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Tausende Menschen haben der Ermordung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri gedacht. Zu der Kundgebung in Beirut hatte unter anderem der jetzige Regierungschef Saad Hariri aufgerufen, ein Sohn des Getöteten. Die Hintergründe der Tat sind noch immer unklar.
Von Carsten Kühntopp, ARD-Hörfunkstudio Amman, zzt. in Beirut
Die Grabstätte in einem Zelt im Zentrum von Beirut ist über und über mit frischen weißen Blüten bedeckt, große Fotos rechts und links davon zeigen den Ermordeten, aus dem Lautsprecher erklingt eine Koran-Rezitation. Bilal, ein junger Mann, hält einen Moment am Grab inne und tritt dann wieder auf die Straße. "Rafik Hariri lehrte uns, zusammenzuleben, Muslime und Christen - zusammen und vereint. So sollte es nicht nur im Libanon, sondern auch in Europa und der Welt sein. Das muss Wirklichkeit werden und darf nicht nur ein Vermächtnis bleiben."
Rafik Hariri war "Mister Libanon", eine überlebensgroße Gestalt, die das Land geprägt hat. Als am 14. Februar 2005 eine gewaltige Autobombe Hariri tötete, ging ein Aufschrei durch den Libanon: Diesmal ist Syrien zu weit gegangen, hieß es. Und obwohl bis heute eine syrische Schuld nicht bewiesen ist, mussten alle syrischen Soldaten wenige Wochen nach dem Attentat das Land verlassen - die Besatzung war beendet.
[Bildunterschrift: Rafik Hariris Sohn Saad regiert nun im Libanon. ]
Nun ist Hariris Sohn Saad Ministerpräsident. Achmed Hariri, ein Cousin, berät ihn: "Nach dem Mordanschlag hatten wir fünf Jahre lang politische und wirtschaftliche Probleme und eine große Instabilität", sagt Achmed Hariri. Doch das sei nun vorbei. Mittlerweile habe es Wahlen gegeben, und der Besuch von Ministerpräsident Saad Hariri kürzlich in Syrien habe eine neue Seite in den Beziehungen aufgeschlagen. "Wir bauen auf diese Stabilität, denn ohne sie können wir nicht unser Programm umsetzen."
Das Attentat mobilisierte hunderttausende Libanesen, die die volle Souveränität ihres Landes forderten. Die Gegner waren die Hisbollah und deren Partner, die für eine Anlehnung an Syrien und den Iran eintraten. Eine entscheidende Kraftprobe vor zwei Jahren gewann die Hisbollah mit Waffengewalt.
Der neue Schmusekurs der Amerikaner und Saudis gegenüber Syrien zog dem Hariri-Lager dann international den Boden unter den Füßen weg, meint der Politologe Hilal Khashan von der American University Beirut: "Die Saudis gaben ihren Segen für die besondere Rolle Syriens im Libanon. Und es waren die Syrer, die Saad Hariri halfen, seine Regierung zu bilden. Ich weiß noch nicht, wie das aussehen wird, aber die Syrer werden nun ihre alte, starke Position im Land wieder einnehmen - dieser Prozess hat längst begonnen."
Regierungsberater Achmed Hariri hält entgegen, dass die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Syrien ein großer Fortschritt gewesen sei. Der Besuch des neuen Regierungschefs in Damaskus habe dem Libanon gedient: "Als ein Land, das mitten in einer heißen Region liegt, können wir uns dem Wandel, der in dieser Region passiert, nicht verschließen. Wir können uns nicht auf eine Seite schlagen, sondern sollten mit allen reden. Unser Ansatz ist es, mit allen gut Freund zu sein."
[Bildunterschrift: Gedenken an Rafik Hariri in Beirut. ]
Zwar gewann das Hariri-Lager bei der Wahl im vergangenen Jahr eine knappe Parlamentsmehrheit, doch Hisbollah und Co. erhielten deutlich mehr der abgegebenen Stimmen und sind wieder in der Regierung vertreten. Nadim Gemayel, ein rechtsgerichteter Abgeordneter, warnt deshalb: "Wenn Amerika bessere Beziehungen mit Syrien will - bitte schön, wir streben das ja auch an. Aber das darf nicht auf Kosten der Libanesen passieren, die den Preis für 20 Jahre syrischer Dominanz bezahlt haben."
Doch letztlich weiß jeder Libanese: Das Land kann nur im Konsens aller regiert werden. Und die neue Stabilität ist mehr als willkommen. Der Tourismus boomt, und im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaft um fast neun Prozent.
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