Atelier des Modeschöpfers Ayissi | Bildquelle: Adeline Piron

Imane Ayissi präsentiert Haute Couture "Es ist Zeit für Afrika"

Stand: 20.01.2020 20:10 Uhr

Die Haute Couture-Wochen in Paris sind der Höhepunkt der Modewelt - nur etwa 30 Modeschöpfer dürfen ihre Unikate präsentieren. Mit Imane Ayissi nimmt erstmals ein Designer aus Subsahara-Afrika teil.

Von Stefanie Markert, ARD-Studio Paris

Imane Ayissi hat die Adresse wohl gewählt. Sein Atelier liegt am Rande des Pariser Schneider-Viertels. Bester Laune öffnet der 51-Jährige aus Kamerun im Hinterhof persönlich die Tür und bietet gleich das Du an.

Er sei sehr bewegt, zufrieden, stolz und geehrt, es sei ja das erste Mal, dass ein Designer aus dem südlichen Afrika bei der Haute Couture einen Platz bekomme. Das müsse gefeiert werden. "Die Zeit war reif dafür", sagt Ayissi. "In der Geschichte wird eine neue Seite aufgeschlagen, diesmal zusammen mit den Afrikanern."

Atelier des Modeschöpfers Ayissi | Bildquelle: Adeline Piron
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Sehr bewegt, zufrieden, stolz und geehrt - so fühlt sich der Modeschöpfer aus Afrika.

Für Ayissi haben Stoffe ein Eigenleben

Der große, schlanke Mann, ganz in schwarz gekleidet, ist an diesem Vormittag allein in seinem Universum. Auf Regalen liegen Stoffe bis unter die Decke. Ayissi hebt einen dottergelben vom Schneidertisch hoch: "Für mich haben Kleider und Stoffe ein Leben, bis man sein Werk auf einer Schneiderbüste oder am Mannequin sieht. Das ist wie eine Geburt. Und manchmal kullern dann noch ein paar Tränen."

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Imane Ayissi an seinem Schneidertisch

Schaut er auf ein Schwarz-Weiß-Foto an der Wand, muss er jedoch erst mal lachen. Es zeige seine "Maman" als "Miss Unabhängigkeit" von Kamerun. "Meine ersten Kleider von Yves Saint Laurent oder Pierre Cardin habe ich bei ihr gesehen. Ich habe erforscht, wie sie geschneidert worden sind - manchmal habe ich sie mit der Schere zerschnitten und mir dafür Ohrfeigen eingefangen."

Karriere als Tänzer und Model

Ayissis Karriere beginnt jedoch als Tänzer im Nationalballett Kameruns. Er tritt in Musikvideos von Sting auf, tanzt auf der Saga Afrika Tournee von Yannick Noah und arbeitet parallel als Model. Seit dem Jahr 1992 entwirft er jedes Jahr Modekollektionen. Zudem setzt er auf nachhaltige Mode mit Bio-Garn aus Burkina Faso.

Die aktuelle Kollektion trägt den Namen Akuma. In der kamerunischen Betisprache bedeute das Reichtum, erklärt Ayissi. (Anm. der Redaktion: Kamerun ist die Heimat von über 230 nationalen Sprachen.) "Das bezieht sich auf noble afrikanische Stoffe und auf traditionelle Weberei wie in Ghana zum Beispiel. Ja, ich mache sogar Bast zu einem edlen Material. All das ist Reichtum, und das ist meine Botschaft."

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Der Designer arbeitet auch mit Bast und Lederfäden.

Der Designer raschelt mit einem Bastrock von der Kleiderstange, daneben steht eine Schaufensterpuppe mit zartrosa Abendkleid, umringt von kleinen afrikanischen Statuen.

"Gedruckte Muster sind nicht afrikanischen Ursprungs"

Heißt afrikanische Mode eigentlich immer bunte Farben und große Muster? "Das ist eine Dummheit, das wäre, als ob man sagt, deutsche Mode, das ist grau und schwarz. Da sage ich nein, diese gedruckten Muster, die sind schon mal gar nicht afrikanischen Ursprungs. Die kamen mit den Kolonialherren, und sie haben einiges kaputtgemacht, was typisch afrikanisch war."

Ayissi engagiert sich deshalb für den Nachwuchs in einem Zentrum, das seit zehn Jahren existiert - auch durch deutsche Hilfe. "Das Goethe-Institut in der Hauptstadt Jaunde hat uns von Anfang anbei unserer Arbeit für das Zentrum der Modeschaffenden Kameruns geholfen. Es ist ein guter Partner."

Atelier des Modeschöpfers Ayissi | Bildquelle: Adeline Piron
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Ein bisschen mystisch und hexenhaft soll seine erste Haute-Couture-Kollektion auch sein, verrät Ayissi.

Womit aber will Ayissi die Modewelt bei seinem ersten Haute-Couture-Auftritt überzeugen? Er wolle nicht zuviel verraten, aber er möge es "mystisch und ein wenig hexenhaft", sagt er. "Ein paar afrikanische Glücksbringer können auch nicht schaden. Es soll kein großer Karneval werden, sondern eine Hommage an die Frauen in Afrika. Aber auch die in Paris, Berlin und Mailand."

Den Stil hat Ayissi von der Mutter geerbt, den Kampfgeist aber vom Vater. Denn der war Boxchampion in Kamerun. "Ich wage etwas, habe keine Angst, und wenn jetzt dieses kleine Licht auf mich fällt, dann deshalb, weil ich jahrelang dafür gekämpft habe. Aber der Kampf ist nicht vorbei. Jetzt kommt das härteste. Man muss standhalten und den Platz verteidigen." Den Platz Afrikas in der Haute Couture.

Imane Ayissi - Erster Designer aus Subsahara-Afrika bei Pariser Haute-Couture-Schauen
Stefanie Markert, MDR
20.01.2020 10:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Januar 2020 um 12:53 Uhr.

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