Jerry Lewis | Bildquelle: AFP

Jerry Lewis ist tot Eine Komiker-Legende ist gegangen

Stand: 21.08.2017 00:23 Uhr

Slapstick war sein Markenzeichen: Wenn der als Joseph Levitch geborene Jerry Lewis Grimassen schnitt, herumstolperte und seine Quiekestimme gellen ließ, lagen ihm die Fans zu Füßen. Nun ist er im Alter von 91 Jahren gestorben.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Jerry Lewis konnte lachen - bis zum Schluss: Als er vor zwei Jahren vor dem berühmten Chinese Theater in Hollywood seine Handabdrücke in Zement verewigte, da bat der alte, gehbehinderte Komiker, man möge doch bitte das Rednerpult nicht gleich wegräumen, oder wenigstens jemanden holen, auf den er sich stützen könne.

Die Krankengeschichte von Jerry Lewis wäre kein Stoff für eine Komödie: Prostatakrebs, Herzinfarkt, Wirbelsäulenbruch - über Jahrzehnte war Lewis tablettensüchtig. Sechzig Jahre lang führte er den Vorsitz einer Organisation von Muskelschwund-Kranken. Die von ihm moderierten Spendengalas brachten mehr als zweieinhalb Milliarden Dollar ein. Für das amerikanische Publikum war Jerry Lewis Komiker und Menschenfreund zugleich.

Die deutschen Kino- und Fernsehzuschauer werden sich vor allem an die besondere Art seiner Komik erinnern, wie in dieser Szene aus "Der Ladenhüter" von 1963 - Lewis tut, als würde er Schreibmaschine schreiben - aber ohne Schreibmaschine nur mit Mimik und Gestik.

Ins Showbusiness geboren

Schon mit fünf Jahren stand der kleine Joseph Levitch auf der Bühne - wie seine Eltern: Der Vater trat in Nachtclubs auf, die Mutter spielte Klavier für einen Radiosender. Mitte der 1940er-Jahre fand Lewis einen kongenialen Partner im Schnulzensänger Dean Martin - sie drehten zusammen 16 Kinofilme und wurden das erfolgreichste Komikerduo seit Laurel und Hardy, Dick und Doof.

Jerry Lewis hat den Slapstick perfektioniert - wenn er zum Beispiel in "Immer auf die Kleinen" Minuten braucht, um von der Tür zum Schreibtisch zu kommen, weil er immer wieder auf dem spiegelglatt polierten Boden ausrutscht.

Jerry Lewis | Bildquelle: dpa
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Jerry Lewis in "Immer auf die Kleinen"

Mit Mimik und Körpereinsatz

Dabei musste er nicht immer massiven körperlichen Einsatz für seine Lacher zeigen. Manchmal reichten nur leicht verdrehte Augen, ein verzogener Mund - und eben diese immer nervöser klingende Stimme, wie in einem Sketch, als er versucht, Deutsch zu lernen.

Er übernahm zunehmend die Kontrolle seiner Filme, schrieb das Drehbuch, spielte die Hauptrolle und führte auch noch Regie - wie in "Der Verrückte Professor". Lewis drehte zeitweise zwei Filme pro Jahr - und alle waren erfolgreich.

Kinder als wichtigstes Publikum

In einem Interview von 1965 erlebt man einen ernsten Jerry Lewis, der über seinen eigenen Erfolg nachdenkt: "Ich mache meine Filme immer für ein Publikum von Kindern. Die Eltern schauen sich das dann oft erst nur widerwillig mit ihren Kindern an, aber im Verlauf des Films kriege ich sie auch. Wir sind doch alle Kinder und wollen über die einfachen Dinge lachen."

In den vergangenen Jahren hatte sich Lewis immer mehr zurückgezogen und stand nur noch ab und zu für kleine Nebenrollen und Gastauftritte vor der Kamera. Nun starb er im Alter von 91 Jahren im Kreis seiner Familie. Eine amerikanische Comedy-Legende hat sich verabschiedet.

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Jerry Lewis - Bilder aus seinem Leben

Jerry Lewis

Am 16. März 1926 kommt Jerry Lewis in Newark (New Jersey) zur Welt. Das Showgeschäft wird ihm in die Wiege gelegt: Sein Vater ist Nachtklub-Sänger, seine Mutter Klavierspielerin. Im Alter von fünf Jahren steht Jerry Lewis das erste Mal selbst auf der Bühne - der Start seiner Karriere.

US-Comedylegende Jerry Lewis im Alter von 91 Jahren gestorben
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
20.08.2017 23:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. August 2017 um 20:00 Uhr.

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