Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Weitere ARD Online-Angebote.
Als heute vor 30 Jahren im Kernkraftwerk Three Mile Island nahe Harrisburg eine Pumpe versagte, reagierten die Verantwortlichen schnell: "Harmlos", beruhigten sie die Bevölkerung. Doch die kleine Panne sollte der schwerste nukleare Zwischenfall in der Geschichte der USA werden.
Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington
28. März 1979. 4 Uhr und 36 Minuten: "Ein Unfall im Wasserkühlsystem des Atomkraftwerks Three Mile Island in Harrisburg, Pennsylvania, ist der Grund dafür, dass die Betriebsleitung den Notfall ausgerufen und Teile der Anlage geschlossen hat."
Diese Nachricht versetzte die Welt in Angst und Schrecken. Menschen aus der Umgebung des Atomkraftwerkes wurden evakuiert, auch wenn es schon kurze Zeit später hieß: "Alles ist unter Kontrolle. Es bestand und besteht keine Gefahr für die Sicherheit der Menschen."
[Hinweis: Sie benötigen das Flash-Plugin und aktiviertes Javascript um das Video zu sehen.]
Die "Beinahe-Katastrophe" wurde in den offiziellen Stellungnahmen heruntergespielt. Richtig ist aber: Durch eine technische Panne kam es nach einer Störung im Kühlsystem des Reaktors zum Schmelzen von einem Viertel der Brennelemente. Größere Mengen radioaktiver Gase und verseuchten Wassers traten aus dem Reaktorkern aus. Die Entseuchung der Anlage zog sich über zehn Jahre hin. Viele Arbeiter wurden dabei radioaktiv verstrahlt.
Widersprüchlich sind die Darstellungen, ob es nach dem Unfall eine erhöhte Krebshäufigkeit in der Umgebung von Three Mile Island gegeben hat. Während offizielle Stellen dies verneinen, belegt eine Studie, dass die Krebsrate sechs Jahre nach dem Unfall in den Gebieten, in die das radioaktive Material gezogen ist, um bis zu 150 Prozent über dem Durchschnitt der nahe gelegenen Ortschaft Harrisburg lag.
[Hinweis: Sie benötigen das Flash-Plugin und aktiviertes Javascript um das Video zu sehen.]
Nach dem Störfall wurde die Anti-Atomkraftbewegung in den USA immer stärker. Unter dem Druck der Öffentlichkeit stoppte die amerikanische Regierung sogar ihr Atomprogramm. Doch das ist Geschichte. Inzwischen fördert Washington den Bau nuklearer Anlagen. Die Atomindustrie boomt - und selbst Barack Obama hat inzwischen im Zusammenhang mit der Atomenergie seine Meinung geändert. Noch vor drei Jahren sagte er auf einer Veranstaltung: "Ich bin kein Befürworter der Atomenergie."
Und was sagt Präsident Obama heute? "Wir sollten auch die Atomenergie weiter nutzen, aber nur als einen Teil von verschiedenen Energiequellen. Es gibt keinen Königsweg. Ich bin vor allem für die Nutzung der Sonnenenergie und für eine aggressive Reduzierung von Treibhausgasen."
[Hinweis: Sie benötigen das Flash-Plugin und aktiviertes Javascript um das Video zu sehen.]
Bis zum Jahr 2010 rechnet die US-Regulierungsbehörde für die Atomenergie mit 33 Bauanträgen für Nuklearreaktoren. Die Mehrheit der amerikanischen Bürger hat nichts dagegen. Sie sieht die Atomenergie als eine saubere Energie an, die sich positiv auf den Klimaschutz auswirken werde. Bei einer Umfrage unter Bürgern, die in der Nähe von Atomkraftwerken leben, äußerten sich 85 Prozent der Befragten positiv über die atomare Energiegewinnung - und das, obwohl man auch in den USA das Problem der Endlagerung noch nicht gelöst hat.
Aber natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Nachdem in Calvert County im Bundesstaat Maryland ein Atomkraftwerk errichtet wird, hat sich dort eine Bürgerinitiative gegründet, die den Bau verhindern möchte. "Ich möchte wirklich nicht verseucht werden von Strahlen aus einem Atomkraftwerk, die aus einer undichten Stelle herausdringen", sagte eines der Mitglieder neulich in einem Radiointerview. Und: "20.000 Menschen wohnen hier in der Umgebung - was passiert mit denen im Notfall? Bei einer Evakuierung wird es einen Engpass geben."
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW