Aeham Ahmad | Bildquelle: dpa

Beethovenpreis für Aeham Ahmad Mit Musik gegen den Terror

Stand: 18.12.2015 11:31 Uhr

Auf einem alten Klavier spielte Aeham Ahmad gegen die Gewalt in seinem Heimatland Syrien an - Musik als ein Stück Normalität inmitten des Krieges. Doch als der IS sein Klavier verbrannte, musste er fliehen. Nun erhält Ahmad den Beethovenpreis für Menschenrechte.

Von Ute Pauling, WDR

In der letzten Woche vor der Preisverleihung hat sich vieles überschlagen. Aeham Ahmad tourt durch Deutschland wie ein Star, gibt Interviews und Konzerte, sogar in Livesendungen im Fernsehen und trifft so bekannte Musiker wie Daniel Barenboim. Dabei ist er nicht berühmt als Profimusiker - es ist die Kombination von Musik und Schicksal, die berührt.

Das Klavier spielt indessen eine ganz ungewöhnliche Rolle. Es muss einmal weiß gewesen sein, bevor es in den Trümmern des Palästinenserlagers Jarmuk in der syrischen Hauptstadt Damaskus mühsam auf Rollen durch die zerschossenen Straßen bewegt wurde.

Es wurde zu Ahmads ständigem Begleiter im Widerstand gegen den Krieg: Mit Musik gegen den Terror versuchte er die Menschen dort aufzurichten, zum Bleiben zu bewegen, wie er sagt. Er spielte Mozart, Beethoven, eigene Kompositionen und Kinderlieder, und wer ihn spielen hörte, sang begeistert mit.

Aeham Ahmad auf den Straßen von Damaskus
Quelle: Amnah Omar "Maystro Almokhayam"

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Musik ist für IS Teufelswerk

An Flucht dachte er lange nicht, denn seine Familie lebt seit Jahrzehnten in Damaskus, betrieb im Lager eine Instrumentenhandlung. Aeham selbst hat Musik studiert und ist Vater zweier Söhne. Aber öffentlich Musik zu machen ist im Glauben militanter Gotteskrieger Teufelswerk, was Ahmads Spiel jeden Tag zu einem lebensgefährlichen Unternehmen machte.

Erst als die Anhänger des "Islamischen Staates" sein Instrument anzündeten, wusste er: Jetzt ist es höchste Zeit zu gehen. Die Flucht war schwierig, gefährlich und teuer. Seine Familie musste zurückbleiben. Das Lager gibt es immer noch, die Menschen hungern weiterhin und scheinen vergessen zu werden.

Musik gegen Gewalt - das hätte Beethoven gefallen

Noch ein Grund für den Pianisten, sich für seine Landsleute zu engagieren: "Jarmuk ist immer noch belagert und keine Hilfsorganisation kommt rein, um Lebensmittel zu verteilen. Das Lager ist aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden. Und das ist meine Botschaft: dass man an diese Menschen denkt, und dass die Welt endlich wieder darüber spricht."

Ahmad hat sich mit dem Handy selbst gefilmt, um die Welt auf das Schicksal hinzuweisen - Musik als Stimme gegen Terror und Gewalt, das hätte Beethoven gefallen, meint der Pianist. Denn Beethoven liebte die Verwandlung, etwa in seinen berühmten Variationen.

Aeham Ahmad lebt als Flüchtling in Hessen
18.12.2015

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Preisvergabe vorgezogen

Eigentlich sollte der Beethovenpreis für Menschenrechte erst im kommenden Jahr vergeben werden. Aber die Preis-Stifter hatten wohl auch die Idee, sich Beethovens Dynamik zu eigen zu machen und zogen die Preisvergabe einfach vor. Die Verleihung findet nun in der Bundeskunsthalle in Bonn statt.

Auf seine Familie wartet Aeham Ahmad sehnsüchtig, wann immer es geht, tut ihm das Handy wieder einmal gute Dienste bis Frau und Kinder nach Deutschland kommen können.       

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