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Im Missbrauchsskanal der katholischen Kirche in Irland hat Papst Benedikt XVI. den Bischöfen Versagen vorgeworfen. Jahrelang sei nichts gegen die Übergriffe getan worden, prangerte der Papst nach einem Krisentreffen die "abscheulichen Verbrechen" an. Einen schnellen Weg aus der Krise gebe es nicht.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Irland ist ein sehr katholisches Land. Fast 90 Prozent der Iren sind Katholiken, und viele Erziehungsheime und Schulen sind in kirchlicher Trägerschaft. In diesen Häusern gab es eine Unkultur des Missbrauchs und der Unterdrückung. Es gibt einen staatlichen Untersuchungsbericht, wonach zwischen 1914 und 2000 etwa 35.000 Kinder missbraucht worden sein sollen. Es gibt einen weiteren Bericht, den sogenannten Murphy Bericht, der sich nur auf die Erzdiözese Dublin bezieht. Hier gab es in den vergangenen drei Jahrzehnten mehr als 300 Opfer sexueller Gewalt durch Priester. Und das Schlimmste: Die Bischöfe haben das konsequent verschleiert und vertuscht.
Der Papst hat bei seinem Treffen mit der irischen Bischofskonferenz dieses Versagen offen angesprochen. Dass die Bischöfe nicht in der Lage waren, gegen den sexuellen Missbrauch junger Menschen durch Mitglieder des irischen Klerus vorzugehen, habe zu einer schweren Krise und zu einem massiven Vertrauensverlust geführt.
Zwei Tage lang waren die irischen Bischöfe im Vatikan, um mit Papst Benedikt über einen Ausweg aus der Krise zu beraten. Dabei berichteten die Bischöfe von dem "Gefühl von Schmerz, Wut, Verrat, Schande und Scham", das Missbrauchsopfer bei zahlreichen Gelegenheiten geschildert hätten. Weiter heißt in einer Mitteilung aus dem Vatikan: Die Bischöfe hätten eingeräumt, dass "Fehlurteile und Unterlassungen" die aktuelle Krise ausgelöst hätten. Und schließlich kam auch zur Sprache, was die katholische Kirche in Irland künftig gegen Missbrauch tun will. In jeder Gemeinde gibt es ehrenamtliche Missbrauchsbeauftragte, die entsprechend ausgebildet wurden, und Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt im kirchlichen Raum schützen sollen.
Dass sich die schwere Krise, in der sich Irlands Kirche befindet, allerdings nicht schnell bessern wird, dessen ist sich Papst Benedikt XVI. bewusst. Dennoch müssten sich die Bischöfe den Problemen "ehrlich und mutig" stellen und sie entschlossen angehen.
Benedikt sieht die Missbrauchsskandale in der Kirche mit großer Sorge. Er hat das vor allem bei seinen Reisen nach Australien und in die USA immer wieder gesagt. Auch in diesen beiden Ländern gibt es massive und massenhafte Missbrauchsvorwürfe gegen katholische Priester. In Australien und den USA hat sich Benedikt auch mit Opfern getroffen. Bereits als Kardinal hat Joseph Ratzinger dafür gesorgt, dass 2001 die kirchliche Strafverfolgung verbessert und die Strafen verschärft wurden. In der vergangenen Woche hat Benedikt den Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche noch einmal scharf und unmissverständlich kritisiert. Auslöser dafür waren wohl die jüngsten Enthüllungen an deutschen Jesuitenschulen.
Daher darf sich auch die katholische Kirche in Deutschland angesprochen fühlen, wenn der Papst nun erneut deutlich machte: Missbrauch von Kindern und Heranwachsenden ist ein "abscheuliches Verbrechen" und eine schwere Sünde gegenüber Gott. Für die Fastenzeit, die am Mittwoch beginnt, kündigte der Vatikan zudem ein Schreiben des Papstes an, das sich ausschließlich mit dem Thema Missbrauch beschäftigt.
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