Enthüllung der Marx-Statue in Trier | Bildquelle: AP

Debatte über Marx Zeitgemäß oder verklärt?

Stand: 05.05.2018 12:33 Uhr

Die Feiern zum 200. Geburtstag von Marx haben begonnen, Politiker entdecken den Denker zumindest heute wieder. Für SPD-Chefin Nahles bleibt Marx aktuell, für Grünen-Chef Habeck "erstaunlich zeitgemäß" - doch es gibt auch Kritik.

Für die Sozialdemokraten ist Marx - nach den Worten der SPD-Chefin Andrea Nahles - nach wie vor aktuell. "Marx hat die Sozialdemokratie geprägt wie kein anderer", sagte sie. Bis zum Godesberger Programm von 1959 habe sich die SPD als eine marxistische Partei verstanden. "Heute ist die SPD natürlich längst keine marxistische Weltanschauungspartei mehr, doch in ihrem Begründungspluralismus gehören auch Marx und seine Betrachtungen nach wie vor dazu".

In der Tradition der Arbeiterbewegung liege es, zu versuchen, "die technologischen Veränderungen, die destruktiven Veränderungen die mit der Digitalisierung kommen, jetzt auch wieder in den Dienst des Menschen zu stellen und für die Menschen zum Nutzen zu gestalten".

"Digitalen Kapitalismus bändigen"

Auch Grünen-Chef Robert Habeck würdigte einzelne Aspekte im Denken des Philosophen als "erstaunlich zeitgemäß". Das beziehe sich etwa auf die Erkenntnis, dass technische Entwicklungen das Selbstverständnis einer Gesellschaft sowie ihre politischen Werte definierten, sagte Habeck der "Rheinischen Post".

Allerdings habe sich die Annahme, dass der Kapitalismus zwangsläufig zur Revolution führe und diese dann zur Befreiung der Menschen aus Knechtschaft und Entfremdung, "offenkundig als falsch erwiesen". Geschichte sei keine natürliche Entwicklung, sagte Habeck. Die Politik müsse die Dinge schon selbst in die Hand nehmen: "Es heißt also, den digitalen Kapitalismus zu bändigen und Leitplanken zu setzen."

"Sein Ziel war Demokratie"

Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht betonte, dass die Thesen von Marx nicht verantwortlich für Verbrechen seien, die im Namen des Kommunismus begangen wurden. Wer Marx zum Vordenker autoritärer Systeme erkläre, die Pluralismus und Meinungsfreiheit unterdrückten, könne seine Aufsätze nie gelesen haben, sagte Wagenknecht der "Rhein-Neckar-Zeitung" . Marx habe an keiner Stelle eine verstaatlichte Planwirtschaft gefordert. "Sein Ziel war Demokratie", sagte Wagenknecht.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) äußerte sich hingegen in einem Tweet kritisch. Egal wie brillant Marx' Ideen gewesen seien - die Umsetzung habe nie funktioniert und so "Millionen Menschen um Glück und Leben betrogen".

Peter Altmaier @peteraltmaier
Lieber #KarlMarx, egal wie brillant Deine Ideen waren: Die Umsetzung hat nie funktioniert, Millionen Menschen um Glück & Leben betrogen.

"Zum Feiern kein Anlass"

Heftige Kritik hatte es im Vorfeld von der AfD gegeben: "Dem Kommunismus, der so viel Leid über viele Völker gebracht hat, sollte kein Denkmal gesetzt werden", hieß es vom Bundesvorsitzenden Alexander Gauland. Er bezog sich damit auf das neue Marx-Denkmal in Trier.

Auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte sich dazu kritisch geäußert. "Wenn man sich die Gesamtwirkung von Marx auf die Geschichte der Menschheit anschaut, besteht zum fröhlichen Feiern kein Anlass", schrieb sie in einem Gastbeitrag für die "Rheinische Post". Seine Ideologie und die Wirkung seines Denkens würden aus ihrer Sicht "jetzt wieder zu stark verklärt".

200. Geburtstag von Karl Marx
tagesschau 20:00 Uhr, 05.05.2018, Stephan Elbmeyer, SWR

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