Kommentar

Facebook-Datenskandal Zuckerberg - zum Big Brother gemacht

Stand: 05.04.2018 21:07 Uhr

Kein Staat der Welt ist im Zeitalter von Facebook und Twitter in der Lage, die Würde des Menschen zu schützen. Grund seien nicht die sozialen Netzwerke, sondern die Online-Eitelkeiten der Nutzer, meint Ralph Sina.

Ein Kommentar von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Facebook-Chef Marc Zuckerberg hat es geschafft. Er ist dank der freiwilligen Selbstaufgabe der Facebook-Nutzer der personifizierte Big Brother des 21. Jahrhunderts. Die Würde des Menschen ist allenfalls im deutschen Grundgesetz noch unantastbar.

Kein Staat der Welt ist im Zeitalter von Facebook, Whatsapp, Instagram und Twitter in der Lage, diese Würde zu schützen. Selbst die beste europäische Datenschutzgrundverordnung kann das nicht erfüllen - weil der Facebook-Nutzer selbst in seiner grenzenlosen Selbstverliebtheit und seinem Online-Exhibitionismus keine eigene Würde mehr kennt. Und elementare Grundrechte bereitwillig selbst aufgibt.

Zuckerbergs Gold und Öl

Dazu gehört zum Beispiel das Recht auf die Unversehrtheit der Privatsphäre. Denn der Facebook-Nutzer wusste zu jedem Zeitpunkt, dass seine persönlichen Daten und Profile Zuckerbergs Gold und Öl sind. Es musste immer klar sein, dass Online-Plattformen wie Facebook nur deshalb kostenlos sind, weil sie mit den Daten der Nutzer Milliarden Dollar machen.

Rund 1,4 Milliarden tägliche Facebook-Nutzer liefern sich weiterhin bereitwillig der Datenkrake aus. Die Analyse einiger "Likes" reicht, um sexuelle Orientierungen sowie nicht mehr geheim zu haltende Wünsche mit hoher Wahrscheinlichkeit zu bestimmen.

Bereitwillig gelieferte Daten

Der politische Aufstieg des derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump sowie auch das Votum der Briten für den EU-Ausstieg waren auch deshalb möglich, weil ihre Wegbereiter die Propaganda mit Hilfe der von den Facebook-Nutzern bereitwillig gelieferten Daten perfekt personalisieren und individualisieren konnten. Die Online-Eitelkeiten und Selbstinszenierungen via Facebook, Instagram und Co. haben Trump den Weg ins Weiße Haus erleichtert. Und die Echoräume auf Facebook haben die Lügen der Brexit- Befürworter wahr klingen lassen.

Selbst die strengste EU-Datenschutzgrundverordnung - so gut und notwendig sie auch ist - wird in Zukunft nichts Entscheidendes ändern. Und auch keiner Facebook-Ethikkommission wird das möglich sein. So wünschenswert es auch wäre, wenn unabhängige Wissenschaftler eine Art Facebook-Aufsichtsrat bildeten und wenn die Nutzer der sozialen Medien ihre Online-Eitelkeiten überwinden und ihre Privatsphäre nicht freiwillig aufgeben. Selbst dann nicht, wenn Online-Plattformen eines Tages Geld dafür bieten würden.

Wenn der Nutzer sich selber weiter als offenes Buch auf Facebook und Co. präsentiert, darf er sich über die Entmündigung nicht wundern - und über das Regiertwerden durch Unternehmer wie Marc Zuckerberg.

Redaktioneller Hinweis

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. April 2018 um 22:15 Uhr.

Korrespondent

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