Eine Ausstellung in Mailand zeigt Werke des Street-Art-Künstlers Banksy. | Bildquelle: MATTEO BAZZI/EPA-EFE/REX/Shutter

Bilder beschlagnahmt Banksy-Ausstellung in Brüssel geplatzt

Stand: 24.11.2018 02:07 Uhr

Die Ausstellung "Banksy Unauthorized" macht seit Kurzem in Brüssel Station. Doch nun wurden die Bilder von den belgischen Behörden beschlagnahmt. Los ging der Ärger mit einem Brief aus England.

Von Birgit Raddatz, ARD-Studio Brüssel

Knapp zwanzig Schülerinnen und Schüler springen aufgeregt um Anne-Sophie herum. Eigentlich wollte die Kunstgeschichte-Doktorandin den Kindern die Ausstellung mit Originalbildern des Street-Art-Künstlers Banksy im Brüsseler Stadtteil Ixelles zeigen. Doch die ist seit Freitag geschlossen. Die Begründung: Die deutschen Kuratoren hätten weder die Erlaubnis, die Bilder auszustellen, noch seien die Exponate versichert gewesen. Deshalb hatten die belgischen Behörden in der Nacht zu Freitag alle 60 Bilder beschlagnahmt.

Besucherin Carry hat davon im Radio gehört. Sie hätte vor allem gern die Miniatur des berühmten Bildes "Mädchen mit rotem Ballon" gesehen. "Ich war schon enttäuscht, denn seit es diesen aufsehenerregenden Fall gab, als das Bild für eine Million Dollar verkauft werden sollte und dann geschreddert wurde, war ich total aufgeregt und wollte noch viel mehr von Banksy sehen."

Offenbar forderte Banksys Agent Herausgabe der Bilder

Anfang des Monats mietete sich eine deutsche Kuratorengruppe mit dem Namen "On Entertainment" in einem leer stehenden Brüsseler Supermarkt ein, um bis Ende des Jahres Originalbilder von Banksy zu zeigen. Der Verein "Strokar", der ohnehin im Supermarkt eine große Ausstellung mit belgischen Street-Art-Künstlern zeigt, hatte die Räume zur Verfügung gestellt. Ein Verantwortlicher von "Strokar" sagt, der Ärger sei mit einem Brief losgegangen.

Der sei vom Anwalt Steve Lazarides gewesen. Lazarides ist englischer Galerist und galt lange als Banksys Agent. Die Forderung: Die Exponate sollten unverzüglich herausgegeben werden, sonst mache sich "Strokar" zum Komplizen. Da der Verein gemeinnützig ist, gaben die Verantwortlichen der Forderung nach. Beamte packten am Donnerstag bis weit nach Mitternacht Kisten mit Bildern im Gesamtwert von 15 Millionen Euro.

Die deutschen Verantwortlichen sind für ein Interview nicht zu sprechen, sie versuchen derzeit, vor einem belgischen Gericht die Herausgabe der Bilder zu erwirken.

Ausstellung kehrt wohl nicht zurück

Der Schülerin Cassy zumindest ist Banksy relativ egal. Sie ist mit der Schule da und schaut sich lieber die riesigen Graffiti-Bilder im ehemaligen Parkhaus des Supermarktes an. "Wir haben gerade einen Kurs zum Thema Street-Art und Geschmack und deshalb schauen wir uns diese Bilder hier an", meint sie.

Dass die Banksy-Ausstellung noch einmal vor dem 30. Dezember eröffnet wird, glaubt hier niemand mehr. Denn dann wird das Haus offiziell abgerissen, auch die "Strokar"-Ausstellung verschwindet. Schon jetzt kratzen deshalb Handwerker die großen roten Ausstellungsbuchstaben im Schaufenster ab. Banksy würde es vermutlich gefallen.

Banksy-Ausstellung in Brüssel beschlagnahmt
Birgit Raddatz, ARD Brüssel
23.11.2018 23:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. November 2018 in den Kulturnachrichten.

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