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Forschungsergebnisse sorgen für Skepsis

Alles Caravaggio, oder was?

Der Fund bisher unbekannter Gemälde und Zeichnungen Caravaggios sorgt für Diskussionen. Ein römischer Kunsthistoriker äußerte Zweifel daran, dass alle etwa 100 Werke dem berühmten Barockmaler zuzuordnen sind. Zwei Experten hatten dies nach aufwändiger Analyse behauptet.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Vor allem ist es ein gut inszenierter Mediencoup, den die beiden Wissenschaftler Maurizio Bernadelli Curuz und Adriana Conconi Fedrigolli da gelandet haben. Ein Coup, der gut geplant und noch besser geheim gehalten wurde. Er baut nämlich auf einer einzigen Zahl auf. 700 Millionen Euro - so viel sollen die etwa 100 Gemälde wert sein, die die beiden Wissenschaftler jetzt in Mailand entdeckt beziehungsweise neu zugeordnet haben.

Alles Caravaggio, oder was? Sensationsfund sorgt für Skepsis
S. Troendle, ARD Rom
06.07.2012 02:53 Uhr

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Fund soll das Frühwerk des Barockmalers umfassen

Bernadelli und Conconi behaupten nämlich, bei den von ihnen benannten Gemälden handele es sich um das mehr oder weniger komplette Frühwerk von Michelangelo Merisi, besser bekannt als Caravaggio. Sollte diese Aussage stimmen, wäre dies in der Tat eine Weltsensation - denn Caravaggio ist einer der bedeutendsten Maler überhaupt.

Das Schloss Sforzesco in Mailand
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Das Schloss Sforzesco in Mailand - hier fanden die Wissenschaftler die Caravaggio-Bilder.

Die Argumente der Wissenschaftler sind auf jeden Fall sehr überzeugend. Sie haben nämlich mit neuen Methoden die Kunstwerke vieler Mailänder Kirchen, vor allem aber die des Castello Sforzesco untersucht. Dort sind viele Werke der Schüler von Simone Peterzano gelagert, bei dem auch Caravaggio in seiner Jugendzeit ab 1584 in die Lehre gegangen sein soll. Die beiden Kunstwissenschaftler gingen von der These aus, dass Caravaggio dort auf jeden Fall Spuren hinterlassen haben müsse. Und sie wurden nach eigenen Angaben auch fündig, nachdem sie die Fundstücke mit bekannten Caravaggio-Bildern in Rom und Neapel verglichen und insbesondere auf die Gruppierung von Figuren, auf Proportionen und auf die Geometrie des Bildaufbaus geachtet haben.

Bei gegenübergestellten Bildern oder Bildausschnitten sind da durchaus verblüffende Ähnlichkeiten erkennbar. Angeblich wurde sogar eine handschriftliche Notiz von Caravaggio gefunden - zumindest behauptet das der Schriftsachverständige, der den Zettel untersucht hat.

"Erstmal handelt es sich nur um eine Zuordnung"

Trotzdem bezweifelt der römische Kunsthistoriker Claudio Strinati die Echtheit des Fundes. Strinati war bis vor drei Jahren für alle römischen Museen verantwortlich und arbeitet derzeit in leitender Position im Italienischen Kulturministerium. Er sagte der staatlichen RAI: "Das ist nichts außergewöhnliches. Das kann natürlich ohne Zweifel ein Fund sein. Aber erstmal handelt es sich nur um eine Zuordnung. Wenn wir - egal in welcher Wissenschaft - von Wiederauffinden sprechen, dann passiert das, weil es Beweise gibt. In diesem Fall handelt es sich um eine Gruppe von Zeichnungen, die zwei Wissenschaftler unter anderem wegen des Stils für Werke aus der Hand des jungen Caravaggio halten."

Caravaggio-Fund
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Das Bild "Studie eines Kopfes" wird Caravaggio zugeschrieben.

Zweifel, ob alle Zeichnungen von Caravaggio stammen

Aber das müsse man schon deutlich machen, sagt Professor Strinati: Es sei nämlich nur eine Vermutung. Eine Bestätigung gebe es nicht. Denn einiges sei selbst auf den ersten Eindruck hin doch sehr fragwürdig: "Ich habe einige dieser Zeichnungen gesehen - zwar nur im Internet, also ist das auch ein oberflächliches Urteil. Aber trotzdem habe ich den Eindruck, dass diese Zeichnungen aus den Händen von diversen Künstlern stammen und nicht nur aus einer. Kann schon sein, dass einzelne Bilder tatsächlich aus der Hand von Caravaggio stammen, aber sicher nicht alle."

Der Preis der bisher unbekannten angeblichen Caravaggio-Werke dürfte jedenfalls künftig ansteigen. Die beiden Wissenschaftler wollen übrigens ihre der Nachrichtenagentur ANSA vorab zugespielten Untersuchungsergebnisse heute offiziell vorstellen. Und sie haben sich gut vorbereitet - ihre Forschungsergebnisse kann man bereits im Internet als E-Book kaufen. Titel: "Der junge Caravaggio. Die 100 wiedergefundenen Werke." Es handelt sich wie gesagt auch um einen Mediencoup.

Stand: 06.07.2012 08:53 Uhr

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