Farid Bang und Kollegah | Bildquelle: dpa

Antisemitismus-Skandal Musikpreis Echo soll überarbeitet werden

Stand: 15.04.2018 16:52 Uhr

Nach dem Antisemitismus-Skandal um die Rapper Kollegah und Farid Bang beim Echo wollen die Veranstalter den Musikpreis nun überarbeiten. Bislang spielen vor allem Verkaufszahlen eine wichtige Rolle bei der der Vergabe.

Angesichts des Proteststurms nach der Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang will der Veranstalter das Konzept erneuern. "Als Konsequenz daraus wird der Preis auf Entscheidung des Vorstandes vom heutigen Tag nun überarbeitet werden", erklärte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI).

Empörung über antisemitische Zeilen

Die Rapper waren am Donnerstag für ihr als antisemitisch kritisiertes Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet worden. Es enthält die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Musiker, Politiker und Experten hatten diese Äußerungen als antisemitisch kritisiert und sich teilweise entsetzt über die Entscheidung der Echo-Verantwortlichen geäußert. Empörung gab es auch, weil die Rapper am 12. April geehrt wurden: dem Tag, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen ermordeten Juden erinnert wird. Auch Außenminister Heiko Maas fand deutliche Worte.

BVMI-Chef Drücke kündigte eine "umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen" an. Details nannte er nicht. "Im Zuge der aktuellen Debatte mussten wir erkennen, dass wir uns in einem Umfeld wiederfinden, das den Preis in ein falsches Licht rückt", betonte er. "Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben."

Florian Drücke
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Florian Drücke will die Echo-Kriterien überarbeiten.

Die Verleihung der Echo-Trophäen richtet sich in den meisten Kategorien nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauf folgenden Juryabstimmung. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Rap-Albums hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre.

WDR und SWR setzen Album auf Index

Der WDR erklärte, das Album der Rapper stehe bei dem Sender auf dem Index. Demnach wird in den WDR-Radioprogrammen - auch im Jugendradio 1Live - keine Musik daraus gespielt. Dies habe schon vor der Echo-Verleihung gegolten, sagte eine WDR-Sprecherin. Der SWR hält es genauso. Beim Jugendsender Dasding, der von der Musikrichtung her infrage gekommen wäre, laufe das Album generell nicht, sagte ein Sprecher. "Weil es von den inhaltlichen Aussagen nicht tragbar ist."

Der jüdische Comedian Oliver Polak schrieb in der "Welt": "Dass der Echo diese beiden 'Künstler' am Holocaustgedenktag auftreten lässt, ist an Zynismus und Rohheit nicht zu übertreffen." Es sei eine makabre Doppelmoral, sich von den Inhalten zu distanzieren und diese dennoch zur Primetime auszustrahlen. Polak schrieb auch, Menschen wie Kollegah seien der Grund, dass jüdische Jugendliche auf Schulhöfen gejagt werden.

Der Sender Vox, der die Preisverleihung ausgestrahlt hatte, verwies erneut auf die Einschätzung des Echo-Beirats, ein Ausschluss der Rapper sei nicht gerechtfertigt gewesen. "Diese Entscheidung akzeptieren wir", erklärte der Sender.

Über dieses Thema berichtete WDR3 in den Kulturnachrichten am 15. April 2018 um 17:22 Uhr.

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