Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood | Bildquelle: REUTERS

Buchhandel ehrt Atwood "Messerwerferin mit Röntgenblick"

Stand: 15.10.2017 12:30 Uhr

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood hat den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Bislang wurden erst zehn Frauen mit dem Preis ausgezeichnet. In ihren Romanen warnt sie vor gefährlichen, gesellschaftlichen Entwicklungen.

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood hat am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche den renommierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegengenommen. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert und wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse vergeben.

Die Auszeichnung gibt es seit 1950. Atwood ist erst die zehnte Frau, die den Preis bekommt. Die 77-Jährige wurde für "Humanität, Gerechtigkeitsstreben und Toleranz" in ihrem umfangreichen Schaffen geehrt. In ihren Romanen und Sachbüchern habe Atwood immer wieder politisches Gespür und Hellhörigkeit für gefährliche unterschwellige Entwicklungen und Strömungen gezeigt, begründete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Vergabe.

Buchhandel ehrt kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood
tagesschau 17:15 Uhr, 15.10.2017, Alex Jakubowski, HR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Normalität, die ins Unmenschliche kippt

"Als eine der bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit stellt sie die sich wandelnden Denk- und Verhaltensweisen ins Zentrum ihres Schaffens und lotet sie in ihren utopischen wie dystopischen Werken furchtlos aus", so der Börsenverein. Sie demonstriere auch, wie leicht vermeintliche Normalität ins Unmenschliche kippen kann.

Friedenspreis des Buchhandels

2000 Assia Djebar (algerische Schriftstellerin)
2001 Jürgen Habermas (deutscher Philosoph und Soziologe)
2002 Chinua Achebe (nigerianischer Schriftsteller, gestorben 2013)
2003 Susan Sontag (US-amerikanische Schriftstellerin, gestorben 2004)
2004 Péter Esterházy (ungarischer Schriftsteller)
2005 Orhan Pamuk (türkischer Schriftsteller)
2006 Wolf Lepenies (deutscher Soziologe)
2007 Saul Friedländer (israelischer Historiker und Autor)
2008 Anselm Kiefer (deutscher Maler und Bildhauer)
2009 Claudio Magris (italienischer Schriftsteller)
2010 David Grossman (israelischer Schriftsteller)
2011 Boualem Sansal (algerischer Schriftsteller)
2012 Liao Yiwu (chinesischer Schriftsteller)
2013 Swetlana Alexijewitsch (weißrussische Schriftstellerin)
2014 Jaron Lanier (US-Digitalpionier und Schriftsteller)
2015 Navid Kermani (deutscher Schriftsteller und Orientalist)
2016 Carolin Emcke (deutsche Publizistin)

"Dramaturgisches Genie mit Röntgenblick"

Die Laudatio hielt die aus Österreich stammende Berliner Autorin Eva Menasse. Sie bezeichnete Atwood als "dramaturgisches Genie mit Röntgenblick und der Präzision einer Messerwerferin." Atwoods Erzählungen seien "realistisch, wahrhaftig, und immer ein wenig beispielhaft". Ihr Werk zeige besonders gut, "wie Literatur sein muss, um auch eine politische Wirkung zu entfalten."

Die in den Wäldern Quebecs aufgewachsene Tochter eines Biologen sei eine Geschichtenerzählerin, die ihr Sensorium für die menschliche Natur und ihren politischen Verstand "als das Grundwasser nutzt, von dem sie diese Geschichten nährt".

"Mahnerin für Frieden und Freiheit"

Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller würdigte Atwood als "Mahnerin für Frieden und Freiheit". Mit ihren Romanen öffne die Autorin uns die Augen dafür, "wie düster eine Welt aussehen kann, wenn wir unseren Verpflichtungen für ein friedliches Zusammenleben nicht nachkommen".

Die am 18. November 1939 in Ottawa geborene Atwood studierte in Toronto und Cambridge/Massachusetts Englisch und Literatur. Erste Gedichte veröffentlichte sie in den frühen 1960er-Jahren, seit 1964 arbeitete sie als Literaturwissenschaftlerin an verschiedenen Universitäten. Neben Lyrik, Kurzgeschichten, Theaterstücken, Essays und Kinderbüchern veröffentlichte sie mehrere Romane - darunter 1985 "Der Report der Magd". Eine auf dem Roman basierende TV-Serie bekam in den USA dieses Jahr mehrere Emmys und ist nun auch in Deutschland erschienen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Oktober 2017 um 12:00 Uhr.

Darstellung: