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[Bildunterschrift: "Herdprämie" diffamiert nach Ansicht der "Unwort"-Jury viele Eltern. ]
Das Unwort das Jahres 2007 lautet "Herdprämie". Das gab die Jury um den Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser in Frankfurt am Main bekannt. "Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen." Wer der Urheber des Wortes ist, lässt sich laut Schlosser nicht mehr nachvollziehen. Dem Frankfurter Sprachexperten zufolge gibt es inzwischen ein ganzes Wortfeld, das die Diffamierungsabsicht ebenfalls deutlich werden lasse. Hierzu gehörten die Varianten "Aufzuchtprämie", "Gluckengehalt" und "Schnapsgeld".
Auf Platz zwei ihrer "Unwort"-Liste setzte die Jury "klimaneutral". Der Begriff verschleiere den Versuch, den CO2-Ausstoß zu steigern, sagte Schlosser. Einen aus der NS-Zeit belasteten Begriff setzte die Jury auch auf ihre Unwort-Liste: "Entartet" belegt Platz drei. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte davon gesprochen, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt werde, erstarre der Kultus im Ritualismus "und die Kultur entartet." "Entartete Kunst" war von den Nationalsozialisten benutzt worden, um missliebige Künstler und ihre Werke zu diffamieren.
Die "Unwort"-Jury: Die Entscheidung trifft eine unabhängige Jury mit vier ständigen und zwei jährlich wechselnden Mitgliedern, bei denen es sich um "Vertreter der öffentlichen Sprachpraxis" handelt. Die ständigen Mitglieder sind die Sprachwissenschaftler Nina Janich (Darmstadt), Margot Heinemann (Zittau), Martin Wengeler (Düsseldorf) und Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a. M.). Zwei weitere Jurorensitze werden jährlich neu mit Vertretern der öffentlichen Sprachpraxis besetzt.Ausgewählt hatten die Juroren aus 1760 verschiedenen Vorschlägen. 968 Begriffe waren in der engeren Wahl der Jury geblieben. Unter den Vorschlägen waren nach Angaben des Gremiums neben Dieter Bohlens Äußerung über das "epileptische Singen" eines Kandidaten in der Show "Deutschland sucht den Superstar" auch einige Begriffe zur aktuellen politischen Diskussion über mehr Überwachung, darunter "Bundestrojaner" und "Vorratsdatenspeicherung".
[Bildunterschrift: Unwort des Jahres: Was war der größte sprachliche Missgriff 2007? ]
"Vorratsdatenspeicherung" und "Bundestrojaner" waren die Favoriten der tagesschau.de-Leser. In einer Umfrage stimmten 23 Prozent für die Massenspeicherung sämtlicher Daten der elektronischen Kommunikation. 15 Prozent wollten dem Begriff für das heimliche Ausspähen heimischer Computerfestplatten durch den Staat den Titel "Unwort des Jahres" verleihen. Ebenso viele Leser waren für das Wort "Verschmutzungsrechte". Die Wahl der "Unwort"-Jury lag in der tagesschau.de-Umfrage mit zwölf Prozent an vierter Stelle.
Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 bestimmt. Hervorgehoben werden damit "sprachliche Missgriffe" aus dem öffentlichen Leben, die im zurückliegenden Jahr besonders negativ aufgefallen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen. Unwort des Jahres 2006 war "freiwillige Ausreise".
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