Astronaut mit Helm aus dem Film "First Man" | Bildquelle: dpa

Filmfestspiele Venedig Große Namen, großes Kino - und junge Talente

Stand: 29.08.2018 09:09 Uhr

Mit einem Drama um Astronaut Neil Armstrong starten die Filmfestspiele in Vendig. Die Konkurrenz um den Goldenen Löwen ist groß, schon vorab lobten Kritiker die Auswahl der Macher.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Wie schon vor zwei Jahren macht den Auftakt zu den Internationalen Filmfestspielen von Venedig Damien Chazelle: Mit "La la Land" erhielt er den Oscar, als bisher jüngster Regisseur - jetzt erzählt er mit "First Man", auf Deutsch "Aufbruch zum Mond" - die Geschichte des Astronauten Neil Armstrong.

Szene aus La La Land | Bildquelle: AP
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Das Musical "La La Land" von Damien Chazelle erhielt den Oscar. Er macht nun den Auftakt in Venedig.

Große Namen, großes Kino auch in diesem Jahr - immer mehr wird Venedig zu einem Schaulaufen, zu einem Barometer für die Oscars. Doch die Mischung macht’s, sagt Alberto Barbera, der künstlerische Leiter der Filmfestspiele: Er setzt auf viele große, anerkannte Autoren, aber auch viele Entdeckungen und junge Talente. "Es gibt acht Erstlingswerke. Elf Regisseure sind zum ersten Mal im Wettbewerb, und viele zum ersten Mal in der Sektion "Horizonte" - auch aus fernen Ländern, wie Indonesien, Kasachstan, Tibet oder Syrien."

Deutscher Erfolgsregisseur vertreten

Mehr als 3300 Filme werden bis zum 8. September in Venedig gezeigt. Die größte Aufmerksamkeit gilt aber auch in diesem Jahr den 21 Filmen, die um den Goldenen Löwen kämpfen. Neben Damien Chazelle sind zum Beispiel die Cohen Brüder dabei mit dem Western "The Ballad of Buster Scruggs".

Und auch Deutschland ist vertreten: Florian Henckel von Donnersmarck wendet sich nach seinem Welterfolg "Das Leben der Anderen" und dem eher durchwachsenen Remake von "The Tourist" nun wieder der deutschen Geschichte zu. Die ARD Degeto und der Bayerische Rundfunk sind Co-Produzenten von "Werk ohne Autor".

"Er kommt mit einem sehr ambitionierten Film über die deutsche Geschichte seit der Nazizeit bis in die 1960er-, 1970er-Jahre", so Barbera. "Das ist auch eine Reflexion über die Kunst - über ihre Bedeutung, ihren Wert, über die Fähigkeit der Kunst, die Geschichte neu zu denken, neu zu modellieren."

Starke Frauen auf der Leinwand, aber nur eine Regisseurin

Emma Stone | Bildquelle: REUTERS
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Auch Emma Stone - hier bei den Oscars 2017 - ist bei den Filmfestspielen auf der Leinwand zu sehen.

Unter den 21 Filmen im Wettbewerb stammt nur einer von einer Regisseurin - dafür sind auf der Leinwand starke Frauen zu sehen: Natalie Portman etwa, Juliette Binoche oder Emma Stone.

Von den Kritikern jedenfalls gab es schon vorab viel Lob für die Auswahl. Es heißt, auch dieses Jahr könnte es sein, dass die Macher der Filmfestspiele von Venedig den richtigen Riecher haben und Filme ausgewählt haben, die sich international durchsetzen. Und das in schwierigen Zeiten, sagt Paolo Baratta, Präsident der Biennale: "Das Kino ist einem großen Wandlungsprozess, es ist nicht tot, sondern quicklebendig. Unsere Absicht ist es, die Neuigkeiten so gut wie möglich aufzuspüren."

Auch Netflix-Produktionen dabei

Und dabei ist man nicht dogmatisch wie zum Beispiel in Cannes: Dort hatte man den Streaming-Dienst Netflix vom Wettbewerb ausgeschlossen. Am Lido von Venedig treten gleich drei Netflix-Produktionen um den Golden Löwen an.

Zwei Gewinner stehen schon am Anfang fest: Der kanadische Regisseur David Cronenberg und die britische Schauspielerin Vanessa Redgrave bekommen den Goldenen Löwen als Ehrenpreis für ihr Lebenswerk.

Die 75. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele von Venedig wird keine leichte Aufgabe für die Jury, so hoch sind die Erwartungen, so sehr rechnen Kritiker mit vielen Filmen von hoher Qualität. Jury-Präsident ist in diesem Jahr der Mexikaner Guillermo del Toro. Der weiß immerhin, wie es geht: Im letzten Jahr hat er selbst mit "Shape of Water" den Goldenen Löwen gewonnen.

Welcher Film in diesem Jahr der Beste ist, wird am 8. September feststehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. August 2018 um 08:00 Uhr.

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