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Der Film-, Theater- und Opernregisseur Christoph Schlingensief ist seinen Krebsleiden erlegen. Das bestätigten ein Sprecher der Ruhr-Triennale in Gelsenkirchen und die Ehefrau des Künstlers. Schlingensief wäre im Oktober 50 Jahre alt geworden. Er galt als einer der innovativsten, wichtigsten und umstrittensten Vertreter des deutschsprachigen Kulturbetriebs.
Schlingensief setzte sich auch künstlerisch mit seiner Lungenkrebserkrankung auseinander, etwa mit seinen letzten Inszenierungen "Mea Culpa", "Kirche der Angst" oder "Sterben lernen".
Zu einem Eklat kam es bei der Documenta 1997, als Schlingensief das Plakat "Tötet Helmut Kohl!" präsentierte. Er mischte auch selbst in der Politik mit: 1998 trat er mit seiner Partei "Chance 2000" zur Bundestagswahl an und machte mit Aktionen wie "Anti-Kanzler-Baden" am Wolfgangsee in Österreich, dem Urlaubsort des damaligen Kanzlers Helmut Kohl, auf sich aufmerksam. Ziel war es, mit Getreuen den Wolfgangsee zum Überlaufen zu bringen.
Mit der Aktion "Ausländer raus - Bitte liebt Österreich" vor dem Wiener Opernhaus sorgte er ebenfalls für Schlagzeilen. In Anlehnung an "Big-Brother" waren in Baucontainern Asylbewerber untergebracht. Der Sieger bekam die Option, durch Heirat österreichischer Staatsbürger zu werden.
Schlingensief hat wie nur wenige die deutschsprachige Film- und Theaterwelt beeinflusst. In den 90er-Jahren gehörte er zu Frank Castorfs Hausregisseuren an der Berliner Volksbühne. Bekannt wurde Schlingensief vor allem mit seinen frühen Filmen "Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990), "Terror 2000 - Intensivstation Deutschland" (1992) und der TV-"Talkshow 2000" sowie mit seinen Theaterinszenierungen, Kunstperformances und Installationen wie "100 Jahre CDU", "Rocky Dutschke '68", "Passion Impossible - 7 Tage Notruf für Deutschland" (in Hamburg), und "Hamlet" in Zürich. Zusammengerechnet habe er knapp 80 Theaterstücke und Aktionen geschaffen, sagte Schlingensief Anfang Januar - Filme und Installationen, Objekte, Bilder und Skulpturen nicht mitgerechnet.
Spektakuläres Debüt in Bayreuth
Von 2004 bis 2007 gab er sein spektakuläres Debüt als Opernregisseur bei den Bayreuther Festspielen mit Richard Wagners "Parsifal". Im Mai 2010 inszenierte er das Opernprojekt "Via Intolleranza II" nach Luigi Nono in Brüssel und anderen Orten. Zudem gehörte der Regisseur 2009 auch zur Jury der Internationalen Filmfestspiele in Berlin.
Zuletzt hatte Schlingensiefs überraschende Berufung zur künstlerischen Gestaltung des deutschen Pavillons bei der Biennale in Venedig 2011 Aufsehen erregt. An der Pressekonferenz zur Vorstellung seiner Pläne hatte er Anfang Juli in Frankfurt am Main aber krankheitsbedingt nicht teilnehmen können. Auch eine Produktion für die Ruhr-Triennale musste der Regisseur im Sommer 2010 absagen. In einem Brief an sein Team nannte er als Begründung "neue Befunde" in seinem Krankheitsfall.
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