Bildergalerie: Ausstellung in München: Spotlights auf den BND

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Ausstellung in München: Spotlights auf den BND

Licht an im "Signal Intelligence"-Kontrollraum, außerhalb Pullachs an einem geheimen Standort

Der Fotograf Martin Schlüter hat kurz vor dem Umzug des BND Bilder in der Pullacher Zentrale gemacht. Misstrauisch sei er an den Auftrag herangegangen, sagt er im Interview mit tagesschau.de. Deshalb ließ er Vieles im Dunkeln. Das Interview entlang seiner Fotos führte Nea Matzen, tagesschau.de.

Schlafen die Spione wirklich nachts?


"Der Buch- und Ausstellungstitel ist etwas überspitzt und ironisch gemeint. Tatsächlich wird beim BND im Schichtbetrieb gearbeitet. Der Auslandsnachrichtendienst muss rund um die Uhr für die ausländischen Botschaften erreichbar sein."

Licht an im "Signal Intelligence"-Kontrollraum, außerhalb Pullachs an einem geheimen Standort | Bildquelle: Martin Schlueter

Licht an im "Signal Intelligence"-Kontrollraum, außerhalb Pullachs an einem geheimen Standort

Der Fotograf Martin Schlüter hat kurz vor dem Umzug des BND Bilder in der Pullacher Zentrale gemacht. Misstrauisch sei er an den Auftrag herangegangen, sagt er im Interview mit tagesschau.de. Deshalb ließ er Vieles im Dunkeln. Das Interview entlang seiner Fotos führte Nea Matzen, tagesschau.de.

Schlafen die Spione wirklich nachts?


"Der Buch- und Ausstellungstitel ist etwas überspitzt und ironisch gemeint. Tatsächlich wird beim BND im Schichtbetrieb gearbeitet. Der Auslandsnachrichtendienst muss rund um die Uhr für die ausländischen Botschaften erreichbar sein."

Licht an im "Signal Intelligence"-Kontrollraum, außerhalb Pullachs an einem geheimen Standort

Martin Schlüter

Wer hatte die Idee für das Fotoprojekt?

"Die Pressestelle des BND hat mich angefragt zu diesem Thema. Ich war zunächst irritiert und misstrauisch, konnte aber zur Bedingung machen, dass ich konzeptionell ganz frei arbeiten konnte. Ich finde es schwierig, sich ein abschließendes Urteil über die Arbeit des BND zu bilden. Es gibt Erfolge und krasse Misserfolge."

Der Fotograf Martin Schlüter,  erhielt er als erster Fotograf die Auszeichnung zum CNN Journalist of the Year

Haupteinfahrt mit Pförtnerhäusern

Warum nachts?

"Es gab in Pullach Riesenvorbehalte gegen das Projekt und ich kam zu dem Schluss, dass sich die Türen in Pullach nur widerwillig öffnen, dass der Ort sich dagegen wehrt, von mir erzählt zu werden. Eigentlich möchte er lieber in der Dunkelheit bleiben. In der Nacht konnte ich darstellen, dass es immer ein Ringen um Licht, um Information ist. So konnte ich am besten mein Suchen nach Erkenntnissen – um Erhellung – zum Thema machen. Es geht immer um Spotlights und das Dunkle drumherum."

Haupteinfahrt mit Pförtnerhäusern      

Vergessene und verstaubte Taschen im Keller.

Verpackt der BND einen Teil seiner Transparenzoffensive in diesem Fotoprojekt?

"Es wird heute so dargestellt, aber es ging sehr viel früher los. Ich habe ein Jahr, bevor der Name Edward Snowden zum ersten Mal auf den Bildschirmen auftauchte, mit dem Fotografieren begonnen, also lange bevor der BND in den Medien so präsent war."

Vergessene und verstaubte Taschen im Keller. Wer sie benutzt hat und welchen Zweck sie hatten, bleibt unklar.

Büro eines Naturwissenschaftlers.

Das sieht nach Chaos aus? Ist das BND-like?

"Es gibt sehr dröge, banale Büros in Pullach, aber auch sehr charmante Oasen. Hier arbeitet ein promovierter Chemiker, den ich auch kennengelernt habe. Er kam zuerst wie ein verrückter, nerdiger Professor rüber und war sehr skeptisch, aber taute dann schnell auf und hat ganz viel über seine Arbeit erzählt."

Büro eines Naturwissenschaftlers.

Geografischer Dienst

Stecken in diesen Schränken Infos über uns auf vergilbtem Papier? Durften Sie reinschauen?

"Das durfte ich. Es ist die Kartenstelle des BND. Es gibt riesige Sammlungen von Spezialkarten, die auch im Zeitalter von Google nicht ersetzbar sind. Zum Beispiel Karten, auf denen Pipelines in irgendeinem afrikanischen Land verzeichnet sind oder Polizeistationen oder Kasernen. Es gab eine Schrankreihe, auf der auf jeder Schublade Iran stand. Die habe ich auch fotografiert."

Geografischer Dienst. Bis heute sind manche Regionen nicht hinreichend digital kartografiert.

IT-Zentrum – mit modernster Technik ausgestattet

Das sieht etwas moderner aus. Zieht das mit um?

"Es gibt ein nagelneues IT-Zentrum in Pullach. Der Standort wird nicht komplett aufgelöst. Das war eine Bedingung, die die bayerische Landesregierung gestellt hat, um Arbeitsplätze zu sichern. Der BND ist übrigens nicht glücklich darüber. Es bedeutet für den Bund geschätzte Mehrkosten von 50 Millionen Euro pro Jahr und führt zu Effizienzverlusten, weil Mitarbeiter zwischen Berlin und Pullach pendeln müssen."

IT-Zentrum – mit modernster Technik ausgestattet

Büro im neuen Gebäudeteil

Haben Sie etwas über die Arbeitsbedingungen der Spione erfahren?

"Nicht jeder Arbeitsplatz beim BND ist spektakulär. Es gibt auch dort die Personalabteilung, die Reisekostenabrechnung und so weiter. Die Bandbreite ist groß: Es gibt den Soldaten, der in Pullach mit seinem Wachhund seine Runden dreht, genauso wie den operativ arbeitenden Agenten im Ausland. Die Mitarbeiterin, die in diesem Büro arbeitet, habe ich nicht kennengelernt und ich weiß nicht, was sie arbeitet. Ihr wurde ausnahmsweise erlaubt, ihr Büro so zu gestalten. Aber auch in anderen Büros findet man Urlaubs- und Familienfotos und Grünpflanzen. Beim BND arbeiten sechseinhalbtausend Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen und Vorlieben."

Büro im neuen Gebäudeteil: Persönliches gegen die triste Büroatmosphäre.

Übungshalle der BND-Soshin-Do-Gruppe

Ein Fitnessstudio für die Bürohengste?

"In diesem Firnessstudio wird Kampfsport betrieben. Es wird vor allem von den Wachleuten genutzt, die den Standort Pullach bewachen. Aber es steht auch allen anderen offen. Das ist aber noch harmlos. Es gibt auch eine Schießanlage, wo der Einsatz mit der Waffe trainiert wird. Das ist auch notwendig für die im Ausland operativ arbeitenden BND-Leute, die Agenten. Der BND ist ja unter anderem zuständig für den Schutz der Bundeswehrsoldaten im Ausland. Im schlimmsten Fall muss sich ein BND-Mitarbeiter dann auch verteidigen können."

Übungshalle der BND-Soshin-Do-Gruppe, eine Kampfsportart

Silikonmasken im Sanitätsbereich

Wo sind die Schlapphüte und Trenchcoats?

"Die habe ich nirgendwo gesehen. Die Menschen sehen ganz normal aus. Es ist übrigens eine sehr junge Behörde, das Durchschnittsalter ist sehr niedrig. Die Masken sind übrigens auch nicht dafür gedacht, sich zu tarnen, sondern für Erste-Hilfe-Übungen. Aber natürlich spielt dieses Foto mit unseren Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen."

Silikonmasken im Sanitätsbereich

Einer der älteren Besprechungsräume in Pullach

Was verspricht sich der BND von Öffentlichkeits-Aktionen wie diesen?

"Das müssten sie natürlich eigentlich den BND selbst fragen. Aber ich habe meine Theorie dazu; ob sie stimmt, weiß ich nicht. Der BND konkurriert mit anderen Arbeitsgebern in Deutschland um gute Arbeitskräfte, wenn ein Jurist, ein Physiker oder ein Fremdsprachenlehrer benötigt wird. Ich denke, dass es im Werben um gute Mitarbeiter notwendig ist, wenn man eine Imagekorrektur vornimmt, wenn man zu Fehlern und Versäumnissen steht und sich öffnet, so dass dem BND nicht anderes übrig bleibt heutzutage."

Einer der älteren Besprechungsräume in Pullach

Plakat der BND-Ausstellung

Welche Geheimnisse enthüllen Sie mit Ihren Fotos?

"Die Fotos sollen anregen, kritisch über den BND nachzudenken. Es sind sehr düstere Fotos und sie machen es dem Betrachter nicht leicht, gelesen zu werden. Auf der einen Seite ist der BND faszinierend, es gibt ein beeindruckendes Spektrum an Arbeitsplätzen, die der BND anbietet. Auf der anderen Seite muss man einer Institution wie dem BND immer misstrauen und sie kritisch hinterfragen. An dieser Stelle sind die Bilder angesiedelt. Es ist ein Spagat zwischen dem Misstrauen und dem Versuch zu verstehen, worum es bei der Arbeit des BND geht."

Plakat zur Ausstellung im Münchner Kunstfoyer München und Buchumschlag "Nachts schlafen die Spione" - Das Interview führte Nea Matzen, tagesschau.de

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