Der Dirigent Simon Rattle dirigiert in München bei einer Protestaktion den Chor und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Unterstützung für EU-Jugendorchester Protest mit halber "Ode an die Freude"

Stand: 24.05.2016 17:23 Uhr

Star-Dirigent Simon Rattle hat gemeinsam mit den Symphonikern des Bayerischen Rundfunks gegen die Schließung des EU-Jugendorchesters protestiert. Dafür hatten sich die Musiker die Inszenierung eines ganz besonderen Liedes ausgesucht.

Chor und Symphoniker des Bayerischen Rundfunks haben am Rande einer Konzertprobe in München gegen das drohende Aus für das Europäische Jugendorchester protestiert. Unter Leitung des britischen Dirigenten Sir Simon Rattle führten sie in der Münchner Residenz Beethovens "Ode an die Freude" auf. Mitten im Stück ließ der Dirigent, der eigentlich Chef der Berliner Philharmoniker ist, das Orchester verstummen. "Das ist ein ebenso schrecklicher Schnitt für Beethoven wie es einer für das Orchester ist. Die Frage ist nun: Was passiert als nächstes?", fragte Rattle.

Dem Europäischen Jugendorchester droht zum 1. September die Schließung, nachdem die regelmäßige finanzielle Förderung durch die EU entfallen ist. Nach EU-Angaben erhielt das renommierte Jugendorchester zwischen 2000 und 2014 rund 10,5 Millionen Euro an Fördergeldern, dann wurde die Kulturförderung umgestellt. Statt Institutionen werden nun Projekte unterstützt. Im ersten Jahr nach der Umstellung erhielt das Jugendensemble noch Projektmittel, doch der nächste Antrag auf Förderung war erfolglos.

Der Dirigent Simon Rattle dirigiert in München bei einer Protestaktion den Chor und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
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Gemeinsam für den Erhalt des EU-Jugendorchesters: Sir Simon Rattle und das BR-Symphonieorchester.

Ein Lied als Symbol

Die "Ode an die Freude" aus dem letzten Satz der 9. Sinfonie Ludwig van Beethovens, die bei der Protestaktion erklang, ist die musikalische Grundlage für die Europahymne. Das BR-Symphonieorchester verwies darauf, dass die Hymne laut EU für die "Werte, die die Länder der europäischen Union teilen", stehe und "ohne Worte, nur in der universellen Sprache der Musik, die europäischen Werte Freiheit Frieden und Solidarität zum Ausdruck bringen" solle.

Ein Video der Protestaufführung sollte am Abend über soziale Netzwerke verbreitet werden. Am Wochenende hatte sich auch bereits Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) für den Erhalt des Jugendorchesters eingesetzt. Es sei seit 40 Jahren ein Symbol der kulturellen Vielfalt Europas, erklärte sie. In dem 1976 gegründeten Ausbildungsorchester musizieren bis zu 140 begabte Nachwuchs-Musiker aus allen EU-Ländern gemeinsam mit weltberühmten Dirigenten. Sie verstehen sich als "europäische Kulturbotschafter". Musikalischer Leiter ist derzeit der Russe Vasily Petrenko.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 24. Mai 2016 um 17:37 Uhr.

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