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10.02.2010

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Kultur
Mega-Auktion der Kunstsammlung von Saint Laurent
Jahrhundert-Auktion in Paris hat begonnen

Saint Laurents Kunstsammlung unterm Hammer

Es ist eine Versteigerung der Superlative, die das berühmte Auktionshaus Christie's veranstaltet. Die Kunstsammlung des verstorbenen Modeschöpfers Saint Laurent und seines Lebensgefährten Bergé kommt unter den Hammer. In drei Tagen sollen 733 Kostbarkeiten den Besitzer wechseln. Die seit den 60er-Jahren zusammengetragene Sammlung mit Werken Alter Meister, mit Möbelstücken, Skulpturen und Silber gilt als echter Schatz und wird auf bis zu 300 Millionen Euro geschätzt.

Von Christoph Wöß, BR-Hörfunkstudio Paris

Auktion "Yves Saint Laurent" (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Für Kunstliebhaber ein dreitägiger Rausch: die Auktion der mehr als 700 edlen Objekte ]
Die Standuhr hat Yves Saint Laurent einst von seinem langjährigen Lebenspartner Pierre Bergé geschenkt bekommen. Ein ganz privater Moment war das, erinnert sich Bergé. Jetzt steht die Uhr mitten im Pariser Grand Palais, wo sie betuchte Sammler aus aller Welt taxieren. 733 Kostbarkeiten aus der Privatsammlung des kunstsinnigen Paars werden bei Christie’s versteigert.

Selbst Hartgesottene werden schwach

Die Kollektion ist so erlesen, dass selbst hartgesottene Abteilungsleiter des Auktionshauses wie Philippe Garner schwach werden. "Wenn ich ein Stück mit nach Hause nehmen könnte: Es wäre der Drachensessel der irischen Designerin Eileen Gray. Das ist eine außerordentliche Arbeit. Eine Form, die es nie zuvor gab. Und so eine schöne Ausführung. Es ist ein niedriger Armsessel, ziemlich breit, von der Form her wie eine halbe Austernschale, und die Konturen werden definiert durch ein Paar von ineinander verschränkten Drachen."

Drachensessel der irischen Designerin Eileen Gray (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mehr als zwei Millionen Euro wert: der Drachensessel von Eileen Gray ]
Yves Saint Laurent liebte den Sessel aus dem Jahr 1917, der auf mehr als zwei Millionen Euro geschätzt wird. Er hatte einen Ehrenplatz in der Maisonettwohnung in der Pariser Rue de Babylone, auf dem linken Seine-Ufer, wo sich der Modeschöpfer und sein Freund ein privates Reich der Schönheit geschaffen hatten. Auch in Deauville, Marrakesch und Tanger hatten die beiden Wohnungen eingerichtet, die zu Lebzeiten des Modeschöpfers kaum ein Außenstehender zu Gesicht bekommen hat.

"In den Wohnungen von Saint Laurent und Bergé stand auf jedem Tisch, auf jeder Ablagefläche eine edle Skulptur - das ist sehr ungewöhnlich", sagt Donald Johnston, der bei Christie’s für Plastiken aus Europa zuständig ist. "Die meisten Sammler heutzutage bevorzugen Gemälde. Für mich ist es fantastisch, dass die Beiden europäische Skulpturen so geschätzt haben."

China verlangt zwei Köpfe zurück

Der Kaninchen- und der Rattenkopf (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: China sieht die beiden Köpfe als Beutekunst an. ]
Doch nicht nur in Europa haben Saint Laurent und Bergé gesammelt. Zwei Bronzestatuen aus Asien - ein Kaninchen- und ein Rattenkopf - sorgen für Aufregung. Die Regierung in Peking behauptet, die Stücke seien im 19. Jahrhundert von französischen Soldaten geraubt worden und fordert sie zurück. Solche Schlagzeilen erhöhen den Aufmerksamkeitswert, doch die Kollektion wäre auch ohnedies ein Superlativ.

Christie’s musste Grand Palais mieten

Die Kollektion ist so groß, dass Christie’s Paris nicht genügend Platz dafür hat und den Grand Palais mieten musste. Ein Novum in der Geschichte des Auktionshauses. 300 Millionen Euro ist die Kollektion wert, deren Besonderheit ihre - für zeitgenössische Verhältnisse - ungeheure Vielfalt ist.

Ansturm vor dem Grand Palais in Paris (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ansturm auf das Palais: Wenn auch nicht kaufen, aber zumindest die edlen Objekte anschauen - das wollen mehrere Hundert. ]

Der Pariser Kunsthändler Alain Tarica weiß wovon er spricht: "Das ist wirklich eine Sammlung, wie man sie aus der Renaissance kennt. Die großen Fürsten der Renaissance haben ja auch die verschiedenartigsten Dinge gesammelt - Skulpturen, Manuskripte, Gemälde, Wandteppiche, Möbel und Porzellan."

Picassos Gemälde "Musikinstrumente auf einem kleinen runden Tisch" (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Picassos Meisterwerk soll schon am ersten Auktionstag versteigert werden. ]
Tarica hat Saint Laurent und Bergé die meisten Bilder verkauft: auch Picassos "Musikinstrumente auf einem kleinen Tisch", ein Meisterwerk aus seiner kubistischen Phase, auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzt, das Spitzenlos der Versteigerung. "Bergé war sofort begeistert, als er ihm das Bild seinerzeit angeboten hat, sagt Tarica: "Wenn ich etwas außergewöhnlich gefunden habe, habe ich Bergé angerufen. Und dann kam entweder er zu mir in die Galerie oder ich bin ins Büro des Ateliers gefahren, in die Avenue Marceau. Ich hab ihm das Gemälde gezeigt, und dann ging’s jedes Mal extrem schnell. Nur ein einziges Mal hat ihm ein Bild nicht gefallen - in allen anderen Fällen hat er innerhalb von fünf Minuten Ja gesagt."

Bergé: Ein neues Leben für die Kunstwerke

Yves Saint Laurent und sein Lebensgefährte Pierre Bergé (27.02.06) (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Saint Laurent (l.) und Bergé am 27.02.2006 ]
Ein Dreivierteljahr ist Yves Saint Laurent nun tot, und Bergé meint, all die schönen Dinge, mit denen sie sich umgeben und die Yves zu seinen unsterblichen Kreationen inspiriert haben, all diese schönen Dinge haben für ihn nun keine Bedeutung mehr: "Ich glaube, dass die Gegenstände ein neues Leben kennenlernen müssen, neue Liebhaber finden, dass sie auf die Reise gehen müssen. Und das wird passieren."

Das Geld, das durch die  Versteigerung hereinkommt, will Bergé für die Erforschung der Immunschwächekrankheit Aids spenden. Der Rest fließt in die Stiftung, die das Werk des Modemachers erhalten soll. Das wichtigste Andenken an seinen Freund gibt Bergé ohnehin nicht her: Ein Porträt von Yves Saint Laurent, das Andy Warhol gemacht hat. Es hängt über seinem Schreibtisch.

Stand: 23.02.2009 09:55 Uhr
 

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