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Versteigerung des Kunstwerks abgesagt
Banksys nähender Junge kommt nicht unter den Hammer
Es prangte an der Wand eines Londoner Discounters - und war plötzlich verschwunden: Das Werk "Sklavenarbeit" des anonym arbeitenden Graffiti-Künstlers Banksy. Später sollte es versteigert werden, doch die Auktion wurde abgesagt - offenbar auch auf Druck der Anwohner.
Von Gabi Biesinger, ARD-Hörfunkstudio London
Die Geschichte könnte wegen der weltweiten Aufmerksamkeit zu heiß geworden sein, spekuliert die Kunstkritikerin Estelle Lovatt in der BBC, nachdem der Banksy in Miami nicht unter den Hammer gekommen war. Der Unbekannte, der das Bild versteigern wollte, könnte kalte Füße gekriegt haben.
Das Auktionshaus Fine Art in Miami wollte sich zu den Gründen für den Rückzieher nicht äußern. Und auch die Firma Wood Green Investments, von deren Haus in Nord-London der Banksy verschwunden war, hält sich bis heute bedeckt.
"Rettet unseren Banksy"
Tagelang hatten verärgerte Anwohner mit Plakaten vor der Hauswand protestiert und mit Sprechchören "Save our Banksy" die Herausgabe ihres Banksys gefordert.
Nach der gescheiterten Auktion hoffen die Anwohner, dass das Wandbild nun tatsächlich zurückkommen könnte: "Banksy hat das Bild hierhin gemalt. Und wir wollen es wieder haben. Ich hoffe, diejenigen, die Geld damit machen wollten, haben ein schlechtes Gewissen - aber das bezweifele ich."
Banksy-Auktion abgesagt
G. Biesinger, ARD London
24.02.2013 14:12 Uhr
Offiziell wurde nie ein Diebstahl angezeigt im Fall Banksy. Aber tagelang diskutierten die britischen Medien die moralische Frage - wem gehört Straßenkunst? Darf ein Hausbesitzer sie einfach verkaufen oder gehört sie der Öffentlichkeit und folglich in den öffentlichen Raum?
Eine Auktion gegen die Idee des Werks?
Im diesem Fall sei die Sache klar, meint Gemeindevertreter Alan Strickland, der den Banksy jetzt nach Haringey zurückholen will. Das Bild mit dem Titel "Sklavenarbeit", das einen Jungen zeigt, der an einer Nähmaschine Wimpel einer britischen Flagge zusammennäht, habe der Künstler sicher nicht zufällig an die Wand eines Billig-Discounters wie Poundland gesprüht: "Das Bild ist eine freche Kritik am Kapitalismus. Ausgerechnet eine Versteigerung in Miami wäre also völlig gegen die Idee dieses Kunstwerks gewesen."
Nachdem der Banksy von der Hauswand verschwunden war, hatten zunächst Unbekannte Graffiti mit dem Schriftzug "Achtung Diebe" neben den leeren Fleck gesprüht. Später erschien dann noch ein rosafarbener Dinosaurier. Jetzt überklebte jemand die Stelle mit dem Bild einer Nonne, die keinen Mund hat, dafür aber einen roten Stern über dem Auge.
Um diesen Platzhalter wäre es nicht schade, meint Estelle Lovatt. Die Zeichnung sei schlecht und wertlos urteilt die Kunstkritikerin: "Ein richtig mieses Bild. Definitiv kein Banksy. Da wollte jemand 15 Minuten Ruhm. Je schneller es verschwindet desto besser."
Stand: 24.02.2013 14:56 Uhr
