Jute Aktion | Bildquelle: Christian Limpert

Athener documenta14 endet Viele Ausländer, kaum Griechen

Stand: 16.07.2017 16:51 Uhr

Nach 100 Tagen ist die Athener Außenstelle der weltgrößten Kunstausstellung documenta14 zu Ende gegangen. Die Veranstaltungen und Installationen an mehreren Orten in der Stadt zogen rund 350.000 Besucher an. Doch das Interesse der Griechen hielt sich in Grenzen.

Von Hilde Stadler, ARD-Studio Rom

Aufrütteln wollte die Athener documenta14, Kunst mit radikalem Anspruch der Öffentlichkeit nahe bringen. Das Motto: "Von Athen lernen". So wie durch die "Diskussionen mit einem sterbenden Soldaten": Die Installation des peruanischen Künstlers Sergio Zevallo ist radikal, provokant und verstörend. Besucher sollen eine Folterzelle betreten und den sterbenden Soldaten in all seinen Identitäten erleben - als sterbenden Vater, als sterbenden Präsidenten.

Die Räume, in denen die Installation stattfindet, dienten tatsächlich als Folterzellen während der Militärdiktatur in Griechenland in den 1960-er und 1970-er Jahren. "Ich fühle mich in gewisser Hinsicht verbunden mit der aktuellen Wirklichkeit in Griechenland, mit der politischen Lage, denn die politische Geschichte Griechenlands ist ja auch eine Geschichte der Diktatur", erläutert Zevallo.

Die steinerne Installation der kanadischen Künstlerin Rebecca Belmore soll die Flüchtlingskrise in Griechenland symbolisieren. | Bildquelle: AFP
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Ein kleines Zelt mit großer Symbolik: Die steinerne Installation der kanadischen Künstlerin Rebecca Belmore soll die Flüchtlingskrise in Griechenland symbolisieren.

Die documenta - ein elitäres Spektakel?

Mehrfach wurde die documenta14 in Athen als elitäres Spektakel kritisiert, abgehoben und weitgehend ignoriert von der Mehrheit der Griechen. "Ich habe kaum Griechen in den Ausstellungen gesehen. Es waren hauptsächlich Ausländer", berichtet die documenta14 Besucherin Yiouli Garofalaki, die selber Künstlerin ist. Einen einzigen Griechen habe sie getroffen, er sei Maler gewesen. "Ansonsten besuchten definitiv nicht viele Einheimische die documenta."

Vereinzelt wurde die documenta14 in griechischen Medien sogar als deutscher Kulturimperialismus kritisiert. Für Kurator Adam Szymczyk kein Grund, ein negatives Fazit zu ziehen, im Gegenteil: "Wir haben Reaktionen von allen politischen Lagern hier erhalten, von links, von rechts. Und ich bin froh über die Resonanz, die wir erreichten, vor allem, dass es nicht Gleichgültigkeit war." Manche Kunstwerke werden auch auf der documenta in Kassel zu sehen sein, wie das tonnenschwere Flüchtlingszelt aus Marmor von Rebecca Belmore, das unterhalb des Philopapposhügel stand, auf Augenhöhe mit der Akropolis.

Adam Szymczyk leitet die Kunstausstellung Documenta 14 in Kassel. | Bildquelle: dpa
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Adam Szymczyk leitet die Kunstausstellung Documenta 14 in Kassel und Athen.

Größte Veranstaltung seit Olympia

Die Athener documenta war die größte internationale Veranstaltung in Athen seit den Olympischen Spielen 2004 und zog etwa 350.000 Besucher an, allerdings waren nur etwa die Hälfte von ihnen Griechen. Ein Grund könnte die offenbar zu geringe Werbung gewesen sein. Die Veranstalter hätten die Bekanntheit der documenta für Athen schlichtweg überschätzt.

Trotzdem sehen etliche Griechen die documenta14 positiv. Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen 2004 habe es 2017 keine negativen Auswirkungen für Athen gegeben, weder für die Umwelt noch für die Bauten oder die Wirtschaft der Stadt. Stattdessen wurden eine Reihe von Museen, historischer Gebäude, archäologischer Stätten und Denkmäler für Besucher geöffnet, die ansonsten für die Öffentlichkeit entweder verschlossen oder unbeachtet geblieben wären.

Und Künstler aus aller Welt kamen nach Athen, um an der documenta14 teilzunehmen. Sie lernten so auch die Stadt und ihre Menschen kennen und schätzen und besser verstehen, welche Auswirkungen die seit sieben Jahren währende Krise auf sie hat. Einige Künstler werden länger bleiben, andere wollen unbedingt wiederkommen.

So hat die documenta14 in Athen Spuren hinterlassen und wird in der Stadt verankert bleiben, getreu des Mottos der letzten Veranstaltungen: "Niemals zu Ende."

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"Von Athen lernen" - die documenta 14 in der griechischen Hauptstadt

documenta 14 in Athen: Besucher auf dem Dach des Museums für zeitgenössische Kunst

Besucher auf dem Dachgarten des Museums für zeitgenössische Kunst in Athen. Die griechische Hauptstadt ist - unter dem Motto "Von Athen lernen" die gleichberechtigte Außenstelle der documenta 14. Bis zum 16. Juli findet das internationale Kunstereignis dort statt. In Kassel wird die documenta am 10. Juni eröffnet. | Bildquelle: REUTERS

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Juli 2017 um 13:15 Uhr.

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