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Schöpfer der "Raupe Nimmersatt" wird 80
Schöpfer der "Raupe Nimmersatt" wird 80

Die Kunst der Bilderbücher

"Nachts, im Mondschein, lag auf einem Blatt ein kleines Ei." Mit diesen Worten beginnt der Kinderbuch-Klassiker "Die kleine Raupe Nimmersatt". Vor 40 Jahren erdachte der Deutsch-Amerikaner Eric Carle das gefräßige Tierchen, er selbst feiert schon seinen 80. Geburtstag.

Von Lena Bodewein, ARD-Hörfunkstudio New York

Ein Mann und eine Raupe stehen Arm in Arm, die Raupe groß, grün, dick und aufrecht, der Mann mit weißem Bart, beide mit gelbumrandeten Augen, tellergroß. Eric Carle hat sich und seinem Geschöpf ein Geburtstagsportrait geschaffen, das Tier ist 40 geworden, der Mensch 80, und er weiß auch noch genau, wie es auf die Welt gekommen ist.

"Nachts, im Mondschein, lag auf einem Blatt ein kleines Ei." So beginnt die Geschichte von der Kleinen Raupe Nimmersatt. Der Sohn deutscher Auswanderer ist zwar im Staat New York geboren, aber er hat seine Kindheit und Jugend in Stuttgart verbracht: "Und als an einem schönen Sonntagmorgen die Sonne aufging, hell und warm, da schlüpfte aus dem Ei – knack - eine kleine, hungrige Raupe."

Das Buch "Die kleine Raupe Nimmersatt" (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Nachts, im Mondschein, lag auf einem Blatt ein kleines Ei." Das Buch "Die kleine Raupe Nimmersatt" ]

Die Raupe Nimmersatt hätte ebensogut auf einem Blatt auf einer Apfelwiese im US-Staat Massachussetts schlüpfen können. Dort, beim Städtchen Amherst, liegt das Bilderbuchmuseum von Eric Carle, idyllisch in Obsthainen, von Bergen umgeben.

"Unser Museum hat viele große Fenster so dass die Besucher die Natur genießen können", sagt Rebecca Miller. "Das war Eric sehr wichtig, denn als er klein war, ist sein Vater immer mit ihm durch die Natur gewandert und der hat ihm alles erklärt und Eric wollte, dass die Besucher das hier auch erleben können."

"Er wollte Bilderbücher als Kunst würdigen"

In der Vorhalle steht eine riesige Geburtstagstorte - mit Raupe. Aber nicht nur Eric Carles Geschöpfe werden hier gefeiert: "Er wollte Bilderbücher als Kunst würdigen", erklärt Rebecca Miller. "Denn es ist die Kunst, die Kinder als erstes kennenlernen, sie können sie in Händen halten und ansehen und dann kommen sie in dieses Museum und sehen ihre Freunde als Kunstwerke an der Wand und fühlen sich damit wohl. Und dann können sie in erwachsenere Museen weitergehen."

Maurice Sendak und seine Wilden Kerle, Ernest Shepards Zeichnungen von Winnie Pu, Leo Lionnis Frederick sind nur einige Künstler und Schöpfungen, die hier zu finden sind. Doch als erstes sieht der Besucher vier immense Gemälde von Eric Carle, eins grün, eins rot, eins gelb, eins blau, verschiedene Töne, gemischt, gebürstet, gepunktet. Schuld an dieser Farbfreude sind die Nazis.

"Es gab nicht viel Farbe in meinem Leben"

Eric Carle (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Eric Carle ]
"Die Städte trugen Tarnfarben", erzählt Eric Carle in einem englischen Interview von seiner Jugend in Deutschland während des Krieges, "grau, braun, grün. Es gab also nicht viel Farbe in meinem Leben. Das fiel mir gar nicht auf, bis mir mein Kunstlehrer heimlich so genannte Entartete Kunst zeigte und ich später auf der Kunstakademie die Werke der Impressionisten sah. Ich liebe Farbe!"

Mit 22 Jahren kehrte Eric Carle in die USA  zurück, arbeitete als Grafiker bei der "New York Times", dann in einer Werbeagentur. "In dieser Agentur entwickelte ich eine Serien von Bildern, in der ich Collagen verwendete. Eine dieser Collagen fiel in die Hände von Bill Martin jr., worauf er mich bat, sein 'Brown Bear Brown Bear, What Do You See' (deutsch: "Brauner Bär, wen siehst denn du?") zu illustrieren. Das war mein erster Kontakt zu Bilderbüchern." Danach begann er, eigene zu schaffen. Schon sein zweites war die Raupe Nimmersatt.

Pinsel schwingen und in Farben schwelgen

So wie Eric Carle seine Geschöpfe - Seepferdchen,  Füchse oder Spinnen - als Collage zusammenklebt, können die Besucher im Kunststudio des Museums Schere und Kleber zur Hand nehmen. Und das tun viele, Kleinkinder wie Erwachsene. Sie schwingen die Pinsel und schwelgen in Farben. "Als Eric anfing mit Bilderbüchern, hat er normales Seidenpapier für seine Collagen gekauft. Aber dann haben ihn Farben so fasziniert, das er sein eigenes Papier bemalt und versucht hat, es so bunt wie möglich zu machen. Mit vielen Werkzeugen, Pinseln, Teppichstücken oder Kämmen."

Papierfetzen, Buchentwürfe, Werkzeuge

Ein Arbeitstisch in einer der Galerien zeigt Papierfetzen, Buchentwürfe, Werkzeuge, so nimmt das Museum Kindern jegliche Scheu vor Kunst. Hier sieht es ähnlich chaotisch aus wie wahrscheinlich im Bauch der Raupe Nimmersatt. "Am Sonnabend fraß sie sich durch einen Schokoladenkuchen, eine Eiswaffel, eine Gurke..."

Am Ende wird sie ein wunderschöner Schmetterling. Oft muss man also viel Chaos verdauen, bevor ein Kunstwerk herauskommt. Ein buntes, am besten.

Stand: 25.06.2009 14:35 Uhr

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