Bücher liegen in einem Buchladen in San Francisco | Bildquelle: Maiken Nielsen

San Francisco feiert Der "Summer of Love" wird 50

Stand: 26.05.2017 11:00 Uhr

Vor 50 Jahren feierten Hunderttausende Hippies in San Francisco den "Summer of Love". Auf der Suche nach dem Feeling von damals strömen derzeit Tausende in die Stadt - viele von ihnen ohne Geld und feste Bleibe.

Von Maiken Nielsen, tagesschau.de, zzt. San Francisco

Das hügelige Haight Ashbury ist von der Spitze bis zum Fuß auf Liebe eingestellt. Auf dem Pflaster prangen Herzen, "Love" schreit es in riesigen Lettern von den Hausfassaden und selbst der Burger-Laden in dem Stadtteil von San Francisco ist mit Hippie-Symbolen verziert. Die Geschäfte im Viertel sind voll mit Büchern, die zum 50. Jubiläum des "Summer of Love" erschienen sind.

Doch für all das hat Core keinen Blick übrig. Der junge New Yorker ist mit seinem Hund nach San Francisco getrampt, um das Liebessommer-Jubiläum mit Gleichgesinnten zu erleben. Mit Selvin, der "technisch aus Kanada" stammt und einen prächtigen Piratenhut trägt, hat er sich zusammengeschlossen, denn allein auf den Straßen von San Francisco zu schlafen, ist ihm zu gefährlich.

Core ist mit seinem Hund nach San Francisco getrampt | Bildquelle: Maiken Nielsen
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Core ist mit seinem Hund nach San Francisco getrampt, um das Gefühl von 1967 nachzuempfinden.

Fassade eines Burger Ladens in San Francisco | Bildquelle: Maiken Nielsen
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Selbst der Burger-Laden in Haight Ashbury ist hippie-artig geschmückt.

"1967 war ein großartiges Jahr", lacht Core. "Glaube ich zumindest, ich war da noch nicht auf der Welt." Core und Selvin gehören zu den gut 6500 Menschen, die in der Stadt derzeit ohne feste Bleibe sind. Damit gehört San Francisco zu den zehn amerikanischen Städten mit den meisten Obdachlosen. Jetzt, da die Stadt am Pazifik die Ereignisse vom Sommer 1967 mit zahlreichen Veranstaltungen feiert, sind es mehr denn je.

Anwohner sind kritisch

"Wir haben einfach zu viele Obdachlose", schimpft Tan. Der chinesischstämmige Uber-Fahrer ärgert sich, weil ihm immer wieder jemand, der nicht Herr seiner Sinne zu sein scheint, vor das Auto läuft. "Die Stadt ist viel zu liberal, die lassen jeden rein!"

Ausstellung zum ''Summer of Love'' in San Francisco | Bildquelle: Maiken Nielsen
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Museen zeigen viele Original-Exponate von damals.

Tatsächlich beschwerten sich die Bewohner San Franciscos vor 50 Jahren über exakt dasselbe Phänomen. Als die etwa 200 Hippies, die rund um die Straßen Haight und Ashbury lebten, im Sommer 1967 spontan Feste und Konzerte im nahe gelegenen Golden Gate Park feierten, strömten 100.000 Menschen aus San Francisco und den umliegenden Ortschaften hinzu. Die meisten brachten ihre Schlafsäcke mit und schliefen an Ort und Stelle, wochenlang.

"Wir waren der Anfang einer neuen Zeit"

"Es war so verrückt", strahlt Jim, der die Ausstellung "The Summer of Love Experience" im De Young Museum besucht. Er steht in einem Raum, durch den bunte Lichter zucken. Musik von Jefferson Airplane dröhnt durch die Lautsprecher. "Ich war damals noch Schüler, aber es waren ja Sommerferien, und wir gingen jeden Tag in den Park. Timothy Leary verteilte LSD, das war damals noch legal in Amerika. Jeder sprach und tanzte mit jedem. Es war uns damals nicht bewusst, aber wir waren der Anfang einer neuen Zeit."

Ein paar Meter weiter steht Barbara und blickt mit großen Augen auf ein Plattencover von The Grateful Dead. "Ich habe das damals gar nicht so richtig mitbekommen", sagt sie. "Bill und ich waren schon 31, wir hatten nur unsere kleine Familie im Sinn." "Und wir hatten Angst vor dem Kommunismus", ergänzt Bill und hebt die Schultern. "Es waren eben die Sechziger."

Barbara und Bill besuchen eine Ausstellung zum ''Summer of Love'' in San Francisco | Bildquelle: Maiken Nielsen
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Barbara und Bill besuchen eine Ausstellung zum ''Summer of Love'' - den sie damals selbst miterlebten.

"Aber dann passierte etwas, das meine Meinung verändert hat",  sagt Barbara. "Ich habe meinen Kindern immer gesagt, dass sie zu Polizisten gehen sollen, wenn sie ein Problem haben, denn die sind die Guten. Aber im Sommer 1967 haben Polizisten Tränengas gegen die Hippies eingesetzt. Und dann wusste ich nicht mehr, was ich meinen Kindern sagen sollte, denn das fand ich nicht okay."

Ob er sich nach jenem Sommer zurücksehnen würde, frage ich Bill. Nach der Musik, dem großen Gemeinschaftsgefühl. "Nein", sagt er. "Ich mochte das Amerika der Sechziger nicht besonders. Es war so konservativ."

Damals wie heute - Menschen schlafen im Golden Gate Park

Die Sonne strahlt auf den Rasen des Golden Gate Parks. Im National Aids Memorial Grove, der 28.000 Quadratmeter großen Fläche zu Ehren von San Franciscos Aids-Toten, begeht eine Gruppe von Menschen eine Trauerfeier. Überall im Park versammeln sich Gruppen von jungen Menschen mit Schlafsäcken. Niemand trägt Blumen im Haar.

Wo sie heute Nacht schlafen werden, frage ich Core und Selvin. Core streichelt seinem Hund über den Kopf. "Man wird sehen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. April 2017 um 23:41 Uhr.

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