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Zum Auftakt des Filmfestivals am Lido spricht man vor allem über zwei Dinge: Eine wenig ansehnliche Baugrube und Hollywoods Sunnyboy Clooney. Der Mann, der dieses Jahr das Festival eröffnete, spielt in seinem neuen Film einen Präsidentschaftskandidaten. Eine Idee fürs echte Leben?
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Es ist angerichtet, der rote Teppich ist ausgerollt. Alles wäre wunderbar in Venedig, wenn es da nicht dieses Riesenloch direkt am Lido, an der Strandpromenade gäbe. Eine hässliche Baugrube mitten in der Welt der Schönen und Schaulustigen. Hier sollte eigentlich schon in diesem Jahr der neue Filmpalast stehen. Doch der Bau wurde gestoppt, weil man Asbest gefunden hatte. Und Biennale-Präsident Paolo Baratta muss nun auf die Vorzüge des alten "Palazzo del Cinema" verweisen.
"Wir haben den großen Kinosaal renoviert im Geist des Jahres 1937", erzählt Baratta. "Wir sind das älteste Filmfestival der Welt, und haben als einziges Festival immer noch unser erstes Gebäude. Es wurde am 6. August 1937 eingeweiht, mit dem Film 'Shall We Dance', in den Hauptrollen Ginger Rogers und Fred Astaire."
Es gibt Dinge, die ändern sich nicht. Auch in diesem Jahr sind es die großen Namen vor allem aus Hollywood, die dem Festival seinen Glanz verleihen. Das beginnt beim Vorsitzenden der Jury in Venedig, dem Filmemacher Darren Aronofsky. "Allein ein Blick auf die Namen der Filmemacher und die Titel zeigt: Das ist ein sehr aufregendes Jahr. Ich kann mich nicht an eine solche Liste von Filmen erinnern. Dass wir uns all diese Filme anschauen dürfen, ist ein großes Privileg und ein echter Thrill", sagt Aronofsky.
Im letzten Jahr durfte Aronofsky mit "Black Swan" das Festival eröffnen. Diesmal war ein anderer an der Reihe, der Mann, auf den Venedig seit Tagen wartete und der gestern zum ersten Mal in der Lagunenstadt gesichtet wurde - wie sollte es anders sein: George Clooney lässig an Bord eines Motorboots.
Heute präsentierte sich Clooney der Presse und war zu Scherzen aufgelegt. Wie er denn die Schauspieler für seinen neuesten Streifen gefunden habe, wurde er gefragt: "Ich habe ein paar kompromittierende Fotos von ihnen. Also habe ich sie gezwungen."
[Bildunterschrift: Wechselt der Mann demnächst in die Politik? ]
Nein, man muss wohl kaum einen Schauspieler zwingen, mit George Clooney einen Film zu drehen. Der Mann garantiert Erfolg. Und er macht andere groß. In den "Iden des März", die in Venedig Premiere haben, spielt der junge Ryan Gosling die Hauptrolle, er ist der Berater eines amerikanischen Präsidentschaftskandidaten und entdeckt nach und nach die schmutzigen Geschichten hinter der perfekten Fassade. Gespielt wird der Kandidat von Clooney selbst, und zwar so überzeugend, dass man fürchten muss: Der Mann wechselt demnächst in die Politik!
"Da ist doch gerade einer im Weißen Haus, der smarter ist als jeder, den wir kennen, der netter ist und mehr Leidenschaft hat als jeder andere. Warum sollte irgendjemand diesen Job anstreben", sagt Clooney selbst dazu. "Ich habe eine wirklich schöne Arbeit. Ich kann hier mit netten Typen abhängen. Also ich habe kein Interesse."
Das ist die Nachricht des Tages aus Venedig: George Clooney will Barack Obama keine Konkurrenz machen. Vielleicht gibt er sich ja mit dem Goldenen Löwen zufrieden. Der wird in zehn Tagen für den besten Film verliehen. Neben Clooneys "Iden des März" konkurrieren noch 22 weitere Produktionen um den begehrten Preis.
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