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Kosice wird Kulturhauptstadt 2013

Künstlerzentren statt Schwerindustrie

Das ostslowakische Kosice hat einen langen Weg hinter sich: vom Zentrum der Schwerindustrie zur europäischen Kulturhauptstadt 2013 - neben dem schillernden Marseille. Und der Weg ist noch lange nicht zuende - noch wird in der Stadt eifrig gebaut. Aber nicht alle sind glücklich damit, wie das alles läuft.

Vom Stefan Heinlein, ARD-Hörfunkstudio Prag

Kulturhauptstadt Kosice
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Die vielen ehemaligen Verteilerstationen des Fernwärme-Netzes werden in Kosice mittlerweile als Kulturzentren der einzelnen Stadtteile genutzt.

Fast jeden Tag treffen sich die Kinder aus der Plattenbausiedlung im ehemaligen Heizkraftwerk. In den vergangenen Monaten ist es zu einem modernen Kulturzentrum umgebaut worden. Es gibt Mal- und Bastelkurse für Senioren, Lesungen, Ausstellungen und kleine Konzerte.

SPOTS heißt das Projekt. Es soll Kultur direkt zu den Menschen bringen, erklärt Leiterin Blanka Berkyova: „Sie können Theater oder Musik vor ihrem Fenster erleben. Diese alten Heizkraftwerke werden zu Brennpunkten der Kultur - zu künstlerischen Gemeinschaftszentren." Das fördere die kulturelle Aufgeschlossenheit und Bildung.

An sechs verschiedenen Stellen der Stadt wurden die Heizkraftwerke mit dem Geld aus Brüssel dauerhaft umgerüstet. Das Projekt ist eines der ersten sichtbaren Veränderungen in Kosice. Die 250.000-Einwohner-Stadt war während der sozialistischen Jahrzehnte durch die Schwerindustrie geprägt. Jetzt hofft Vize-Bürgermeisterin Renata Lenartova auf einen nachhaltigen Strukturwandel. "Es geht um sehr große Veränderungen", sagt sie. Kosice solle sich in eine Universitäts- und Kulturstadt wandeln: "Wir bauen dafür eine völlig neue kulturelle Infrastruktur."

Ostslowakische Stadt Kosice ist 2013 Kulturhauptstadt Europas
S. Heinlein, ARD Prag
30.12.2012 15:18 Uhr

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Pläne für die kommenden Jahrzehnte

Doch noch ist das Herz von Kosice eine Baustelle. Auf einem ehemaligen Kasernengelände, nur wenige Schritte vom historischen Stadtzentrum entfernt, entsteht das Hauptquartier der Kulturhauptstadt. Die Gebäude stammen noch aus Habsburger Zeiten. Mühsam müssen sie entkernt und saniert werden Frühestens Mitte 2013 werden die geplanten Konzertsäle, Ausstellungsräume und Ateliers fertig sein.

"Es ist ein sehr langfristiger Prozess", erklärt der Direktor der Kulturhauptstadtleitung Jan Sudzina. Das sei  kein kurzfristiges Kultur- und Marketingevent, sondern es gehe um die Verwirklichung einer Vision über 15 oder 20 Jahre.

"Ich habe gemischte Gefühle"

Doch längst nicht alle Menschen in Kosice teilen die Euphorie des Kulturmanagers. Lange Zeit gab es Streit mit der Regierung in Bratislava über die Verteilung der Fördermittel. Spätestens seitdem im vergangenen Jahr die Aufdeckung einer gigantischen Korruptionsaffäre das ganze Land in Aufruhr brachte, misstraut auch der Künstler Rado Tscher-Rewka den vollmundigen Ankündigungen. "Noch habe ich recht gemischte Gefühle", sagt er. Er sei skeptisch ob dieser dauerhafte Wandel von Kosice in eine Kulturstadt tatsächlich gelinge. "Aber es  ist doch besser es geschieht etwas, als wenn man weiter die Hände in den Schoss legt."

Im Laufe des Kulturhauptstadtjahres werden mehrere hunderttausend Besucher aus dem In- und Ausland in Kosice erwartet. Die zweitgrößte Stadt der Slowakei hofft durch das europäische Großereignis langfristig auch auf einen touristischen Aufschwung. Der Startschuss fällt am 19. Januar mit einer großen Eröffnungsgala.

Dieser Beitrag lief am 29. Dezember 2012 um 17:54 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 30.12.2012 15:18 Uhr

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