Kommentar

Kommentar zum Familiennachzug "Desintegration mit Methode"

Stand: 10.11.2015 12:05 Uhr

Der subsidiäre Schutz ist das Gegenteil von dem, was ein Flüchtling braucht. Und er ist das Gegenteil von dem, was Menschen aus Syrien zusteht, meint Isabel Schayani. Wenn man den Familiennachzug einschränkt, schafft man ein Heer von frustrierten Männern.

Von Isabel Schayani, WDR

Was der Innenminister einem Teil der Syrer da anbieten möchte, ist "Asyl light" - und das ist noch zu viel gesagt. Es ist nur unwesentlich besser als die Duldung. Ein Jahr hier sein, ausharren und nicht wissen, wie lange man hier bleiben darf. Warten, kein Deutsch lernen, sich nicht integrieren und natürlich keine Familie nachholen. In Deutschland überwintern - das ist alles.

Dass de Maizière damit weitere Anreize - sogenannte Pull-Faktoren - abschaffen will und hofft, dass sich weniger Menschen nach Deutschland aufmachen, mag sein Vorpreschen teilweise erklären. Die Logik dahinter ist: Fremde als Gefahr abzuwehren, um sie bald loszuwerden. Dabei ist doch völlig klar, dass diese Unklarheit, das Warten keinem Menschen gut tut. Schon gar nicht, wenn Frau und Kinder in Gefahr sind.

Arbeit als Weg in die Gesellschaft

Der subsidiäre Schutz ist das Gegenteil von dem, was ein Flüchtling braucht und was jemandem, der Syrien überlebt hat, zusteht: Jeder Schritt, der das Warten der Flüchtlinge in den Camps, Turnhallen und Unterkünften verlängert, ist Desintegration mit Methode. Ist genau das Gegenteil von dem, was einem Menschen einen Neustart ermöglicht. In den USA müssen Flüchtlinge nach wenigen Monaten arbeiten. Arbeiten ist der Weg in die Gesellschaft. Mit Konstruktionen wie dem subsidären Schutz schaffen wir Heere von frustrierten Männern in Unterkünften.

Heute erhielt ich Post von einem Flüchtling, der seit Januar hier ist - zu viert in einem Zimmer. Ein höflicher Mensch, der aber am Ende seines Briefes schrieb:

"Über lange Zeit nur zu essen und zu schlafen, ohne arbeiten und lernen zu können, führt dazu, dass die Menschen sich schlecht benehmen und psychische Probleme haben. Sie können so eine Gefahr für die Gesellschaft werden. Wenn die Regierung ihnen das Arbeiten ermöglichen würde, dann könnten sie gesund und produktiv sein, während ihr Asylverfahren geklärt wird. Aber wenn jemand überhaupt nichts zu tun hat, dann versucht er etwas zu tun. Es könnte gut und es könnte schlecht sein."

Mit dem subsidiären Schutz, der "Duldung de luxe", würde sich diese Situation verschlechtern.  

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