Porträt von Hugh Hefner Der Mann, der den "Playboy" gründete

Stand: 01.12.2013 04:55 Uhr

Vor 60 Jahren erschien in den USA die erste Ausgabe des "Playboy". Das Männermagazin löste heftige Diskussionen aus. Sein Erfinder Hugh Hefner bezeichnet sich als Vorreiter der sexuellen Revolution. Inzwischen sieht er aber lieber fern.

Von Stephan Lochner, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Braungebrannt, in Pyjama und rotem Seiden-Bademantel und auch im Alter von 86 noch immer mit mindestens einer halbnackten Blondine im Arm: "Playboy"-Gründer und Häschen-Erfinder Hugh Hefner präsentiert sich gerne als der vielleicht letzte seiner Art. Er, der mit mehr als tausend Frauen geschlafen haben will und heute Viagra einwirft wie andere Lutschbonbons.

Hugh Hefner, Erfinder des Playboy
galerie

Viagra statt Lutschbonbons. Auch mit 86 Jahren lebt Hefner noch das Leben eines "Playboys". Zumindest manchmal.

Hefner hält sich für einen Revolutionär

Doch so leidenschaftlich er das Klischee bedient, so sehr findet er, dass die Öffentlichkeit ein eindimensionales Bild von ihm hat. Er hält sich für einen Revolutionär, der Amerika Freiheit gebracht hat: "Vor dem 'Playboy' war alles außer Geschlechtsverkehr in der Ehe illegal. Homosexualität und jede homosexuelle Handlung war illegal. Viele Leute, vor allem junge Leute, können sich gar nicht vorstellen, wie das Leben damals war."

Hefner sieht sich nicht nur als Vorreiter der sexuellen Revolution, sondern als Bürgerrechtler, der Homophobie und Rassismus bekämpft und die Gesellschaft mit umgekrempelt hat. Und er ist stolz darauf. Dass er schon früh die Lust entwickelte, anzuecken und Tabus zu brechen, das führt er auf seine Kindheit in Chicago zurück. Darauf, dass er als Sohn streng gläubiger Methodisten praktisch nichts durfte.

Vertriebsleiter einer Kinderzeitschrift

Dabei hat der "Playboy"-Erfinder zunächst einen geradezu spießbürgerlichen Weg eingeschlagen: mit Familie, zwei Kindern und einer Stelle als Vertriebsleiter bei einer Kinderzeitschrift. Bis es irgendwann "Klick" machte und er sich fragte, ob sein Leben eine Neuauflage des Lebens seiner Eltern werden würde, wie er in der preisgekrönten Dokumentation "Playboy, Aktivist und Rebell" erzählt.

Anfang der 1950er-Jahre war das. Und Hefner begann, neben seinem Job an seinem eigentlichen Traum zu arbeiten: einem Männermagazin. Der Rest ist Geschichte. Am 1. Dezember 1953 kam die erste Ausgabe des Playboy auf den Markt. Mit einem Nacktbild von Marylin Monroe. Kirchen und konservative Politiker verurteilten das Magazin als genauso gefährlich wie den Sozialismus.

Hefner mit seinen "Häschen" 1964
galerie

Umringt von schönen Frauen gefiel er sich schon immer. Hugh Hefner auf einer Aufnahme von 1964.

Fernsehen und dann einschlafen

Bis heute ist der "Playboy" umstritten. Hefner findet, er habe gezeigt, dass auch Frauen Spaß am Sex haben können und ihnen damit einen Dienst erwiesen. Kritiker wie die Feministin Susan Brownmiller halten dagegen: "Der 'Playboy' hat nicht etwa Frauen angesprochen. Frauen sind im 'Playboy' benutzt worden - für die Masturbationsphantasien von Männern. Ich kann nicht erkennen, wie irgendeine Frau befreit worden wäre."

Hefner tritt in letzter Zeit nur noch selten öffentlich auf. Er bleibt am liebsten in seiner "Playboy Mansion" in Los Angeles, legt Wert auf das pünktliche Abendessen um sechs und guckt dann meist nur noch fern, um auf dem Sofa einzuschlafen.

Darüber hat sich jüngst seine 60 Jahre jüngere Ehefrau Chrystal Harris beschwert, die sich reichlich gelangweilt fühlt. Harris hat Hefner erst vor elf Monaten geheiratet. Aus Liebe, wie sie betont, und nicht wegen des Geldes. Klingt ähnlich wie die vielen Männer, die den "Playboy" nur wegen der Interviews kaufen.

Dieser Beitrag lief am 1. Dezember 2013 um 17:19 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

Darstellung: