Plakat für das Filmfestival in Venedig | Bildquelle: REUTERS

72. Filmfestival in Venedig Das Kino von morgen zeigen

Stand: 02.09.2015 21:00 Uhr

Es ist das älteste Filmfestival der Welt, doch ausruhen will sich Venedig auf diesen Lorbeeren nicht. Deshalb werden in diesem Jahr vor allem Filme junger Autoren gezeigt - das "Kino von morgen". An Stars mangelt es aber dennoch nicht.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Dass das Kino immer noch ein mächtiges Medium ist, zeigt sich schon an dem Film, mit dem die 72. Festspiele von Venedig eröffnet wurde: "Everest" vom isländischen Regisseur Baltasar Kormakur ist ein spannungsreicher Abenteuerfilm, der die Geschichte einer katastrophalen Expedition auf den höchsten Berg der Welt erzählt, bei der 1996 acht Bergsteiger ums Leben kamen.

Ein Film, der das traditionsreichste Festival dieser Art wie ein Paukenschlag eröffnen soll - auch wegen seiner Starbesetzung unter anderem mit Keira Knightley und Jason Clarke. In den vergangenen Jahren schnitten die Eröffnungsfilme von Venedig oft gut bei den begehrten Oscar-Premierungen ab. Das ist wichtig, denn auch das älteste Filmfestival der Welt muss sich international behaupten.

Szene aus dem Film Everest | Bildquelle: Universal Film/dpa
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Szene aus dem Film "Everest" - Das bildgewaltige Abenteuerdrama wird das Filmfestival in Venedig eröffnen.

Nicht auf Lorbeeren ausruhen

Dabei haben die Macher in diesem Jahr besonders versucht, sich nicht auf dem Glanz vergangener Jahre auszuruhen. Der künstlerische Leiter Alberto Barbera sagt, die Filme, die in Venedig gezeigt werden, sollen für ein neues Kino stehen: "Es sind Filme, die innovativ sind, was die Inhalte oder die Machart angeht. Ein Festival muss im Voraus arbeiten, muss auf Konter spielen, muss verstehen, in welche Richtung das Kino geht und sagen: da passiert etwas Interessantes, etwas Neues, das sind die neuen Bezugspunkte für das Kino von morgen."

55 Filme werden in drei Sektionen gezeigt. Aber das heißeste Rennen ist wie in jedem Jahr das um den Goldenen Löwen. 21 Filme sind im Wettbewerb, Deutschland ist nur mit zwei Koproduktionen vertreten. Und beide, der Film "Remember" von Atom Egoyan und "Francofonia" von Alexander Sokurow, dem Gewinner von 2011, haben bezeichnenderweise mit den Folgen der Nazi-Zeit zu tun.

Alberto Barbera | Bildquelle: dpa
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Der künstlerische Leiter Alberto Barbera will vor allem jungen Regisseuren ein Forum bieten ...

Benedict Cumberbatch | Bildquelle: AP
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... will aber gleichzeitig mit etablierten Stars wie Benedict Cumberbatch dem Festival den nötigen Glanz verleihen.

Viele neue Autoren

Ein richtiges Leitthema gibt es in diesem Jahr nicht - und so ist Alberto Barbera vor allem stolz darauf, dass nicht die etablierten Regisseure in diesem Jahr den Ton angeben, sondern vor allem die Jungen: "Es gibt sehr viele Regisseure, die zum ersten Mal in Venedig sind - 16 von 21 Filmen, die im Wettbewerb sind, kommen von ihnen. Das ist verblüffend, weil einer, der ein Festivalprogramm liest, erwartet, die üblichen Namen, also große Autoren zu finden, die mit ihren neuen Filmen wiederkommen. Aber wir müssen uns darüber bewusst werden, dass das 20. Jahrhundert zu Ende ist, und dass sich ein neuer cinematographischer Erdteil bildet. Das sind die wichtigen Namen von morgen."

Dass die großen Namen vergangener Jahrzehnte bald endgültig der Vergangenheit angehören, dafür steht ein Verlust: der Kurzfilm "The Audition" von Martin Scorsese ist nicht rechtzeitig fertig geworden. Schade, denn man hätte nur zu gern Brad Pitt, Leonardo di Caprio und Robert de Niro zusammen auf der Leinwand gesehen. Die Stars werden trotzdem nach Venedig kommen: Johnny Depp wird an den Lido reisen, Benedict Cumberbatch, Juliette Binoche und viele andere.

Am 12. September wird der begehrte Goldene Löwe für den besten Film verliehen. In der Jury sitzt auch die deutsche Schauspielerin Diane Krüger. Und bis dahin heißt es: Filme gucken. Denn Venedig steht auch im 72. Jahr immer noch für den großen Zauber des Kinos.

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