Bildergalerie: Deutschlands Bundespräsidenten

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Deutschlands Bundespräsidenten

Theodor Heuss

Der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, musste das Ansehen Deutschlands in der Welt wieder verbessern. Von einer Kollektivschuld wollte er nichts wissen, er sprach lieber von einer "Kollektivscham" angesichts des Holocausts. Der liberale Heuss sah es als Pflicht der Deutschen an, die NS-Verbrechen klar zu benennen. Also über das "teuflische Unrecht, das sich an dem jüdischen Volk vollzogen hat", zu sprechen, anstatt es wegzuschweigen. Seine Aufgabe als Staatsoberhaupt (1949-1959) sah er darin, eine "ausgleichende Kraft" zu sein, die "über den Kämpfen" stehe. | Bildquelle: picture-alliance / Helga Lade Fo

Theodor Heuss

Der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, musste das Ansehen Deutschlands in der Welt wieder verbessern. Von einer Kollektivschuld wollte er nichts wissen, er sprach lieber von einer "Kollektivscham" angesichts des Holocausts. Der liberale Heuss sah es als Pflicht der Deutschen an, die NS-Verbrechen klar zu benennen. Also über das "teuflische Unrecht, das sich an dem jüdischen Volk vollzogen hat", zu sprechen, anstatt es wegzuschweigen. Seine Aufgabe als Staatsoberhaupt (1949-1959) sah er darin, eine "ausgleichende Kraft" zu sein, die "über den Kämpfen" stehe.

Heinrich Lübke

Bundespräsident Nummer zwei, Heinrich Lübke, kam unerwartet ins höchste Staatsamt (1959-1969): Bundeskanzler Konrad Adenauer konnte es selbst nicht werden und schlug kurzerhand seinen Landwirtschaftsminister vor. Beliebt war Lübke, fleißig und bescheiden. Er sprach freimütig darüber, dass er aus einem Dorf im Sauerland komme, "von kleinen Leuten". Man habe es ihm auch nicht "an der Wiege gesungen", Bundespräsidenten-Kandidat zu werden. Lübke war viel unterwegs, er bereiste mehr als 30 Länder und war bei der Gründung des deutschen Entwicklungsdienstes dabei. Sein Handicap: Er war ein schlechter Redner - und im Laufe der Jahre wurde er auch noch vergesslich.

Der dritte Bundespräsident Gustav Heinemann (1969 - 1974)

Als Lübke ging, wurde Gustav Heinemann Bundespräsident. Wortkarg, protestantisch, sparsam. Das prägte auch seinen Blick auf die öffentliche Verwaltung, die seiner Ansicht weder ein "natürliches noch ein persönliches Interesse an Sparsamkeit" hat. Für ihn, der aus der freien Wirtschaft kam, ein Unding. Während seiner Amtszeit (1969-1974) entstaubte er das Zeremoniell. Er empfing Staatsgäste lieber im kleinen Kreis als mit einem Staatsbankett. Und zum Abschied verzichtete Heinemann auf den sonst üblichen "Großen Zapfenstreich" - er lud stattdessen zu einer Bootsfahrt auf dem Rhein.

Walter Scheel

Heinemanns Nachfolger Walter Scheel drehte die Uhren wieder zurück. Scheel mochte große Gesellschaften, achtete auf Formen und feste Kleiderordnung, hatte Spaß am Repräsentieren. Er galt als lebenslustig und volksnah, als "rheinische Frohnatur". Als Bundespräsident (1974-1979) blieb er eher blass, auch wenn er gut reden konnte. Dass er zielstrebig und machtbewusst war, hatte er in den Jahren zuvor bewiesen - etwa als Außenminister, als er mit Bundeskanzler Willy Brandt die Ost-Politik unter dem Motto "Wandel durch Annäherung" mitgestaltete. Aus der Zeit stammt auch seine Schallplatten-Aufnahme "Hoch auf dem gelben Wagen" für einen guten Zweck.

Karl Carstens, der fünfte Bundespräsident

Karl Carstens wurde der fünfte Bundespräsident. Der korrekte Hanseat sang nicht, er wanderte durch Deutschland und kam dabei mit den Menschen ins Gespräch. Dafür bekam er den Spitznamen "Wanderpräsident" verpasst. An die Deutschen hatte der promovierte Jurist eine Erwartung: "Unser Grundgesetz spricht davon, dass der Bürger nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten hat." Carstens selbst war sachlich, rational, diszipliniert. Er sah sich nicht als "politischen Präsidenten". Das mag ein Grund dafür sein, dass die programmatische Rede und der prägnante Satz fehlten, die die Amtszeit (1979-1984) von Carstens öffentlichkeitswirksam geprägt hätten.

Richard von Weizsäcker

Ganz anders sieht es bei seinem Nachfolger aus: Richard von Weizsäcker verstand sich als politischer Bundespräsident und war eines der beliebtesten Staatsoberhäupter. Weizsäcker galt als weltoffen und bedächtig, als Brückenbauer, der auch keine Scheu hatte, sich mit Kritikern auseinanderzusetzen. Seine bekannteste Rede war wohl die zum 40. Jahrestag des Kriegsendes: Weizsäcker bezeichnete den 8. Mai 1945 als "Tag der Befreiung, der uns alle befreit hat vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft". In Weizsäckers Amtszeit (1984-1994) fiel auch die deutsche Wiedervereinigung. Im Rahmen der Feierlichkeiten prägte er den Satz: "Sich zu vereinen, heißt teilen lernen."

Der siebte Bundespräsident Roman Herzog (1994 - 1999)

Nach Weizsäcker kam Roman Herzog (1994-1999). Ein Staatsrechtler, der großen Intellekt mit niederbayerischer Bodenständigkeit in sich vereinte und für seinen Hang zur Ironie bekannt war. Herzog beklagte im Jahr 1997, dass den Deutschen der nötige Reformgeist fehle, um sich fit zu machen für das 21. Jahrhundert. Er mahnte, "durch Deutschland muss ein Ruck gehen, wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen".

Bundespräsident Johannes Rau ( 1999 - 2004)

Das Motto, unter das Johannes Rau seine Amtszeit (1999-2004) stellte, lautete: "Versöhnen statt spalten". Der gläubige Christ - Spitzname "Bruder Johannes" - setzte sich für die Integration von Ausländern und Minderheiten ein. Dafür zitierte Rau schon mal den Kernsatz des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar" und kommentierte diesen Satz so: Da stehe nicht die Würde "der Deutschen", sondern "des Menschen". Rau sprach als erster Bundespräsident in der Knesset, dem israelischen Parlament, und bat dort um Vergebung für den Holocaust.

Horst Köhler mit seiner Frau bei der Rücktrittserklärung vom Amt des Bundespräsidenten

Sein Nachfolger Horst Köhler kam vom Internationalen Währungsfonds ins höchste Staatsamt. Aus einem Spitzenbanker wurde der Bundespräsident - und Köhler machte schnell klar, dass er sich in diesem neuen Amt nicht mit dem Repräsentieren begnügen würde. Unprätentiös im Auftreten, hart in der Sache - etwa, wenn er mehr Anstand in der Politik anmahnte. Seine Amtszeit (2004-2010) endete überraschend nach einem Interview, in dem er über die Rolle der Bundeswehr räsonierte. Seine These, dass eine Exportnation wie Deutschland notfalls auch militärisch ihre Interessen wahren müsse, sorgte für harsche Kritik. Sichtlich angefasst sagte Köhler wenige Tage später: "Die Kritik lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen", und trat zurück.

Böhrnsen (links), Wulff, und Lammert (rechts)

Auf Köhler folgte Christian Wulff. Mit 51 Jahren deutlich jünger als seine Vorgänger im höchsten Staatsamt. Er konnte zu diesem Zeitpunkt auf eine steile politische Karriere zurückblicken. Die Boulevard-Zeitungen entdeckten ihn und seine Ehefrau Bettina, das Schloss Bellevue bekam mehr Glanz als zuvor. Inhaltlich stößt Wulff mit einem Satz eine Grundsatzdebatte über Integration an: Das Christentum und das Judentum gehörten "zweifelsfrei zu Deutschland", aber "der Islam inzwischen auch". Wulff sollte nur anderthalb Jahre (2010-2012) im Amt bleiben. Ein Privatkredit für sein Eigenheim löste eine breite mediale Recherche aus, es folgten Vorwürfe, Wulff habe in seiner Zeit als Ministerpräsident private Vorteile aus seinem Amt gezogen. Wulff trat zurück, wurde später aber vom Verdacht der Vorteilsnahme freigesprochen.

Joachim Gauck

Zu dem Zeitpunkt war bereits Joachim Gauck im Amt. Anders als seine Vorgänger gehört er keiner Partei an. In der DDR war er evangelischer Pfarrer, nach der Wiedervereinigung Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde. Das Thema seiner Amtszeit als Staatsoberhaupt (2012-2017): Freiheit. Gauck fand in den unterschiedlichsten Situationen die richtigen Worte, verband dabei das Politische mit dem Emotionalen. Und wollte sichtlich gern mit ganz normalen Menschen ins Gespräch kommen. Doch nach fünf Jahren wollte Gauck nicht mehr. Er freute sich darauf, wieder mehr Privatmann sein zu dürfen, nicht immer aufpassen zu müssen, ob er "ein falsches Wort sage".

Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier

Gaucks Nachfolger, Frank-Walter Steinmeier, scheint damit kein Problem zu haben. Wohl auch, weil er als Chefdiplomat jahrelang Worte wägen musste. Staatstragend und besonnen. Steinmeier begann 2017 seine Amtszeit mit den Worten "Ein Bundespräsident darf kein Vereinfacher sein, er muss ein Mutmacher sein." Eine eher vage Formulierung, die inzwischen in den Hintergrund getreten ist. Der Bundespräsident hat das zentrale Thema seiner Amtszeit gefunden: Die Demokratie bewahren. In einer Zeit, in der die Sprache verroht, die Parteienlandschaft zersplittert und sich Gräben in der Gesellschaft auftun.

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