Bildergalerie: Der Anschlag auf "Charlie Hebdo" - und was danach geschah (09. und 10.01.2015)

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Der Anschlag auf "Charlie Hebdo" - und was danach geschah (09. und 10.01.2015)

Anschlag auf "Charlie Hebdo" in Paris

Die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" gilt in Frankreich als Symbol einer freien Presse, die mit bissigem Humor religiösen Fanatismus, Rassismus, Intoleranz und die Exzesse des Kapitalismus angreift. Die aktuelle Ausgabe nimmt das Buch "Unterwerfung" von Michel Houellebecq aufs Korn, das für Frankreich das Szenario eines muslimischen Präsidenten im Jahre 2022 entwirft. | Bildquelle: AFP

Anschlag auf "Charlie Hebdo" in Paris

Die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" gilt in Frankreich als Symbol einer freien Presse, die mit bissigem Humor religiösen Fanatismus, Rassismus, Intoleranz und die Exzesse des Kapitalismus angreift. Die aktuelle Ausgabe nimmt das Buch "Unterwerfung" von Michel Houellebecq aufs Korn, das für Frankreich das Szenario eines muslimischen Präsidenten im Jahre 2022 entwirft.

Angreifer mit Kalaschnikows in Paris

Der Angriff traf Frankreich ins Herz, wie Premierminister Manuel Valls sagte. Gegen 11:20 Uhr am Mittwochvormittag nähern sich zwei mit Kalaschnikows bewaffnete Angreifer der Hausnummer 6 in der Straße Nicolas Appart im 11. Arrondissement von Paris. Dort ist das Archiv des Magazins untergebracht. Als die beiden Männer den Irrtum bemerken, ziehen sie weiter zu Hausnummer 10, dem Redaktionsgebäude.

Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris

Dort töten sie den Mann am Empfang und laufen in die zweite Etage, wo gerade die Redaktionskonferenz tagt. "Die Männer eröffnen kaltblütig das Feuer auf die versammelten Redaktionsmitglieder", schildert ein Zeuge der Polizei. In dem Raum sterben zehn Menschen: acht Journalisten, ein Gast sowie der Polizist, der zur Bewachung des "Charlie Hebdo"-Chefs abgestellt war.

der Chefredakteur von "Charlie Hebdo" Charb und Cabu

Den 47-jährigen Chefredakteur Stéphane Charbonnier (links), der unter dem Namen "Charb" veröffentlichte, töten sie ebenso wie den Mitbegründer der Zeitschrift, den Zeichner Jean Cabut, bekannt als "Cabu".

Der Karikaturist Georges Wolinksi und Bernard Verlhac ("Tignous")

Auch die Zeichner Georges Wolinksi (links) und Bernard Verlhac, der unter dem Künstlernamen "Tignous" veröffentlichte, sterben. Das bestätigen die Ermittler einige Stunden später.

Die rue Nicolas Appert im 11. Arrondissement

Nur ein einziger der anwesenden Mitarbeiter von "Charlie Hebdo" überlebt, indem er sich unter einem Tisch versteckt. Er hört die Angreifer rufen: "Allah Akbar" (Gott ist groß) und "Wir haben den Propheten gerächt". Um 11:30 Uhr geht bei der Polizei ein Notruf ein. Sofort werden Polizisten zum Redaktion von "Charlie Hebdo" geschickt. Die Angreifer flüchten.

Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris

Die mindestens vier Schwerverletzten werden in Krankenhäuser gebracht.

Forensiker untersuchen das mutmaßliche Fluchtauto

Die Täter rasen mit diesem Citroën C3 zum hundert Meter entfernten Boulevard Richard Lenoir und rammen einen Polizisten, der auf dem Boden liegen bleibt. Die Männer steigen aus dem Wagen und schießen ihm in den Kopf. Als sie zum Auto zurücklaufen rufen sie erneut: "Wir haben den Propheten Mohammed gerächt! Wir haben 'Charlie Hebdo' getötet!" Mit dem Wagen rammen sie ein anderes Auto, die Fahrerin wird leicht verletzt. Dann fahren sie weiter bis zur Porte de Pantin im Nordosten der Stadt, überfallen einen Autofahrer und setzen ihre Flucht in seinem Wagen fort. Die Polizei verliert ihre Spur.

Anschlag auf "Charlie Hebdo" in Paris

Frankreichs Präsident Hollande eilt zum Tatort. Er spricht von einem "Terroranschlag". Frankreich stehe unter Schock. Ziel des Attentats sei eine Zeitung gewesen, die schon mehrfach bedroht worden sei. Die Täter dieser "außergewöhnlich barbarischen Tat" würden verfolgt und vor Gericht gestellt, versprach er. Innenminister Bernard Cazeneuve spricht von insgesamt drei Verbrechern, die in den Angriff verwickelt seien.

Der Vorsitzende des französischen Rates der Muslime (CFCM) Dalil Boubakeur (5. von rechts) kommt bei den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo an

Kurz nach dem Anschlag gibt es die ersten Reaktionen: Nicht nur Politiker in aller Welt verurteilen den Angriff: Der Vorsitzende des französischen Rates der Muslime, Dalil Boubakeur (5. von rechts), kommt zum Tatort, zeigt sich entsetzt über den "barbarischen" Akt "gegen Demokratie und Pressefreiheit". Auch viele andere islamische Organisationen in Frankreich und anderswo verurteilen den Anschlag.

Anschlag in Paris

Nach dem Anschlag wird für den Großraum Paris die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Die französische Regierung kommt zu einer Krisensitzung zusammen.

Sicherheitsmaßnahmen vor dem gebäude von Radio France

So wird der Anti-Terror-Plan" Vigipirate" auf die höchste Stufe "Anschlagsalarm" angehoben. Konkret heißt das: Für große Kaufhäuser, Kirchen und den öffentlichen Nahverkehr wird der Schutz verstärkt. Auch Mediengebäude wie die Zentrale des öffentlich-rechtlichen "Radio France" werden nun von der Polizei bewacht.

Kundgebung in Paris

"Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") wird binnen weniger Stunden zum Schlagwort, das die Menschen in ihrem Entsetzen vereint - nicht nur in Frankreich, sondern weltweit.

Journalisten solidarisieren sich bei der AFP

Im Internet solidarisieren sich Tausende Twitter-Nutzer mit den Opfern des Anschlags. Unter dem Hashtag #JeSuisCharlie ("Ich bin Charlie") verurteilten sie die Attacke. Auch Journalistenkollegen wie die der französischen Nachrichtenagentur AFP verbreiten die Solidaritätsbotschaft.

Kundgebung in Paris

Gegen Abend versammeln sich unter dem gleichen Motto mehr als 35.000 Menschen auf dem Pariser Platz der Republik. In der Menge halten manche Schilder hoch mit der Aufschrift "Ich bin Charlie", andere bringen Kerzen mit.

"Je suis Charlie"-Schild vor der französischen Botschaft in Berlin

Auch in mehreren europäischen Hauptstädten - wie hier vor der französischen Botschaft in Berlin - solidarisieren sich die Menschen auf den Straßen. Sie alle trauern nicht nur um die Opfer des Anschlags. Vielmehr setzten sie auch ein Zeichen für Freiheit, Toleranz, Meinungs-und Pressefreiheit - und gegen Terror und religiösen Fanatismus.

Sondereinheiten der französischen Polizei fahnden in Reims nach den Attentätern.

Derweil fahnden schwerbewaffnete französische Spezialeinheiten nach den flüchtligen Tätern, unter anderem sind sie in Croix-Rouge, einem Vorort von Reims, im Einsatz.

Forensiker der französischen Polizei untersuchen in Reims eine Wohnung.

Forensiker untersuchen eine Wohnung auf Spuren der Täter. Nach Angaben der Polizei soll es sich bei ihnen um zwei Brüder handeln.

Fahndungsfotos der mutmaßlichen Terroristen (Quelle: Französische Polizei)

Die französische Polizei veröffentlicht Fahndungsfotos der mutmaßlichen Terroristen. Sie zeigen Cherif Kouachi, 32 Jahre alt , und seinen Bruder, den 34-jährigen Said Kouachi. Später wird bekannt, dass die beiden auf der Terrorliste der USA gestanden haben. Einer der Brüder soll in einem Ausbildungslager von Al Kaida im Jemen gewesen sein.

Die Flaggen am Elysee Palast in Paris tragen Trauerflor.

Frankreich trauert am Tag danach: Die Flaggen am Elysee Palast tragen einen Trauerflor.

Am südlichen Stadtrand von Paris wird eine Polizistin erschossen

Paris kommt nicht zur Ruhe: Am Donnerstag gegen 08.19 Uhr kommt es erneut zu einer Schießerei am südlichen Stadtrand von Paris. Ein Mann mit einer schusssicheren Weste und einem Schnellfeuergewehr soll das Feuer auf Polizisten eröffnet haben. Eine Polizistin stirbt, ein weiterer Mann wird schwer verletzt. Der Täter ist auf der Flucht. Später wird bekannt: Es gibt eine Verbindung mit dem Anschlag auf "Charlie Hebdo".

Mitarbeiter des Elysee Palastes in Paris halten eine Schweigeminute ab.

Um Punkt zwölf Uhr mittags halten die Menschen landesweit inne, um ihre Trauer um die zwölf am Vortag getöteten Menschen zum Ausdruck zu bringen. Auch die Mitarbeiter des Elysée-Palastes trauern.

Anschlag auf Charlie Hebdo: Gedenkminute

Auf vielen Balkons und Plätzen halten Menschen als Zeichen der Solidarität Schilder mit der Aufschrift "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") in die Höhe. Hunderttausende Menschen versammeln sich, wie hier in Toulouse.

Stifte, Kerzen und Blumen als Zeichen der Trauer

Stifte sind neben Kerzen und Blumen ein Zeichen der Trauer um die getöteten Mitarbeiter von "Charlie Hebdo".

Karikatur von Kash

Solidarität auch aus Kinshasa: Eine Karikatur von Muhindo Kashauri (Pseudonym: Kash). Auf den Stiften stehen die Namen der ermordeten Karikaturisten. "Die Meinungsfreiheit stirbt nie", schreibt Kash.

Charlie Hebdo - solidarität

"Ich bin Moslem - Ich bin Jude - Ich bin Christ - Ich bin Charlie" - Transparent einen Tag nach dem Anschlag auf dem Place de La Republique in Paris

Polizisten in Longpont

Auch in der Nacht geht die Suche nach den Tätern unter Hochdruck weiter. 88.000 Sicherheitskräfte durchkämmen eine Gegend in der Picardie nordöstlich von Paris.

Ein bewaffneter Polizist vor einem Wegweiser

Am zweiten Tag nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" gibt es eine neue Spur der mutmaßlichen Tätern. Die beiden Hauptverdächtigen verschanzen sich in einer Lagerhalle einer Druckerei in dem Ort Dammartin nordöstlich von Paris. Zunächst nehmen sie den Geschäftsführer als Geisel, lassen ihn dann aber frei. Spezialeinheiten umstellen das Gebäude.

Einsatzkräfte an der Porte-de-Vincinnes in Paris

Gegen 14 Uhr kommt es im Osten von Paris zu einer erneuten Schießerei und einer Geiselnahme in einem jüdischen Lebensmittelladen. Berichte über Tote wurden wenig später dementiert. Der oder die Geiselnehmer sollen auch für die Ermordung der Polizistin am Vortag in Montrouge verantwortlich sein.

Karte mit Paris und Porte de Vincennes sowie Dammartin-en-Goële

Die Orte der zwei Geiselnahmen im Überblick.

Schulkinder werden in Dammartin in Sicherheit gebracht.

Die Behörden in Dammartin-en-Goele beginnen damit, die Schulen zu evakuieren. Eine Schule liegt ganz in der Nähe einer Druckerei, in der sich die mutmaßlichenTäter verschanzt haben. Unbemerkt von den beiden Terroristen hält sich ein weiterer Mitarbeiter der Druckerei in dem Gebäude versteckt und gibt der Polizei per Handy Hinweise.

Spezialeinheiten stürmen die Druckerei in Dammartin

Am späten Nachmittag dann der Doppelschlag: Zunächst greifen Spezialeinheiten in Dammartin zu, die beiden Hauptverdächtigen des Attentats auf "Charlie Hebdo" werden dabei getötet.

Polizei mit befreiten Geiseln in Porte-de-Vincennes

Auch die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Porte de Vincennes beendet die Polizei gewaltsam. Auch hier wird der Täter erschossen. Die meisten Geiseln können befreit werden, doch vier von ihnen sind tot. Wie die französische Staatsanwaltschaft später mitteilt, hatte der Täter sie bereits umgebracht, als er das Geschäft stürmte.

Fahndungsfotos des Supermarkt-Geiselnehmers und seiner Freundin.

Die Polizei fahndet weiterhin nach der Freundin des Supermarkt-Geiselnehmers, der am Donnerstag bereits eine Polizistin getötet haben soll. Den Ermittlern zufolge war die 26-Jährige in die Schießerei verwickelt.

Präsident Hollande bei in einer Ansrpache an die Franzosen.

"Wir sind ein freies Volk, das bei Druck nicht klein beigibt", sagt Präsident Hollande in einer Ansprache an die Franzosen. Mehrere europäische Regierungschefs, unter ihnen Bundeskanzlerin Merkel und Großbritanniens Premier Cameron, kündigen an, am Sonntag mit Hollande an einem Gedenkmarsch in Paris teilzunehmen.

Eine weiße Rose als stilles Zeichen der Trauer vor dem Pariser Supermarkt am Tag nach dem Massaker.

Stilles Zeichen der Trauer vor dem Pariser Supermarkt am Tag nach dem Massaker. Insgesamt starben bei dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" und den folgenden Ereignissen 20 Menschen - unter ihnen die drei Attentäter und Geiselnehmer.

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