Bildergalerie: Deutsche Atomkraftwerke: Neun Meiler am Netz, acht stillgelegt

Bilder

1/14

Neun Meiler am Netz, acht stillgelegt

Grafik: AKW in Deutschland in Betrieb

Kurz nach der Fukushima-Katastrophe beschloss Deutschland den Atomausstieg. Acht Reaktoren wurden sofort stillgelegt, neun andere gehen bis 2022 vom Netz. Beim Bundesverfassungsgericht ist weiterhin eine Klage der Betreiberfirmen E.ON, RWE und Vattenfall gegen die frühzeitige Abschaltung anhängig. Darin fordern sie Schadenersatz in Milliardenhöhe. Noch 2015 wird ein Urteil erwartet.

Welches AKW wird wann abgeschaltet? Wie viele Haushalte versorgt ein Meiler? tagesschau.de beantwortet Fragen zu den deutschen Atomkraftwerken.

Grafik: AKW in Deutschland in Betrieb

Kurz nach der Fukushima-Katastrophe beschloss Deutschland den Atomausstieg. Acht Reaktoren wurden sofort stillgelegt, neun andere gehen bis 2022 vom Netz. Beim Bundesverfassungsgericht ist weiterhin eine Klage der Betreiberfirmen E.ON, RWE und Vattenfall gegen die frühzeitige Abschaltung anhängig. Darin fordern sie Schadenersatz in Milliardenhöhe. Noch 2015 wird ein Urteil erwartet.

Welches AKW wird wann abgeschaltet? Wie viele Haushalte versorgt ein Meiler? tagesschau.de beantwortet Fragen zu den deutschen Atomkraftwerken.

AKW Brokdorf

AKW Brokdorf: Seit 1986 läuft die Anlage nahe Glückstadt. Laut Betreiber E.ON ist das AKW de facto für rund die Hälfte der Stromerzeugung im Bundesland verantwortlich und deckt theoretisch 90 Prozent des Energiebedarfs der Schleswig-Holsteiner. Nach der Anlage Isar 2 ist Brokdorf der effizienteste deutsche Kernkraftwerk. In und an dem Druckwasserreaktor arbeiten derzeit 388 Mitarbeiter. Der EU-Stresstest 2012 bemängelte unvollständige Notfallvorschriften und fehlende Erdbebenwarngeräte auf der Anlage. Nach dem Fukushima-GAU entschied die Bundesregierung: Spätestens Ende 2021 muss Brokdorf abgeschaltet werden.

Kernkraftwerk Grafenrheinfeld

AKW Grafenrheinfeld: Deutlich früher ist hier Schluss. Spätestens Ende 2015 muss die Anlage in Bayern abgeschaltet werden. Betreiber E.ON hatte ursprünglich angekündigt, bereits im Mai vom Netz gehen zu wollen. Nach dem außerplanmäßigen Wechsel eines Brennelements im März könnte das AKW nun jedoch länger in Betrieb bleiben. Gebaut wurde die Anlage nahe Schweinfurt 1981. Die hier jedes Jahr produzierte Strommenge von etwa 10 Milliarden Kilowattstunden reicht laut E.ON aus, um eine Stadt wie München für etwa eineinhalb Jahre zu versorgen.

AKW Neckarwestheim

AKW Neckarwestheim: Die Anlage besteht aus zwei Blöcken. Der erste ging 1976 ans Netz, der zweite 1989. Damit ist er einer der jüngsten Reaktoren in Deutschland. Bis 2022 darf Betreiber EnBW den direkt am Neckar liegenden Block II angeschaltet lassen. Den älteren Teil der Anlage musste das Unternehmen nach der Katastrophe von Fukushima 2011 vom Netz nehmen. Seitdem befindet sich dieser Reaktor im Nachbetrieb. Dabei wird der Rückbau vorbereitet. Der Standort ist seit langem ein Streitfall. Immer wieder wird über die Standfestigkeit des Untergrundes diskutiert. Kritiker befürchten, dass die Anlage durch Hohlräume im Boden beschädigt werden könnte.

KKE Emsland: AKW

AKW Emsland: Direkt an der Ems liegt diese Anlage bei Lingen. Gebaut wurde das AKW 1988, Betreiber ist RWE. Das Kraftwerk versorgt laut dem Unternehmen 3,5 Millionen Haushalte mit Strom. Das AKW Emsland wird als eines der drei letzten deutschen Kernkraftwerke Ende 2022 vom Netz gehen.

Isar 2

AKW Isar: Ebenfalls erst 2022 muss die Anlage Isar 2 in der Nähe von Landshut vom Netz. Das 1988 gebaute AKW ist das leistungsstärkste deutsche Kernkraftwerk. 2013 landete die E.ON-Anlage im weltweiten Ranking auf Rang eins. Nach den Plänen von Schwarz-Gelb sollte das Kraftwerk ursprünglich bis 2034 am Netz bleiben. Mit dem Fukushima-GAU verringerte die Bundesregierung jedoch die Betriebsdauer deutlich.
Der ältere Block I (Baujahr 1977) der Anlage wurde 2011 ganz abgeschaltet - als einer von acht Reaktoren in Deutschland. Ab 2016 soll Isar I abgebaut werden.

Kernkraftwerk Philippsburg

AKW Philippsburg: Auch im baden-württembergischen Philippsburg steht ein Teil der Anlage bereits still. 2011 wurde Block 1 - ein Siedewasserreaktor - abgeschaltet. Block 2 des auf einer Rhein-Insel gelegenen AKW produziert noch bis maximal 2019 Strom. Der modernere Druckwasserreaktor wurde 1977 in Betrieb genommen.

AKW Gundremmingen

AKW Gundremmingen: Die Anlage in Bayern besteht aus drei Teilen. Den Reaktoren A, B und C. Bereits 1977 wurde Block A abgeschaltet, nachdem es dort einen schweren Störfall gegeben hatte. Ein Kurzschluss führte dazu, dass das Reaktorgebäude mit kontaminiertem Wasser volllief. Eine Sanierung war den damaligen Betreibern zu kostspielig. Stattdessen setzten sie auf die auch heute noch laufenden Meiler B und C. Bis 2017 und 2021 kann RWE mit den beiden Reaktoren noch Geld verdienen, dann ist Schluss. Die Gebäude um den havarierten Block A stehen weiterhin, auch wenn der Reaktor mittlerweile weitgehend demontiert ist.

AKW Grohnde

AKW Grohnde: Zeitgleich mit dem letzten Reaktor in Gundremmingen geht auch das AKW in Grohnde nahe Hameln vom Netz. Betreiber E.ON darf das mehr als 30 Jahre alte AKW nur noch bis Ende 2021 am Netz lassen. Mehr als 300 Mitarbeiter verdienen in der Anlage ihr Geld.

Grafik: Abgeschaltete AKW in Deutschland

Neben der verkürzten Laufzeit für die neun moderneren Reaktoren entschied die Bundesregierung 2011 nach der Fukushima-Katastrophe auch: Einige Anlagen werden sofort stillgelegt. Diese Entscheidung betraf vor allem ältere AKW aus den 1970er-Jahren. Welche Probleme sind in den alten Meilern bis dahin aufgetreten und was passiert nun in Krümmel, Brunsbüttel oder Biblis?

AKW Krümmel

AKW Krümmel: Fast 30 Jahre war das Kernkraftwerk nahe Hamburg am Netz. Seit 2011 steht fest: In dem störanfälligen Reaktor darf kein Strom mehr produziert werden. Bereits zum Zeitpunkt der Super-GAUs in Japan war Krümmel wegen mehrerer Pannen nicht mehr am Netz. Unter anderem war mehrmals Feuer ausgebrochen. Auch nach der Abschaltung musste Betreiber Vattenfall immer wieder Zwischenfälle bekanntgeben. Zuletzt fielen Pumpen aus, die bei der Kühlung der alten Brennstäbe eine Rolle spielen. Der Rückbau der Anlage wird laut Schätzungen etwa eine Milliarde Euro kosten.

Krümmel stand nicht nur wegen der Störfälle in der Kritik: Der Meiler in Geesthacht war auch wegen mehrerer Krebsfälle in der Nachbarschaft immer wieder in die Schlagzeilen geraten.

AKW Brunsbüttel (links hinten)

AKW Brunsbüttel: Auch aus dem 1976 in Betrieb genommenen AKW in Schleswig-Holstein wurden zahlreiche Pannen gemeldet. 2007 wurde die Anlage wegen fehlerhafter Dübel und Verankerungen geschlossen und bis 2011 nicht dauerhaft wieder hochgefahren. Durch die Stilllegung aller vor 1980 gebauten Meiler kommt auch für Brunsbüttel das Aus. Der Rückbau des AKW wird etwa 15 Jahre dauern.

Seit der Schließung taucht der Name Brunsbüttel vor allem im Zusammenhang mit verrösteten Atommüll-Fässern auf. Nach und nach muss Betreiber Vattenfall zugegeben, dass im Zwischenlager auf dem Gelände viele Fässer beschädigt worden sind. Bis Ende 2014 wurden bei Video-Inspektionen mehr als 130 beschädigte Atommüllbehälter gefunden.

AKW Unterweser

AKW Unterweser: Das 1978 ans Netz gegangene Kernkraftwerk wurde im März 2011 stillgelegt. Betreiber E.ON unterhält auf dem Gelände seit 2007 ein Atommüll-Zwischenlager. Etwa 80 Castoren lagern in der niedersächsischen Gemeinde.

Biblis 1 + 2

AKW Biblis: Die Anlage in Hessen besteht aus den Blöcken A und B. Beide wurden in den 1970er-Jahren gebaut und sind seit 2011 abgeschaltet. Ursprünglich war geplant gewesen, zwei weitere Reaktoren C und D zu errichten. Seit dem Bau hat es in beiden Blöcken zusammen mehr als 800 Zwischenfälle gegeben, unter anderem defekte Kühlsysteme, einen Kurzschluss und entweichendes radioaktives Kühlwasser.

Darstellung: