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Der Schauspieler Ulrich Mühe ist tot. Der 54-Jährige starb am Sonntag in seinem Heimatort Walbeck in Sachsen-Anhalt, wie seine Familie mitteilte. Er wurde bereits beigesetzt. Mühe litt an Magenkrebs. Er spielte die Hauptrolle in dem Oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen". Ein Nachruf.
Von Bernd Dreiocker, RBB-Hörfunk, Berlin
Der Osten hat wenige Stars hervorgebracht. Ulrich Mühe war einer. Schon in den 80er-Jahren im Ensemble des Deutschen Theaters, als er den Osvald in Ibsens "Gespenstern" spielte, die Titelrolle in Goethes "Egmont" oder den Patriarchen in Lessings "Nathan".
Die Kritiker bewunderten einhellig seine stark körperlich orientierte Spielweise. Mühe führte das auf "eine Entdeckung während des Schauspielschulzeit" zurück. Damals sei er "darauf zurückgeworfen" gewesen, "sich mit dem eigenen Körper zu beschäftigen. Damit, welche Muskeln sich bewegen, wenn ich einen Arm bewege. Ich habe dann sehr nach dem körperlichen Ausdruck auf der Bühne gesucht."
[Bildunterschrift: Ulrich Mühe ]
Geboren wurde Ulrich Mühe 1953 im sächsischen Grimma. Dass er ans Theater wollte, wusste er schon als Jugendlicher. Nach dem Abitur und einer Lehre als Baufacharbeiter studierte er an der Theaterhochschule "Hans Otto" in Leipzig. Der Dramatiker Heiner Müller holte ihn 1982 für seine legendäre Macbeth-Inszenierung an die Ostberliner Volksbühne. Später folgten die "Lohndrücker" und das "Hamlet"-Projekt. Mühe blieb Heiner Müller bis zu dessen Tod eng verbunden und bemühte sich danach auch als Regisseur um Müllers Werk.
Schon als junger Schauspieler - "da wusste ich noch gar nicht, dass Heiner Müller in der DDR lebt" - habe er die ersten Gedichte von ihm gelesen "und war fasziniert von der Sprache, von dieser Komprimierung von Gefühl, Situation, Geschichte. Das hat mich eigentlich mein ganzes Schauspielerdasein berührt und angeregt und aufgeregt."
Im Film war der Schauspieler Mühe vor allem das sensible, schöne, ausdrucksstarke Gesicht. Hier spielten die Augen. Unvergesslich sein Hölderlin in dem Film "Hälfte des Lebens" an der Seite seiner späteren Ehefrau Jenny Gröllmann. Die beiden waren ein Traumpaar der DDR-Filmgesellschaft Defa.
Der internationale Durchbruch gelang Mühe 1986 in dem Film "Das Spinnennetz" von Bernhard Wicki. Hier setzte er sich neben Stars wie Klaus Maria Brandauer und Armin Müller-Stahl durch.
Der in Ost und West gefeierte Mühe engagierte sich in der Zeit des politischen Umbruchs in der DDR 1989 neben anderen Schauspielern als Vortragender und als Redner. Beifall und Jubel löste in der Wendezeit dieser Satz Mühes aus: "Der Führungsanspruch einer Partei darf nicht durch Gesetz verordnet werden."
Nach der Wende löste sich Mühe vom Deutschen Theater in Berlin, gastierte in Salzburg, Wien und Hamburg, bevor er mit seiner zweiten Ehefrau, der Kollegin Susanne Lothar, nach Berlin zurückkehrte. In der ZDF-Krimiserie "Der letzte Zeuge" spielte er die Hauptrolle eines Gerichtsmediziners und wurde damit einem Millionenpublikum bekannt. Ebenso mit dem Oscar-gekrönten Spielfilm "Das Leben der Anderen".
Die Theaterarbeit, die sein Schauspielerleben geprägt hatte, trat dahinter zurück, auch sein Verständnis als politisch engagierter Künstler: "Natürlich ist es in der Diktatur für einen Künstler viel spannender - sofern man nicht gerade festgenommen wird. Weil man tagtäglich damit beschäftigt ist, Kassiber zu organisieren und sie an den Mann zu bringen." Es sei für den Künstler auf der Bühne "natürlich auch was sehr Befriedigendes, wenn man weiß, man ist da oben ganz wichtig für die da unten, für das Publikum."
Mühe beklagte den Bedeutungsverlust des Theaters. Film und Fernsehen boten ihm dafür keinen Ersatz. Auch als Theaterbesucher zog er sich zurück. "Es gibt von dem Philosophen Roland Barthes einen Satz: Ich habe das Theater geliebt, trotzdem gehe ich immer weniger hin. Das trifft auch für mich zu. Ich mag kein schlechtes Theater sehen, das halt ich nicht aus."
Ulrich Mühe ist am Mittwoch auf eigenen Wunsch im engsten Kreis seiner Familie beigesetzt worden.
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