Bildergalerie: Zehn Meisterwerke der zeitgenössischen Bahn-Fotografie

Bilder

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Schlusslicht: Zehn Meisterwerke der zeitgenössischen Bahn-Fotografie

Bahn

Titel: "Keine Züge sind am 15.10.2014 auf den Gleisen an einem Bahnsteig im Hauptbahnhof in Dresden (Sachsen) zu sehen."
Fotograf: Arno Burgi/dpa
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "Durch die schlichte und harmonische Farbgebung wähnt sich der Betrachter zunächst in Sicherheit. Doch auf den zweiten Blick erkennt er das Detail - und damit die gesamte Brisanz dieses Werkes. Der rote Punkt - geschickt in die zweite Schiene von oben integriert - lässt vielerlei Deutungen zu: Rot als Farbe des Stillstandes? Rot als Farbe der Aggression? Rot als Farbe der Verzweiflung? Rot als Farbe der Macht? Oder schlicht auch: Rot als Farbe des Bahn-Konzerns? Mit dieser Symbolik gelingt es dem Künstler, alle Aspekte des Streiks auf einen winzigen Punkt zu konzentrieren - in seiner ausdrucksstarken Schlichtheit schlichtweg meisterhaft." | Bildquelle: dpa

Bahn

Titel: "Keine Züge sind am 15.10.2014 auf den Gleisen an einem Bahnsteig im Hauptbahnhof in Dresden (Sachsen) zu sehen."
Fotograf: Arno Burgi/dpa
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "Durch die schlichte und harmonische Farbgebung wähnt sich der Betrachter zunächst in Sicherheit. Doch auf den zweiten Blick erkennt er das Detail - und damit die gesamte Brisanz dieses Werkes. Der rote Punkt - geschickt in die zweite Schiene von oben integriert - lässt vielerlei Deutungen zu: Rot als Farbe des Stillstandes? Rot als Farbe der Aggression? Rot als Farbe der Verzweiflung? Rot als Farbe der Macht? Oder schlicht auch: Rot als Farbe des Bahn-Konzerns? Mit dieser Symbolik gelingt es dem Künstler, alle Aspekte des Streiks auf einen winzigen Punkt zu konzentrieren - in seiner ausdrucksstarken Schlichtheit schlichtweg meisterhaft."

Bahn

Titel: "Ein Bahn-Signal leuchet rot am 17.10.2014 vor einer Weiche im Hauptbahnhof in Hannover (Niedersachsen)."
Fotograf: Julian Stratenschulte/dpa
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "Auch hier spielt die Farbe Rot eine zentrale Rolle - doch wesentlich aufdringlicher als im eben gesehenen Werk von Arno Burgi. Fast möchte man meinen, das Rot wäre dem Künstler etwas zu aufdringlich geraten, um nicht zu sagen, fast erschlagend in der Plattheit seiner Aussage. Doch der wahre Wert liegt auch hier im nicht sofort Erkennbaren: Zeigt das Signal in diese Richtung auf Rot, muss der Zug aus der anderen Richtung kommen - und dieser Zug hat zwei Fahrtmöglichkeiten, klar an der Y-Form der Gleise zu erkennen: Es gibt also zwei Wege, wie der Konflikt gelöst werden kann. Ein Bild das Hoffnung macht."

Bahn

Titel: "Bahngleise im Gegenlicht, aufgenommen am 15.10.2014 in Hannover (Niedersachsen)."
Fotograf: Julian Stratenschulte/dpa
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "Julian Stratenschule ist uns aus dem vorherigen Bild ja schon bekannt als Meister, in dessen Kunst auf dem Kopf stehende Buchstaben eine große Rolle spielen. War es eben noch ein "Y", so ist es hier - klar erkennbar - ein "N". Betrachtet man den Werdegang des Künstlers, so bestärkt uns dieses Bild in der Annahme, dass Stratenschulte stets versucht, uns die Hoffnung vor Augen zu führen - auch in einem Konflikt wie dem GDL-Streik. Denn dem geneigten Betrachter wird nicht entgangen sein, dass das "N" (zweifellos ein Symbol für "NO") zwei Tage vor dem "Y" entstanden ist, der Künstler sich also klar zu einem "YES" weiterentwickelt hat."

Bahn

Titel: "Nur eine Taube ist am 15.10.2014 auf dem Bahnsteig des Hauptbahnhofs in Frankfurt am Main zu sehen."
Fotograf: Boris Roessler/dpa
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "Mit völlig anderen Stilmitteln als Julian Stratenschulte arbeitet Boris Roessler. Doch auch hier ist das Prinzip Hoffnung die treibende Kraft für das künstlerische Schaffen. Steht die Taube nicht sinnbildlich für Frieden und Freiheit? Für das ungehinderte Reisen fernab der Niederungen des (Gewerkschafts-)Alltags? Und doch gibt uns dieses Werk noch Rätsel auf. Denn die Taube könnte ja fliegen. Warum wartet sie trotzdem auf den Zug, der nicht kommt? Eine Frage, die sicher noch Generationen von Kunstkritikern beschäftigen wird."

Bahn

Titel: "Gleise am 18.10.2014 im Hauptbahnhof in Magdeburg (Sachsen-Anhalt)."
Fotograf: Jens Wolf/dpa
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "Was die Bauhaus-Bewegung für die Architektur ist oder Arne Jacobsen für das Möbel-Design, das ist Jens Wolf zweifellos für die zeitgenössische Bahn-Fotografie: Für Generationen stilbildend in seiner schlichten Eleganz. Kein Schnörkel lenkt vom zentralen Element ab, der Künstler konzentriert sich auf das Wesentliche. Denn was gibt es Wichtigeres für die Bahn als ihre Schienen? Nun gut: Züge und Lokführer, die diese Züge fahren wollen, wären auch nicht schlecht, werden Sie jetzt vielleicht einwenden. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wären die Klassiker der Design-Geschichte jemals entstanden, wenn sich ihre Erschaffer mit solchen Details aufgehalten hätten?"

Bahn

Titel: "Eine Lichtsignalanlage steht auf rot am 18.10.2014 im dichten Morgennebel an der Bahnstrecke der Deutschen Bahn (DB) zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) nahe Jacobsdorf (Brandenburg)."
Fotograf: Patrick Pleul/dpa
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "Ein Bild, das so völlig anders ist, als alles, was wir bisher gezeigt haben - das verrät schon der Titel: Anders als etwa Julian Stratenschulte würde Patrick Pleul nie das Wort "Signal" verwenden. Wie viel romantischer klingt da doch "Lichtsignalanlage". Die Wortwahl Pleuls ist sicher kein Zufall, erinnert sein Schaffen doch stark an den wohl bedeutendsten Maler der Frühromantik. Die Parallelen zwischen Pleuls "Lichtsignalanlage im Morgennebel" zum gut 200 Jahre früher entstandenen "Wanderer über dem Nebelmeer" von Caspar David Friedrich sind trotz der modernen Interpretation unverkennbar."

Bahn

Titel: "In einem ovalen Deckenspiegel über dem Bahnsteig ist am 15.10.2014 auf dem Bahnhof Wilhelmshöhe in Kassel (Hessen) ein einsamer Reisender vor dem leeren Gleis zu sehen."
Fotograf: Uwe Zucchi/dpa
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "In Kassel-Wilhelmshöhe, dem vermutlich hässlichsten Bahnhof der Republik, ein Bild zu machen, das uns die ganze Tristesse des Bahnstreiks vor Augen führt, ist eine leichte Aufgabe. Doch Uwe Zucchi hat nicht den leichten Weg gewählt. Er hätte einfach die endlosen Rampen fotografieren können, die man sich in Kassel hinauf und wieder hinab quälen muss, um den Bahnsteig zu wechseln. Oder die Dunkelheit, die selbst an einem sonnigen Herbsttag in den Gleisabschnitten C bis F herrscht. Doch Zucchi wählt eine Perspektive, die uns selbst den Spiegel vorhält und uns damit zum Überdenken unserer Positionen anregt. Ein meisterhafter Schachzug - gerade vor dem Hintergrund eines verfahrenen Tarifkonflikts."

Bahn

Titel: "ARCHIV - Eine Frau geht am 14.04.2011 über einen leeren Bahnsteig im Hauptbahnhof in Hamburg."
Fotograf: Marcus Brandt/dpa
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "Ähnlich wie bei Uwe Zucchi spielt auch im Schaffen von Marcus Brandt die Einsamkeit des Reisenden eine zentrale Rolle. Dass uns dpa zum aktuellen Streik dieses Archivbild aus dem Jahr 2011 unterjubelt, mag journalistisch fragwürdig sein, künstlerisch verdient es aber drei Ausrufezeichen!!! Denn hier drängt sich eine Frage geradezu auf, die wohl jeden Bahnreisenden derzeit bewegen dürfte - und die sich mit Blick in die Vergangenheit so einfach und befriedigend beantworten lässt: Ist diese Frau jemals an ihrem Ziel angekommen? Heute, drei Jahre, sechs Monate und vier Tage später, können wir mit Sicherheit und Beruhigung sagen: Ja, inzwischen ist sie angekommen!"

Bahn

Titel: "Dortmund's main railway station of German rail operator Deutsche Bahn (DB) is seen almost empty shortly after a strike by train drivers, October 8, 2014."
Fotografin: Ina Fassbender/Reuters
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "Welch radikaler küntlerischer Sprung! Ina Fassbender arbeitet nicht in düsteren Grau-Braun-Tönen oder mit den Stilmittel der Romantik. Nein, Fassbender setzt klar auf Pop-Art! Trotz der Dunkelheit schreien uns die drei Grundfarben Gelb, Rot und Blau aus diesem Bild heraus geradezu an - und all das wird dominiert von einem übergroßen "E". Dass Fassbender dabei nicht nur den deutschen Kunstmarkt im Blick hat, zeigt schon, dass sie einen Titel wählt, der international zu vermarkten ist. "Dortmund Hbf" hätte in New York, Paris oder Peking vermutlich nur Schulterzucken ausgelöst. "Dortmund's main railway station" spricht hingegen eine klare Sprache - wie man das von Pop-Art erwarten kann."

Bahn

Titel: "ILLUSTRATION - Ein leeres Schneckenhaus liegt am 18.10.2014 an der Bahnstrecke der Deutschen Bahn zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) nahe Jacobsdorf (Brandenburg)."
Fotograf: Patrick Pleul/dpa
Die tagesschau.de-Kunstkritik: "Zum Ende unserer kleinen Kunstführung kehren wir quasi an den Anfang zurück. Denn ebenso wie Arno Burgi greift auch der uns schon bekannte Patrick Pleul das Motiv der vier waagerechten Schienenstränge auf. Doch welch ein Enttäuschung ist dieses Werk des vorher hoch gelobten Pleul? Die Schnecke als Symbol für die Langsamkeit der Bahn während eines Streiks?! Wie banal und zugleich falsch! Denn bei einem Streik fährt die Bahn ja nicht langsam, sondern eben gar nicht. Die Schnecke hingegen bewegt sich zwar langsam, aber sie bewegt sich eben doch. Und überhaupt: Nie wäre die Schnecke ohne Nachhilfe des Fotografen auf den Bahnsteig gekommen - und wenn, wäre sie schon lange von wütenden Fahrgästen zertreten worden. Wie gut, dass uns dpa selbst im Titel darauf hinwiest, dass es sich hierbei um eine "Illustration" handelt. Echte Kunst geht anders."

Darstellung: