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Ende Januar wird das Chinesische Kulturjahr in Deutschland eröffnet. Im ganzen Land gibt es Veranstaltungen - abseits der Klischees von Pekingoper und Terrakotta-Kriegern. Erwartet wird, dass es dabei viele kritische Fragen zum Umgang mit Andersdenkenden geben wird.
Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking
Rund 1500 Künstler aus dem Reich der Mitte sollen in den nächsten Monaten zu 500 Veranstaltungen nach Deutschland kommen: Experimentelles Theater, modernes Design, Ausstellungen von bekannten und weniger bekannten Künstlern.
Eröffnet wird das Kulturjahr mit einem Konzert der Chinesischen Philharmoniker. Auf dem Programm: die Ouvertüre aus Wagners Tannhäuser und moderne chinesische Kompositionen, darunter die Bearbeitung eines Stücks aus der Pekinger Oper. Diese Kombination sei programmatisch für das Kulturjahr, sagt Chefdirigent Yu Long: "Ich hoffe, dass das Kulturjahr nicht nur mit Chinas traditioneller Kultur Aufmerksamkeit erregt, sondern auch die heutigen kulturellen Entwicklungen zeigt und die von morgen."
[Bildunterschrift: Auch die Philharmoniker der Pekinger Oper werden zu einem Konzert anreisen. ]
Eine Ausstellung in Kassel etwa soll chinesische Kunst im öffentlichen Raum zeigen und moderne Architektur. Chinesische Musiker treten beim Schleswig-Holstein Musikfestival auf. Ein mobiles Teehaus aus Bambus soll in Hannover, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und Leipzig eine Plattform für Präsentationen bieten, die auch das breite Publikum ansprechen: darunter Akrobatik, Gaukler und Tanz.
Dass es im Vorfeld all dieser Veranstaltungen bereits Kritik von Menschenrechtsgruppen gab, weist Berater Michael Kahn-Ackermann als verfrüht zurück. "Man sollte dem Kulturjahr eine Chance geben und nicht von Anfang mit dem Knüppel drauf einschlagen. Das ist keine PR-Veranstaltung, sondern wirklich der Versuch, eine Plattform zu schaffen, auf der Begegnungen aller Art, künstlerische, intellektuelle und wissenschaftliche, möglich sind."
[Bildunterschrift: "Wir wollen anderen Künstlern eine Chance geben", teilten die Veranstalter mit und luden Ai Weiwei nicht ein. ]
Der kritische Künstler Ai Weiwei, der im letzten Jahr fast drei Monate lang von den Behörden verschleppt worden war, ist allerdings nicht eingeladen. Fan Di’an, Direktor des Nationalen Kunstmuseums, verteidigt die Entscheidung, Chinas bekanntesten Künstler außen vor zu lassen. Man wolle diesmal anderen eine Chance geben, sagt er: "Die zeitgenössische Kunst entwickelt sich sehr schnell in China. Es gibt viele andere Künstler in China und außerhalb, die wir einladen."
Dass es bei vielen Veranstaltungen kritische Fragen nach Menschenrechten und dem Umgang mit Andersdenkenden in China geben dürfte, ist den Veranstaltern diesmal klar. "Dass es unterschiedliche Auffassungen gibt, sei doch völlig normal, sagt Xiang Xiaowei vom Kultusministerium. Das Kulturjahr ist eine gute Chance zum Meinungsaustausch. Wir werden Diskussionen nicht ausweichen. Trotzdem hoffen wir auf eine gute Zusammenarbeit durch Dialog."
Ob es die chinesischen Veranstalter damit ernst meinen, ob es kritische und offene Dialoge geben wird, das werden die nächsten Monate zeigen müssen.
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