David Letterman | Bildquelle: REUTERS

Ex-König des Late-Nights David Letterman wird 70

Stand: 12.04.2017 03:09 Uhr

Wie kaum ein anderer Moderator hat David Letterman Jahrzehnte lang den späten Fernsehabend in den USA geprägt, bis er sich vor zwei Jahren in den Ruhestand verabschiedete. Jetzt wurde er 70 und vermisst seine Talkshow nicht - obwohl es aktuell mehr als genug Themen gibt.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Ein Mann steht auf der Bühne - und kommt erst einmal nicht zu Wort, so sehr lieben sie ihn. Er trägt einen langen weißen Rauschebart, der jedem Nikolaus-Darsteller Ehre machen würde. Er vertritt Neil Young - denn eigentlich hätte der die Uralt-Rocker Pearl Jam in die Rock’n’Roll Hall of Fame einführen sollen. Aber Neil Young, der arme Kerl, schaffe es ja nicht mehr, so lange wach zu bleiben.

Freitag, vergangene Woche. Es ist einer der viel zu seltenen Auftritte von David Letterman, seitdem er, der Meister der Eloquenz, der Attacke und der Improvisation vor zwei Jahren in den Meister-Ruhestand gegangen ist - den der Late-Night-Talkmaster.

David Letterman | Bildquelle: REUTERS
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David Letterman ehrte die Rocker von Pearl Jam - einer seiner wenigen Auftritte seit seinem Abschied von seiner Show.

"33 Jahre lang durfte ich jede Nacht das Geschenk und den Segen von Live-Musik erleben", sagt er. Gemeint ist natürlich seine Show-Band unter Leitung von Paul Shaffer, gemeint sind aber auch die zahllosen Superstars - von Johnny Cash über Bob Dylan bis hin zu A Tribe called quest.

Auch Trump war da

Er hatte sie alle - auch diesen Mann, lange vor dem Weißen Haus: Donald Trump. Trump und China - nicht eben eine Liebeshochzeit, das war auch schon vor fünf Jahren als Gast in Lettermans Show so. Beide reden über eben dieses China, das den USA die Arbeitsplätze stehle - so sieht es Trump, weil es pfiffiger sei und die amerikanischen Politiker über den Tisch ziehe. Letterman - noch ganz ohne Rauschebart - hält Kleidung aus Trumps eigener Modelinie in die Kamera. Man wähnt sich schon im Teleshopping. Aber nicht lange.

David Letterman | Bildquelle: AFP
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Heute kaum wiederzuerkennen: David Letterman vor zwei Jahren bei seiner letzten Late-Night-Show.

Die Hemden: aus Bangladesh. Die Krawatten: aus China. Trump: bloßgestellt. So geht Late Night Fernsehen. Vermisst er es, fragt ihn vergangenes Jahr NBCs Tom Brokaw. Kurze Antwort: "No!" Aber es geht auch ausführlicher. "Ich dachte, es würde mir auf jeden Fall fehlen. Aber als Stephen Colbert dann seine erste Show ausstrahlte, da verließ mich eine Energie - und ich dachte, das ist jetzt nicht mehr mein Problem."

"Late-Night-Fernsehen ist mir total egal"

Mangelnde Energie? Den Eindruck hat man allerdings nicht in der Rock'n'Roll Hall of Fame. Mangelnde Themen? Sicher auch nicht in den Zeiten von "America First!". Dem Online-Magazin "Vulture" sagt Letterman, wenn er noch eine Show hätte, würde man ihn von der Bühne zerren und sagen: "Komm, das reicht jetzt mit Trump."

Aber: Es ist anders gekommen. "Ich habe so viel Zeit verbraucht - zum Schaden anderer Dinge in meinem Leben. Konzentriert, ausgerichtet immer auf das eine - es ist gut, es jetzt nicht mehr zu haben. Late-Night-Fernsehen ist mir total egal."

Glücklich im Ruhestand

Ed-Sullivan-Theater in New York | Bildquelle: dpa
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Aus dem Ed-Sullivan-Theater in New York sendete Letterman jahrzehntelang seine Show.

Laut dem Fernsehjournalisten und Letterman-Freund Tom Brokaw muss man sich den Pensionär als einen glücklichen Menschen vorstellen. "Er liebt seinen Sohn Harry so sehr. Er wünscht sich nur, dass sie mit den Kindern früher angefangen hätten, so dass Harry einen Bruder oder eine Schwester hätte. Gut, das ist zu spät. Aber sie haben ein Leben wie aus einem Kindertraum: eine Ranch in Montana, die Karibik im Winter."

Bleibt nur noch die Frage: Warum wurde aus dem Talkmaster der Nikolaus? Lebt da was in dem Rauschebart? Höchstwahrscheinlich, antwortet da der unverändert scharfzüngige Letterman. Die Kammerjäger der Firma Orkin kämen gleich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. April 2017 um 15:53 Uhr

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