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Einschränkungen bei Times-Picayune in New Orleans

Eine Stadt kämpft für ihre Tageszeitung

New Orleans mit seinen etwa 344.000 Einwohnern wird bald die größte US-Stadt ohne regionale Tageszeitung sein. Die preisgekrönte Times-Picayune erscheint ab Herbst nur noch dreimal pro Woche in Papierform. Wer täglich informiert werden will, soll sie online lesen. Viele Bürger sind entrüstet.

Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington

Kermit Ruffins besingt seine Liebe zur Times-Picayune, seit 175 Jahren die große Regionalzeitung von New Orleans. Der 48-Jährige Musiker hat sich einer Bürgerinitiative in seinem Heimatort angeschlossen, die nur ein Ziel hat: Das tägliche Erscheinen der Times-Picayune muss sichergestellt werden.

New Orleans kämpft um Tageszeitung "Times Picayune"
Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington
24.06.2012 03:52 Uhr

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Doch die Chancen hierfür stehen nicht gut. Kürzlich verkündeten der neue Verleger und sein Chefredakteur, dass man in Zukunft vor allem auf digitale Angebote setze. Aus diesem Grund werde es die Times-Picayune ab dem Herbst nur noch dreimal die Woche geben anstatt wie bisher siebenmal. Die schlechte Nachricht musste Chefredakteur Jim Amoss per Video-Botschaft verkünden - auf dem Online-Portal der Zeitung: "In Zukunft werden unsere Leser die Produkte unsere Reporter, Redakteure, Graphiker und Photographen auf dem Computer, auf Tabloids und Smartphones lesen können - und außerdem wird es dreimal in der Woche auch noch eine Zeitungsausgabe geben."

Wichtige Informationsquelle

Schon seit Monaten gab es Gerüchte, dass der Verlag die Times-Picayune zu einem Nebenprodukt abschmelzen werde. Doch seit vergangener Woche ist es amtlich. Die Einwohner von New Orleans sind entsetzt. Sie waren immer so stolz auf ihre Zeitung, die viele Preise gewonnen hat. Debby Pigman engagiert sich in der Bürgerinitiative für die Beibehaltung einer täglichen Ausgabe: "Speziell nach dem Hurrikan 'Katrina' war die Times-Picayune so wichtig für uns. Sie hat über alles berichtet, auch über die Skandale und über das, was nicht so gut gelaufen ist", so Pigman.

Für ihre engagierte Berichterstattung im Zusammenhang mit dem verheerenden Hurrikan hat das Blatt sogar die wichtigste Auszeichnung für amerikanische Zeitungen bekommen: den Pulitzer-Preis.

Zeitung "Times-Picayune"
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Für viele Menschen in New Orleans ist die "Times-Picayune" eine wichtige Informationsquelle - auch bei Katastrophen wie Hurrikans.

"Ein wirklich schlechtes Signal"

Die jetzige Reduzierung des Angebotes trifft New Orleans an einer empfindlichen Stelle. "Wir haben 'Katrina' endlich hinter uns gelassen. Die Geschäfte gehen wieder gut. Im Sport sind wir erfolgreich, haben mit den Saints sogar den Super Bowl gewonnen. Endlich sind wir wieder eine richtig große Stadt. Und wenn wir jetzt unsere Tageszeitung verlieren würden, wäre das ein wirklich schlechtes Signal", sagt der ehemalige Senator aus New Orleans, Lambert Boissiere.

Verlag verweist auf sinkende Verkaufszahlen

Doch der Verlag scheint sich nicht umstimmen zu lassen. Realität sei nun einmal, dass es immer weniger Zeitungsleser und immer weniger Anzeigen geben würde. Die Umsätze der Times-Picayune seien noch vor zehn Jahren doppelt so hoch gewesen, so Chefredakteur Amoss: "Wenn Sie morgen früh hier in New Orleans in ein Café gehen, dann wird Ihnen auffallen, wie viele Gäste inzwischen den Computer oder Tabloids benutzen." Noch vor drei Jahren hatten viele dieser Leute eine Ausgabe der Times-Picayune in der Hand, hat der Chefredakteur beobachtet.

Doch wer kann aufs Internet umsteigen?

Protest für die Times-Picayune
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Protest für den Erhalt der Tageszeitung in Papierform

Doch dieses Argument überzeugt die Mitglieder der Bürgerinitiative nicht: Eine Umfrage hat ergeben, dass 40 Prozent der Einwohner der Stadt keinen Internetzugang haben. Viele können sich einfach keinen Computer leisten. Andere, vor allem Ältere, wollen sich nicht mehr umstellen. Aus diesem Grund kämpft eine große Koalition von Bürgern weiter für das tägliche Erscheinen der Times-Picayune. Reporter Paul Murphy berichtet seit Wochen für den Fernsehsender WWLTV über den Zeitungskampf: "Es ist ganz offensichtlich, dass die neuen Eigentümer der Times-Picayune unterschätzt haben, wie sehr sich die Menschen gegen die Umstellung wehren. Die Leser sind bereit, der Zeitung zu helfen. Sie haben angeboten, für den Verlag neue Abonnenten und auch neue Anzeigenkunden zu suchen. Aber wenn der Verlag an seinem Kurs stur festhalten sollte, dann denken die Menschen hier auch über einen Boykott der Verlagsangebote nach."

Der Zeitungskampf von New Orleans. Eigentlich sollte ein Verlag stolz sein auf solche Leser.

Stand: 24.06.2012 02:46 Uhr

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