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Der "böseste Mann des Planeten" erzählt
Mike Tyson - vom Boxring an den Broadway
Der Ex-Boxchampion Mike Tyson spielt sich selbst am Broadway: Unter der Regie von US-Regisseur Spike Lee tritt er in der Ein-Mann-Show "Mike Tyson: Undisputed Truth" auf. Auf der Bühne arbeitet Tyson seine Drogenprobleme, persönliche und berufliche Krisen auf, um sich finanziell zu sanieren.
Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York
Es ist eine Veranstaltung für den etwas eigenwilligen Geschmack: Wer schon immer mal einen wahrhaftigen Schwerverbrecher, einen Vergewaltiger, Junkie und Bankrotteur mit mehrjähriger Knast-Erfahrung aus nächster Nähe sehen wollte, der findet in Mike Tyson die passende Gesellschaft: Die Mutter Prostituierte, der Vater Zuhälter, sein Zuhause der Strich - Tyson kokettiert mit seinem Bad-Boy-Image, seinem Leben im Milieu, von dem er sich auch im besseren Teil seiner 46 Lebensjahre nie wirklich ganz entfernt hatte.
Und wenn ihn Regisseur Spike Lee im adretten weißen Dinner Jackett zu seiner Selbstdarstellungs-Show auf die Bühne schickt, will Tyson auch dadurch keine Missverständnisse aufkommen lassen: "Ich bin immer noch ein Tier, Leute, ich habe mich nur nett angezogen", ruft er ins Publikum. Er wolle erzählen, wo er herkomme und wie alles passiert ist, sagt er dann.
Mike Tysons "Unbestrittene Wahrheit"
T. Schmidt, WDR New York
31.07.2012 13:29 Uhr
Von ganz unten nach ganz unten
Die Fakten sind bekannt: Ein Kleinkrimineller mit stattlichem Sündenregister schafft als 20-Jähriger eine kleine Sensation: Als Tyson am 2. August 1986 Trevor Berbick in der zweiten Runde K.o. schlägt, ist er jüngster Schwergewichtsweltmeister der Boxgeschichte, ein Jahr später trägt er den Champion-Titel aller drei großen Profi-Boxverbände.
Aber statt in den Olymp der wohlhabenden US-Sport-Ikonen aufzusteigen, bleibt Tyson in der Unterwelt: Er prügelt sich auf einer Pressekonferenz mit dem Konkurrenten Lennox Lewis, er wird wegen Vergewaltigung schuldig gesprochen und muss eine dreijährige Gefängnisstrafe absitzen. Suff, Koks und käufliche Liebe sind seine ständigen Begleiter, zwei Ehen gegen zu Bruch, 2003 stellt ein Gericht in Manhattan den Bankrott des vorübergehenden Superstars fest.
Wer würde da auch widersprechen wollen?
Regisseur Lee verspricht eine großartige amerikanische Story. Es war seine Idee, Tyson an den Broadway zu holen, ein mutiger Schritt: Die Show war im April an sechs Abenden in Las Vegas ohne ein einstimmig positives Urteil der Kritik über die Bühne gegangen. Im Ring galt Tyson als Grobmotoriker, als Darsteller kann man von ihm keine filigrane Charakterstudie erwarten. Er erzählt seine Geschichte, so wie er sie verstanden wissen will. Und damit er nicht den Faden verliert, sind auf der Bühne dezent Monitore verteilt, auf denen sein Text zum Ablesen mitläuft.
Raus aus den Schulden
Shakespeare sei es nicht, sondern etwas ganz anderes, sagt Spike Lee. Aber was es ist, erklärt er nicht. Mike Tyson ist da etwas präziser: Er werde eine verdammt gute Show abliefern, und zwar mit einem klaren Ziel: "Ich versuche, Geld zu machen um aus dem Schulden rauszukommen, oder so", sagt Tyson. Wer ihm dabei helfen will - und die Show ist nicht ausverkauft - muss tief in die Tasche greifen: Gute Plätze kosten knapp 200 Dollar (163 Euro). Wer nach der Show noch zu einem Plausch mit Tyson vorgelassen werden will, muss 300 Dollar (243 Euro) zahlen.
Dafür hat man dann auch die Gelegenheit, noch mal nachzufragen. Etwa, wie es war, als Tyson seinem Gegner Evander Holyfield 1997 im Kampf einen Teil des rechten Ohres abgebissen hatte. Es ist schließlich eine Veranstaltung für den etwas eigenwilligen Geschmack.
Stand: 31.07.2012 11:46 Uhr
