bau eines neuen Plenarsaals und gegen die Sanierung des alten. Grund dafür sind unter anderem der schlechte Zustand des bestehenden Gebäudes und die erwarteten hohen Kosten für dessen Sanierung.

Sitzung im neuen Plenarsaal des Bundestages im Jahr 1994

Im Oktober 1992 wird der neue Plenarsaal des Bundestags nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht. Der Architekt Günter Behnisch erntet viel Lob für seine Arbeit. Neu ist die Sitzordnung, die nur mit knapper Mehrheit beschlossen worden ist. Regierung, Abgeordnete und die Vertreter des Bundesrates sitzen nebeneinander auf einer Ebene in einem Kreis zusammen. Zum Rednerpult in der Mitte hin ist der Raum abgesenkt. Ein Problem des neuen Plenarsaals sind nicht nur die Kosten von 256 Millionen Mark, die fast drei Mal so hoch liegen wie ursprünglich geplant. Klar ist zum Zeitpunkt der Eröffnung bereits, dass der neue Plenarsaal nur eine Zwischenstation sein wird. Denn ein Jahr zuvor haben die Abgeordneten bereits beschlossen, den Sitz des Bundestages nach Berlin zu verlegen.

Sitzung des Bundestages im Bonner Wasserwerk im Sommer 1991

Nach wenigen Wochen kehren die Abgeordneten nochmals in das Wasserwerk zurück. Denn im neuen Plenarsaal des Behnisch-Baus fällt in der Haushaltsdebatte am 24. November 1992 die Tonanlage komplett aus. Letztlich dauert es zehn Monate, bis das Problem gefunden und behoben ist.

Sitzung des Bundestages 1998

Am 22. September 1993 wird der neue Plenarsaal des Bundestages zum zweiten Mal eröffnet. In den folgenden sechs Jahren bildet er den Mittelpunkt der parlamentarischen Arbeit. Die letzte Sitzung findet am 1. Juli 1999 statt.

Eröffnung des neuen Bundestages 1999

Nach der Schlüsselübergabe eröffnet Bundestagspräsident Wolfgang Thierse 1999 die erste Sitzung des Parlaments im neuen Berliner Plenarsaal. Die Sitzordnung entspricht wieder dem Vorbild aus dem alten Plenarsaal in Bonn: die Abgeordneten sitzen im Halbkreis der Regierung, dem Bundestagspräsidium und den Vertretern des Bundesrats gegenüber.

Plenarsaal des Bundestages während einer Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel

Die Stirnseite des Plenarsaals wird weiterhin durch den Bundesadler bestimmt, der nach der Vorlage von Ludwig Gies gestaltet wurde. Das Original aus Gips wurde nicht mehr montiert, sondern stattdessen eine leicht abgewandelte Variante aus Aluminium. Diese erstreckt sich über eine Fläche von 58 Quadratmetern und ist damit etwa ein Drittel größer als der ursprüngliche Adler, der im Bonner Plenarsaal hing.

Plenarsaal des Bundestages

Der Plenarsaal des Bundestages hat eine Fläche von etwa 1200 Quadratmetern und bietet Platz für mehr als 600 Abgeordnete. Hinzu kommen Tribünen für Besucher, Journalisten und Diplomaten.

Sitzung des Bundestags

Die Kuppel des Reichstages prägt nicht nur das äußere Bild des Gebäudes. Auch für den Eindruck von Helligkeit und Großzügigkeit im Plenarsaal spielt die Kuppel eine entscheidende Rolle.

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